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Missbrauch

„Es passiert einfach nichts“

Ehemalige Heimkinder kritisieren in einem offenen Brief die schleppende Aufarbeitung durch die Kirchen.

08.06.2019

Von Alfred Wiedemann

Einer der Adressaten: Bischof Stephan Ackermann. Foto: Arne Dedert/dpa

Ulm. „Enttäuscht“ von der Arbeit der Kirchen in Sachen Aufarbeitung der Missbrauchsskandale melden sich jetzt ehemalige Heimkinder zu Wort. Verfasser des offenen Briefs ist der Freiburger Buchautor Clemens Maria Heymkind. Mitunterzeichner sind weitere ehemalige Heimkinder und auch die Professorinnen Claudia Klett und Anja Teubert von der Dualen Hochschule Villingen-Schwenningen.

Adressiert an die Deutsche Bischofskonferenz und den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) werden „klare und deutliche Worte“ gefordert, um zu einer „transparenten Aufarbeitung und gerechten Strafverfolgung der Täter zu kommen“. Verlangt werden die Streichung des seelsorgerischen Auskunftsverweigerungsrechts von Geistlichen, Herausgabe aller Unterlagen zur Strafverfolgung, das Verankern der Kinderrechte im Grundgesetz und Finanzleistungen für Betroffene. Gerichtet ist das Schreiben auch direkt an Bischof Stephan Ackermann, Beauftragter der katholischen Kirche gegen sexuellen Missbrauch und Bischöfin Kirsten Fehrs, Sprecherin des EKD-Beauftragtenrates.

Die Heimkinder kritisieren die bisherigen Aufarbeitungsversuche der Kirchen und „ausweichende Stellungnahmen von kirchlichen Würdenträgern“. Ergebnis und Zustandekommen der von der Bischofskonferenz 2018 vorgelegten Studie zum Missbrauch seien „durch Zensur und Intransparenz geprägt“, Akten seien manipuliert und vernichtet worden und ganze Opfergruppen wie Heim- und Internatskinder ausgenommen worden. Eine Analyse der Versäumnisse, Vertuschungen und Verfehlungen sei so „von vornherein vereitelt“ worden, die Zahlen der Studie seien nur Spitze eines Eisbergs und verharmlosten die Verbrechen an Kindern und Jugendlichen.

„Es bewegt sich nichts, es passiert nichts“, sagt Willy Dorn aus Beimerstetten bei Ulm. Der Mitunterzeichner des offenen Briefs, ehemals Heimkind und jahrelang im Beirat der Stuttgarter Anlauf- und Beratungsstelle Heimerziehung, ärgert sich über das „Schneckentempo“ der Kirchen zur Aufklärung der Verbrechen. Auch die groß angekündigte Konferenz in Rom habe fast nichts gebracht: Straftaten müssen nun zwar angezeigt werden. Die Verpflichtung zur Übergabe von Unterlagen an Staatsanwälte fehle aber nach wie vor, so Dorn. „Sollen wir 2000 Jahre warten?“

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Erstellt:
8. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Juni 2019, 06:00 Uhr

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