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Botschafter Dirk Brengelmann über Olympia im Zeichen von Zika-Virus und Staatskrise in Brasilien

"Es ist keine einfache Situation"

30 Grad warm ist es aktuell in der Hauptstadt Brasilia. Der deutsche Botschafter Dirk Brengelmann spricht im Telefoninterview über die Regierungskrise, Zika und den Stand der Vorbereitung in Rio de Janeiro.

24.03.2016
  • WOLFGANG SCHEERER

Herr Botschafter, wie stark sind Sie, wie stark ist die deutsche Botschaft vier Monate vor Olympia mit den Spielen beschäftigt?

DIRK BRENGELMANN: Unser Generalkonsul in Rio de Janeiro, Harald Klein und seine Kollegen, sind im Moment besonders von den Vorbereitungen in Anspruch genommen. Uns in der Hauptstadt Brasilia beschäftigt Olympia aber auch. Es gibt regelmäßig olympische Briefings im brasilianischen Außenministerium. Da sind dann Mitarbeiter der Botschaft eingebunden, etwa wenn es um Sicherheitsfragen geht.

Brasilien wird aktuell von einer Regierungskrise um Korruptionsvorwürfe bis in höchste Kreise erschüttert, die Wirtschaft ist um 3,8 Prozent eingebrochen. Mehrere Millionen Menschen haben zuletzt demonstriert. Bisher friedlich. Spitzt sich das alles vor Olympia weiter zu?

BRENGELMANN: Das hat bislang keine Auswirkungen auf die Olympia-Planungen. Vor Ort in Rio sind die Vorbereitungen für die Sommerspiele weiter voll im Gange.

Und die Aktionen sind explizit nicht gegen Olympia gerichtet? Vor der Fußball-WM 2014 hatte es heftige Demonstrationen gegeben, weil so viel Steuergeld ausgegeben wurde.

BRENGELMANN: Bei der Olympia-Planung hat man neue Lehren aus der WM-Planung gezogen und etwa das Thema Nachhaltigkeit stärker im Fokus. Auch sonst spielt Olympia derzeit in den innenpolitischen Diskussionen kaum eine Rolle.

Wir haben hier die Schlagzeilen ums "Sommermärchen 2006". Besteht die Gefahr, dass auch Olympia in Rio in die so genannte Petrobras-Korruptionsaffäre hineingezogen wird?

BRENGELMANN: Mein Gefühl sagt mir: Je näher Olympia rückt, desto mehr wird der Stimmungsmodus umgeschaltet. Brasilianer sind sehr begeisterungsfähig und spontan. Man wird sich darauf besinnen, dass Rio de Janeiro ein Aushängeschild für die ganze Welt ist. Die Metropole hat mit Großveranstaltungen zudem eine ungeheure Menge Erfahrung. Und selbst in Krisen gab und gibt es den Karneval.

Was bedeuten die ersten Olympischen Spiele in Südamerika, wirtschaftlich betrachtet, für das Land?

BRENGELMANN: Der Wirtschaftseinbruch, den man hier seit letztem Jahr erlebt hat, kann durch Olympia nur sehr bedingt kompensiert werden. Es ist keine einfache Situation für das Land. Dennoch werden die Brasilianer gute, herzliche Gastgeber sein.

Noch läuft der Ticketverkauf offenbar sehr schleppend. Liegt das auch an der Angst vor Zika, dem gefährlichen Virus?

BRENGELMANN: Für Highlights wie die Eröffnungs- und die Schlussfeier oder auch die Beachvolleyball-Finals sind Tickets schon sehr rar. Für viele andere Wettkämpfe gibt es allerdings noch genügend Karten. Ich denke, das wird sich ändern. Wegen des Zika-Virus gibt es weltweit Bedenken, auch wenn es, was die Buchungszahlen für Rio während Olympia angeht, bislang keinen Einbruch gegeben hat.

Zika ist auch unter den deutschen Athleten ein viel diskutiertes Thema. Wie groß sehen Sie die Gefahr vor Ort? Wie schützen Sie sich selbst?

BRENGELMANN: Die Olympischen Spiele finden vom 5. bis 21. August statt - im brasilianischen Winter. Es wird dann also ein wenig kühler. Dann gibt es zumindest deutlich weniger Moskitos. Bisher liegt das besondere Risiko weiterhin bei Schwangerschaften. Wir selbst benutzen sehr häufig Mückensprays. Auch Moskitonetze sind jetzt im Einsatz. Ich persönlich würde empfehlen, eines mitzubringen, wenn man nach Brasilien reist. Wer sich informieren möchte: Ein Merkblatt zum Zika-Virus gibt es auf der Webseite des Auswärtigen Amtes.

