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Esslingen auf dem Weg zum vollelektrischen Nahverkehr
Futuristisches Styling: einer der neuen Oberleitungs-Busse am Esslinger Bahnhofsplatz Foto: Ferdinando Iannone
Klimaschutz

Esslingen auf dem Weg zum vollelektrischen Nahverkehr

Die ersten vier O-Busse mit Batterie sind bereits im Einsatz. Die Fahrzeuge fahren auch Stadtteile ohne Oberleitungsnetz an.

28.11.2017
  • RAIMUND WEIBLE

Stuttgart. Elegant sehen sie aus mit ihrer schrägen Front. Die neuen Oberleitungs-Busse der Stadt Esslingen wirken ein bisschen wie ICE-Züge auf Rädern. Doch entscheidend ist nicht die Optik. Die Gelenk-Trolley-Busse des Typs „Solaris Trollino“ sind mit einer Batterie ausgestattet, die sie in die Lage versetzt, ohne Oberleitung 15 Kilometer am Stück zu fahren. Dank der neuen Technik kann der Städtische Verkehrsbetrieb Stadtteile ohne Oberleitung vollelektrisch bedienen. Den Ökostrom dazu liefern die Esslinger Stadtwerke.

Bei Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) löst der Ausbau der Elektromobilität in Esslingen Freude aus. „Nachhaltige Mobilität der Zukunft ist in Esslingen bereits Gegenwart“, sagte der Minister bei der Übergabe eines neuen Hybridbusses im Oktober. Von den Bussen neuen Typs laufen bereits vier. Diese haben sich laut Bürgermeister Ingo Rust (SPD) im Alltag bewährt. Deshalb hat die Stadt bereits sechs weitere Hybridbusse bestellt.

Entscheidung hoch umstritten

Die Entscheidung für den Ausbau des O-Bus-Netzes war im Gemeinderat Esslingen allerdings hoch umstritten. CDU, Freie Wähler und FDP lehnten den Antrag der Verwaltung im Juli 2017 geschlossen ab. Freilich auch deswegen, weil die Stadt will, dass der Eigentrieb seinen Linienverkehr zum Nachteil von privaten Konzessionären ausweitet. Die Stimme von Oberbürgermeister Jürgen Zieger (SPD) gab den Ausschlag für die knappe Mehrheit von 21 zu 20 Stimmen.

Esslingen ist neben Solingen (Nordrhein-Westfalen) und Eberswalde (Brandenburg) die einzige Stadt in Deutschland mit Oberleitungsbussen. „Bedauerlich, dass es nicht mehr Kommunen mit diesem System gibt“, sagt Minister Hermann. Andere deutsche Städte, so auch Berlin, haben sich schon vor Jahrzehnten von der Technik verabschiedet.

Im Ausland kommt die Technik besser an. In Zürich, Luzern und Basel laufen O-Busse, ebenso in zahlreichen Städten Polens und Tschechiens. Und in San Francisco und Sydney. Diese Busse sind leise und scheiden kaum Schadstoffe aus. Ihre Nachteile sind die im Vergleich zu Dieselbussen höheren Kosten, die Fixierung an die Oberleitung und die das Stadtbild nicht gerade verschönernden Leitungsdrähte.

Doch vor dem Hintergrund der schlechten Luft in den Innenstädten und der Bemühungen um den Klimaschutz fallen die ökologischen Vorzüge der O-Busse stärker ins Gewicht. Der Einsatz eines Solaris spart im Jahr 74 000 Liter Diesel ein und reduziert den Ausstoß von Kohlendioxid um 79 Tonnen. Laut Verkehrsministerium hat „der alte Industriestandort den Sprung in die Moderne geschafft und leistet einen großartigen Beitrag zum Klimaschutz“.

An einer Lösung, die O-Busse für einen Teil ihrer Fahrten autark von den Leitungen zu machen, arbeitet die Stadt Esslingen seit langem. Schon 1975 experimentierte der Verkehrsbetrieb mit den ersten O-Bussen, die mit einer Batterie ausgestattet waren. Doch die Batterien waren zu schwach und besaßen nur eine kurze Lebensdauer – ein sicherer Betrieb war nicht garantiert. Danach kamen die so genannten Duo-Busse zum Einsatz – O-Busse mit einem Elektro- und einem Dieselmotor. Damit war 2007 Schluss. „Die Fahrzeuge waren zu schwer und zu kostenintensiv“, sagt der Technische Werkleiter Harald Boog.

Laden während der Fahrt

Entscheidend für einen weiteren Anlauf mit Stromspeichern sind die besseren Eigenschaften der neuen Batterie-Generation. Die „Solaris“-Busse aus polnischer Herstellung sind mit Batterien des Düsseldorfer Unternehmens Kiepe ausgestattet und leisten 46 Kilowatt pro Stunde. Um die Batterien aufzuladen, muss der Bus nicht pausieren – das geschieht kontinuierlich während der Fahrt über die Oberleitung. Aber auch die Bremsenergie bei Bergabfahrten lädt die Batterie. Deshalb, so Boog, kann der Verkehrsbetrieb auf Standzeiten verzichten, wie sie normale E-Autos benötigen.

Nach dem Konzept der Stadt wird das derzeitige Fahrleitungsnetz um 15 Prozent vergrößert. Außerdem tauscht sie sukzessive ihre klassischen O-Busse gegen die Hybridbusse aus. „Damit können wir unsere elektrische Fahrleistung verdoppeln“, sagt Boog. Die Umstellung des Stadtverkehrs auf Strom dauert laut Boog etwa fünf bis sieben Jahre.

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28.11.2017, 06:00 Uhr
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