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„Es muss sich etwas ändern“
Korrigieren ohne „Drill“: Lernwissenschaftlerin Agi Schründer. Foto: Uni Potsdam
Lernwissenschaft

„Es muss sich etwas ändern“

Agi Schründer ist Professorin für Grundschulpädagogik an der Uni Potsdam und gilt als führende Expertin für Schriftspracherwerb. Den Methoden-Streit um die Rechtschreibung sieht sie positiv.

20.02.2018
  • ROLAND MÜLLER

Stuttgart. Frau Schründer, in vielen Bundesländern wird emotional über „Schreiben nach Gehör“ debattiert. Ist ein Verbot der richtige Weg?

Agi Schründer : Ein Verbot ändert zunächst wenig und löst eher Abwehr aus. Ich verstehe den Aufschrei der Lehrer, die Politik solle sich nicht in ihre Unterrichtsmethode einmischen. Das Thema ist dafür auch zu komplex. Dennoch sind die Vorstöße richtig: Die aktuelle Debatte ist wichtig und führt hoffentlich dazu, dass sich an Schulen etwas ändert.

Viele Eltern sehen die Methode kritisch. Lehrer entgegnen, sie gehöre zum ganz normalen Methoden-Mix.

Die Grundidee ist durchaus richtig und hat ihren festen Platz im Anfangsunterricht der 1. Klasse: Sie gibt den Kindern ein Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Sprechen und Schreiben. Das Problem entsteht, wenn der Ansatz radikal umgesetzt wird, also Fehler, die Kinder beim Verschriftlichen machen, lange toleriert werden – und bis zur 2. oder gar 3. Klasse kein systematischer Rechtschreib-Unterricht stattfindet. Aus der Lernforschung wissen wir, dass Dinge, die einmal halbrichtig erlernt wurden, nur schwer zu korrigieren sind.

Aber ist die Methode in dieser extremen Form noch im Einsatz? Lehrerverbände bestreiten das.

Meine Erfahrung ist eine andere. Wegen der heftigen Kritik wird heute kein Lehrer mehr zugeben, dass er „Reichen in Reinkultur“ betreibt. Doch der Ansatz war lange sehr einflussreich, und es gibt noch immer viele Schulbücher, die sich stark daran orientieren. Ich bin in Berlin von Rektoren gerufen worden, weil ihre Schüler so schlecht schrieben; die sagten, helfen Sie mir, mein Kollegium zu überzeugen. Auch viele Berichte von Eltern zeigen, dass das Problem noch existiert.

Ist es auch eine Frage der pädagogischen Philosophie?

Hinter der Reichen-Methode steht auch eine Haltung: Kinder selbstständig machen zu lassen, mit einem „Minimum an Hilfestellung“. Das mag bei manchen Kindern klappen, doch an den Schulen heute mit hohem Migrantenanteil und Inklusion brauchen wir eher ein Maximum an Hilfen. Das geht auch ganz kindorientiert und motivierend ohne vermeintlichen „Rechtschreibdrill“. rom

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20.02.2018, 06:00 Uhr
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