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Verkehr

Das Flugtaxi muss nur noch fliegen

Schnell aus der Innenstadt zum Airport? Airbus präsentiert in Ingolstadt erstmals ein Lufttaxi. Bis zur Zulassung wird noch einige Zeit vergehen.

12.03.2019

Von PATRICK GUYTON

Acht Rotoren, vier Sitzplätze: Der „CityAirbus“ bei der Präsentation in Ingolstadt. Foto: Armin Weigel/dpa

Auf der großen Bühne, die sie am Ingolstädter Rathausplatz aufgebaut haben, steht das Gerät da wie ein Rockstar. 2500 Menschen drängen sich bei schneidender Kälte, um es zu bestaunen, alle haben so etwas noch nie gesehen: das Modell eines Flugtaxis. Acht auf acht Meter ist es groß, mit schwarz-weißem Muster, vorne steht der Name des Herstellers: „Airbus“. Das Flugtaxi, das hier der Öffentlichkeit erstmals präsentiert wird, lädt mit einer Vision vor allem zum Träumen ein: Statt im Auto im Stau zu stehen oder sich in überfüllte Busse und U-Bahnen zu quetschen, setzt man sich bequem in dieses Gefährt, hebt ab – und schwebt in der Luft ans Ziel.

Der Luftfahrtkonzern Airbus tüftelt und baut an seinem Standort Donauwörth gerade an dem Lufttaxi, es ist Teil des Konzeptes, das die Firma als „Urban Air Mobility“ bezeichnet. Wolfgang Schoder, Chef der Airbus-Helikoptersparte, steht nun auf der Bühne und erklärt: „Das Lufttaxi startet und landet senkrecht. Es ist für eine schnelle Verbindung etwa zwischen der Innenstadt und dem Flughafen gedacht.“ Acht Rotoren hat es und wird mit einer Batterie elektrisch angetrieben. Jetzt ist ein so genannter Demonstrator zu sehen, sagt Airbus-Sprecher Gregor von Kursell. „Das bedeutet, das Vehikel wird getestet, und die Ergebnisse fließen dann in die Entwicklung des Prototypen ein.“ Dieser werde einem späteren Serienflugzeug schon sehr ähnlich sein.

Der Hersteller meint, dass die Geräte nicht vor 2025 fertig sein und es davor auch keine Zulassungen geben werde. Airbus-Mann Schoder dämpft die hochfliegenden Erwartungen: „Es sind festgelegte Luftstraßen geplant.“ Also kann sich nicht jeder ins Taxi setzen und individuell vor die Haustür oder an den Arbeitsplatz fliegen. Insofern handelt es sich bei den Vehikeln eher um Minibusse mit fester Strecke als um Taxis.

Ingolstadts OB Christian Lösel verweist darauf, dass mit Audi und Airbus zwei große Technikkonzerne in der Region angesiedelt sind. Der CSU-Mann stellt sich vor, dass Lufttaxis auch im Rettungswesen oder von der Polizei bei Spezialeinsätzen verwendet werden.

Mobilität für Millionäre?

Doch was ist mit dem Preis für den Transport, handelt es sich um eine Spielerei für Millionäre? Airbus strebt an, „so nah wie möglich an den Preis für eine Taxifahrt mit dem Auto heranzukommen“. Zielgruppe seien Menschen, „die beruflich reisen und schnell und bequem von A nach B kommen wollen“. Allerdings gesteht Airbus ein: „Ein Massentransportmittel wird es sicher nicht werden.“ Als Beispiel bemüht die Firma die 40 Kilometer lange Strecke von der Münchner Innenstadt zum Flughafen, die bequem in 15 Minuten zu bewältigen wäre.

Eine solche Präsentation erfreut auch die Politik, deshalb sind gleich zwei CSU-Leute aus Berlin gekommen: Digital-Staatsministerin Dorothee Bär sowie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Für Bär, die sich um den schleppenden Internet-Ausbau zu kümmern hat, muss das Flugtaxi eine persönliche Genugtuung sein: Sie hatte vor einem Jahr ein solches Gefährt als Vision angepriesen und dafür viel Häme einstecken müssen. Jetzt sagt sie in Ingolstadt, das Taxi sei „für jedermann gedacht“ und sie wünsche sich „weniger Bedenkenträgertum“. Scheuer scheint von der Besuchermasse auf dem Rathausplatz beeindruckt zu sein und sagt: „Danke für Ihr Interesse an der Zukunft.“

Airbus ist nicht die einzige Firma, die sich mit Flugtaxis beschäftigt. Ebenso forschen und entwickeln das deutsche Unternehmen Volocopter, sowie Porsche, Boeing und Uber daran. In den USA haben manche Maschinen schon Probeflüge absolviert. Das Airbus-Gerät in Ingolstadt sieht aus wie eine Mischung aus Hubschrauber und Drohne. Revolutionär für die Verkehrsentwicklung dürfte es aber nicht werden. Airbus glaubt nicht, dass damit etwa Staus zu vermeiden sind, weil sich so viele Verkehrsteilnehmer oben in der Luft befinden. Sprecher Kursell sagt: „Wir wollen zusätzliche Alternativen anbieten.“ Um die Verkehrsprobleme großer Städte zu lösen, seien aber wesentlich umfangreichere Maßnahmen nötig.

Von der Bühne aus blickt Minister Scheuer auf das Alte Rathaus. Neben ihm steht das Flugtaxi, Scheuer sagt: „Schaut ziemlich cool aus, jetzt muss es nur noch fliegen.“

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Erstellt:
12. März 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
12. März 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. März 2019, 06:00 Uhr

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