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"Es tut gut, Gefühle zu teilen"
Andy McCluskey (links) und Paul Humphreys von OMD kommen zur Night Of The Proms nach Stuttgart. Foto: PSE Germany
OMD-Sänger Andy McCluskey über Proben, Intelligenz und isolierte Popstars

"Es tut gut, Gefühle zu teilen"

Seine Band gehört zu den Pionieren der englischen elektronischen Pop-Musik. Jetzt tritt Orchestral Manoeuvres In The Dark mit Orchester auf. Ein Widerspruch? Keineswegs, sagt Bandgründer Andy McCluskey.

05.12.2015
  • CLAUDIA REICHERTER

Orchestral Manoeuvres In The Dark ist bekannt dafür, etwa mit dem Song "Enola Gray", einen kritischen Blick auf Geschehnisse in der Welt zu werfen. Hat sich daran in den vergangenen Jahren etwas geändert?

ANDY MCCLUSKEY: In der Musik lassen sich Gefühle ebenso wie Gedanken ausdrücken. Es tut gut, dies zu teilen. Manchmal teilen die Leute deine Ansichten und manchmal nicht. Aber es ist schwierig, die Welt allein anhand von populärer Musik zu verändern. Sie kann Gefühle wiedergeben, aber die Welt verändern kannst du damit nicht immer, auch wenn sie dir missfällt.

Ist Ihnen das dennoch ein Anliegen?

MCCLUSKEY: Die Leute, die unsere Musik anhören, haben vielleicht zuvor schon eine ähnliche Einstellung wie wir. Deshalb findet die Botschaft bei ihnen positiven Nachhall. Aber es gibt auch welche, die sagen, "Ich hab mir deinen Song angehört, und der hat mein Leben verändert" oder "Er ist mir wichtig geworden" oder "Er erinnert mich an was Gutes" - also ja, es gibt Momente, wo man für drei Minuten etwas Gutes tun kann. Das verändert vielleicht nicht die ganze Welt, aber kann wichtig sein für die Welt eines Menschen. Das bewirken zu können, ist mir eine große Ehre.

Mit OMD erzeugen Sie emotionale Musik mittels unpersönlicher, nüchterner Technologie. Jetzt spielen Sie bei der Night Of The Proms. Wie passt das zusammen?

MCCLUSKEY: Als wir anfingen, wollten wir musikalisch etwas Neues machen. Die elektronische Musik erlaubte uns, einen ganz neuen, unverwechselbaren Sound zu erschaffen. Die Melodien wirkten vielleicht umso gefühlvoller durch den Kontrast zwischen Mensch und Maschine. Mit einem Orchester und einem Chor unsere einfachen, minimalistischen elektronischen Songs an diese leicht verrückte Night Of The Proms anzupassen ist natürlich etwas komplett anderes. Insofern passt das dann gerade zu uns. Wenn wir mit OMD ein Konzert geben, tun wir das vor 2000 Leuten oder so. Bei der Night Of The Proms spielen wir in riesigen Arenen vor 15 000 Menschen. Das ist, als rittest du auf einer gewaltigen Flutwelle. So groß. Aber der Klang ist viel weicher und organischer, als wir es gewohnt sind. Es ist unbeschreiblich, als Sänger dort im Fokus zwischen tausenden Zuschauern und hunderten Orchestermusikern zu stehen. Durch mich fließt die Energie beider Gruppen, das ist ein tolles Gefühl.

Wer von der Band ist noch dabei?

MCCLUSKEY: Paul Humphreys und ich, also die beiden Bandgründer.

Wie lange mussten Sie alle für die Auftritte proben?

MCCLUSKEY: Das Tolle an diesem Chor, dem Orchester und auch der Band, die sie dabeihaben, ist, dass das solche Profis sind. Nach zwei Mal proben haben sie es drauf. Verglichen mit denen sind wir schreckliche Musiker. Wir brauchen Tage, wenn nicht Wochen, bis wir uns die Noten eingeprägt haben.

Dabei sind Sie laut Wikipedia ein Mensch mit einem IQ von 160. . .

MCCLUSKEY: Echt jetzt? Das muss sich jemand ausgedacht haben, denn ich habe noch nie einen IQ-Test gemacht. Wahrscheinlich meint derjenige, ich sei furchtbar intelligent, weil ich die Texte für OMD schreibe (lacht). . .

Angenommen, es stimmte: Wie wäre das, unter Menschen zu leben, die so viel weniger helle sind? Fühlte man sich da nicht schrecklich einsam?

MCCLUSKEY: (wirft sich weg vor Lachen) Das kann ich nicht sagen, weil ich nicht glaube, dass das mit dem IQ-Dings stimmt. Aber dass ich jetzt schon 37 Jahre im Musikgeschäft bin, wo ich doch nie Berufsmusiker, sondern Archäologe werden wollte, das ist echt verrückt. Was ich also sagen kann: Wer das Glück hat, in einer erfolgreichen Band zu spielen und von seiner Musik leben zu können, hat einen komischen, ungewöhnlichen Lebenswandel. Manchmal isoliert einen das von anderen Menschen. Ich finde das traurig und gefährlich, denn dadurch wird die Bindungsfähigkeit gestört. Man geht mit anderen nicht mehr normal um. Man braucht seine Limousine, man braucht sein Fünf-Sterne-Hotel-Zimmer, man braucht es, dass alles genauso gemacht wird, wie man es wünscht. Man wird seltsam und verliert den Kontakt. Ich hoffe nur, dass ich nicht so bin (lacht).

Sie klingen jedenfalls nicht danach. Aber finden Sie es manchmal auch schwer, seelisch intakt zu bleiben?

MCCLUSKEY: Im Gegenteil, es fiel uns leicht, seelisch gesund zu bleiben, weil wir nie Popstars sein wollten. Weil wir deren Lebensstil verrückt und dumm fanden. Aber komisch war es schon, unseren neuen Hit bei "Top of the Pops", "Musikladen" oder "Wetten dass. . .?" zu spielen, wo doch anfangs nicht mal unsere Freunde unsere Stücke mochten. Paul und ich blickten einander da oft an und dachten, dieser irre Traum ist bald vorbei, denn das kann ja alles gar nicht real sein.

War es aber. Und ist es ja noch. Was haben Sie denn als nächstes vor?

MCCLUSKEY: Gerade machen wir ein paar Songs für einen Film, der ab Februar in den Kinos läuft. Wir sagen gern "Ja" zu allem, was interessant und anders klingt. So haben wir vergangenes Jahr etwa Konzerte im Motorraum eines Schiffes in einem Liverpooler Museum gespielt. Zurzeit arbeiten wir auch an einem neuen Album, das nächsten September erscheinen soll. Im Oktober und November gehen wir dann auf Tour.

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05.12.2015, 08:30 Uhr
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