Sie haben das Thema Sicherheit schon kurz angesprochen. Für gewöhnlich gehören Olympia und Terrorangst zusammen. In Brasilien scheint eher Gewaltkriminalität im Kleinen ein großes Problem. Die australischen Athleten haben in Rio zum Beispiel striktes Favela-Verbot.

BRENGELMANN: Rio ist eine Stadt, in die man durchaus reisen kann. Aber man muss umsichtig sein. In unseren Reisehinweisen auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes und besonders auf denen der Botschaft gibt es detaillierte Angaben, auch zu den Stadtbezirken.

Sie selbst sind seit August 2014 Botschafter der Bundesrepublik in Brasilien. Die Fußball-WM haben Sie also gerade verpasst. Werden Sie trotzdem oft auf die deutsche Weltmeister-Elf angesprochen?

BRENGELMANN: Ja, tatsächlich ständig. Ich muss sagen, die Brasilianer begegnen einem trotz ihrer bitteren Halbfinal-Niederlage gegen die deutsche Mannschaft mit großer Sympathie. Auftreten, Fairplay und auch die Nahbarkeit unserer Spieler in der Öffentlichkeit hat die Menschen hier beeindruckt. Die Brasilianer gönnen uns den Titel jedenfalls von Herzen.

Werden Sie selbst die Olympischen Spiele erleben können - vielleicht zusammen mit der Bundeskanzlerin?

BRENGELMANN: Wer genau kommen wird, das kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Aber der Botschafter ist natürlich da, wenn hochrangige Gäste aus Deutschland anreisen. Ich freue mich darauf, die Sommerspiele dann vor Ort erleben zu können.

Haben Sie unter den olympischen Sportarten einen Favoriten?

BRENGELMANN (lacht): Also meine Lieblingssportart werde ich da leider nicht sehen können.

Warum nicht?

BRENGELMANN: Ich bin begeisterter Skifahrer! Das geht in Brasilien gar nicht - so wenig wie in meiner Heimat Bad Honnef bei Bonn. Da gibt es zwar hohe Erhebungen, aber das sind die Weinhänge. Sportlich betrachtet: Hier in Brasilien kann man natürlich surfen, aber dafür bin ich nicht gut genug. Ich stehe lieber auf zwei Brettern.

Was aus der Heimat vermisst man als deutscher Botschafter in Brasilien sonst noch?

BRENGELMANN: Das ist einfach beantwortet. Kulinarisch gibt es hier eigentlich alles, was man sich wünscht. Es gibt auch gutes Bier, aber nicht die von mir präferierte Sorte: Kölsch.

Das wäre vielleicht eine schöne diplomatische Angelegenheit für den Osterhasen. Oder kommt der bei Ihnen in Brasilien zu selten vor?

BRENGELMANN (lacht): Osterhasen und Ostereier habe ich hier tatsächlich noch nicht oft gesehen. Beides ist nicht besonders ausgeprägt. Aber es gibt die "Semana Santa", die heilige Woche von Palmsonntag bis zum Ostersonntag, mit ihren bunten Umzügen. Ostern wird in Brasilien also groß gefeiert. Auch ohne den Osterhasen.

Zur Person: Dirk Brengelmann

Weltreisender Dirk Brengelmann, Jahrgang 1956, ist Bad Honnefer – und weit herumgekommen auf dem Globus. Nach dem Studium der Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft und Geschichte an den Universitäten in Heidelberg und Hamburg begann seine Karriere bei der Westdeutschen Landesbank Düsseldorf im Investment Banking, unter anderem in der Filiale in Tokio. 1984 dann der Wechsel ins Auswärtige Amt. Seine Auslandsstationen: 1987 Ständiger Vertreter, Botschaft Port-au-Prince, Haiti. 1989 Politischer Referent, Botschaft London. 1997 Botschaftsrat Politik, Washington. 2000 Stellvertretender Leiter des Büros des Nato-Generalsekretärs, Brüssel. 2014: Deutscher Botschafter in Brasilien. Außerdem hatte Brengelmann (verheiratet, zwei Kinder) weitere diplomatische und politische Aufgaben in Berlin und Brüssel inne.

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24.03.2016, 08:30 Uhr
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