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„Es gibt leider faule Äpfel“

Interview mit Alexander Schmid zum Thema Drogen im Knast

Alexander Schmid vom Bund der Strafvollzugsbeschäftigten

09.02.2019

Von Alfred Wiedemann

Alexander Schmid: Fall Heilbronn ist die Ausnahme. Foto: BSBD

Alexander Schmid ist Landesvorsitzender des Bundes der Strafvollzugsbediensteten im Beamtenbund (BSBD). Seit 1991 arbeitet er im Strafvollzug. Alkohol und verbotene Drogen sind Herausforderung und Realität, im Gefängnis wie draußen, sagt er.

Herr Schmid, der Fall Heilbronn, Justizbedienstete vor Gericht. Was sagen Sie dazu?

Alexander Schmid: Das ist ein schwebendes Verfahren, konkret dazu kann ich mich nicht äußern. Aber ich bin entsetzt, dass da anscheinend jemand wegen ein paar hundert Euro seinen sicheren Job aufs Spiel gesetzt hat. Solche Kollegen sind die ganz große Ausnahme. Ja, es gibt sie. Aber über viele Jahre waren es im Südwesten vielleicht 18, 20 Fälle. Es gibt leider faule Äpfel im Korb, die müssen weg, keine Frage.

Wie kommt eigentlich Verbotenes in die Haftanstalten?

Besucher können Drogen einschmuggeln, Strafgefangene können es versuchen, wenn sie von unbewachten Maßnahmen draußen zurückkommen. Natürlich wird kontrolliert. Aber es geht um kleine Mengen, die schnell übergeben sind, beim Begrüßungskuss zum Beispiel. Oder sie werden verschluckt. Das ist nicht so einfach zu verhindern. Strafgefangene sind nicht zu 100 Prozent weggeschlossen, sie haben Rechte, Resozialisierung ist das Ziel, und das ist gut so! Man kann Gefangene nicht einfach so total kontrollieren. Da braucht es immer einen konkreten Verdacht.

Wie sieht es mit Würfen über die Mauern und Drohnen aus?

Das ist vor allem bei innerstädtischen Hafthäusern ein Problem, gegen das zum Beispiel Kameraüberwachung eingesetzt wird. Eine abgestürzte Drohne wurde auch schon gefunden. Da ist die Abwehr technisch schwierig und wird sehr teuer. Aber das Thema beschäftigt uns.

Die Gefängnisse sind überfüllt, welche Rolle spielt das?

Man kann nicht sagen, gebt uns mehr Personal, dann ist das Problem mit dem Einschmuggeln nicht mehr da. Das ist falsch. Richtig ist aber, dass unsere Haftanstalten völlig überbelegt sind und der Personalschlüssel der schlechteste bundesweit ist. Dazu kommen Suchtprobleme von mehr Inhaftierten und das gestiegene Aggressionspotenzial. Mehr Personal ist der Schlüssel zu allem, auch zu besserer Resozialisierung. Nicht nur Polizei und Gerichte brauchen Verstärkung, auch der Justizvollzug.

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Erstellt:
9. Februar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
9. Februar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Februar 2019, 06:00 Uhr

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