Steuererhöhung

Millionär Ralph Suikat: „Es gibt grobe Missstände“

Der Karlsruher Millionär Ralph Suikat hat als Unternehmer viel Geld verdient. Er kritisiert die Vermögensverteilung in Deutschland – und fordert, Reiche stärker in die Pflicht zu nehmen.

30.06.2021

Von Michael Scheifele

„Menschen mit breiteren Schultern können mehr zum Gemeinwohl beitragen“, sagt Ralph Suikat. Foto: privat

Eine Initiative von Millionären fordert, Vermögende stärker zu besteuern. Einer von ihnen ist der IT-Unternehmer Ralph Suikat aus Karlsruhe. Er erklärt im Interview, warum er freiwillig mehr Steuern zahlen will und das auch von anderen Millionären erwartet.

Warum haben Sie sich in der Öffentlichkeit als Millionär geoutet?

Mir ist es wichtig zu zeigen, dass es verantwortungsbewusste Vermögende gibt, die selbst gerne Privilegien aufgeben, damit es anderen besser geht. Da es aktuell recht wenige Unternehmer gibt, die sich in der Öffentlichkeit für Steuergerechtigkeit einsetzen, bin ich gerne bereit, in die Bresche zu springen. Für mich ist sehr wichtig, das Thema ,Besteuerung von Vermögen' aus der Perspektive der von der Steuer Betroffenen in die Öffentlichkeit zu bringen.

Wie kamen sie dazu, sich mit Steuergerechtigkeit auseinanderzusetzen?

Zum einen habe ich überlegt, wie ich das Geld nach dem Verkauf des von mir mitgegründeten Unternehmens einsetzen kann, um positive Entwicklungen in der Gesellschaft und für die Umwelt zu fördern. Zum anderen stört mich Ungerechtigkeit. Wer sich mit der Welt der Reichen und Superreichen beschäftigt, sieht schnell, dass es grobe Missstände gibt: Man fasst sich an den Kopf, wenn Jeff Bezos und Elon Musk bei dreistelligen Milliardenvermögen Steuererleichterungen bekommen. Ganz so schlimm ist es in Deutschland nicht, aber wir haben trotzdem im oberen Bereich viele Menschen, die eine niedrigere Durchschnittsversteuerung haben als viele Bürger, die mit ihrer Hände Arbeit ihr Geld verdienen.

Warum wollen Sie höher besteuert werden?

Menschen mit breiteren Schultern können durchaus mehr zum Gemeinwohl beitragen, als es derzeit der Fall ist. Es geht auch darum, zu einem Ausgleich zwischen denen zu kommen, die auch gerade jetzt in der Corona-Krise einen gigantischen Vermögenszuwachs haben, und denen, die in der Corona-Krise ihre Existenz verloren haben. In Deutschland arbeiten 10 Millionen Menschen für weniger als zwölf Euro die Stunde. Sie kommen gar nicht in die Situation, Vermögen aufzubauen. Die zusätzlichen Steuereinnahmen sollten von den von uns gewählten Volksvertretern verteilt werden. Da die Vermögenssteuer den Landeshaushalten zufließt, könnte sie zum Beispiel für mehr Chancengleichheit in der Bildung eingesetzt werden.

Sie schreiben in ihrem Appell von „demokratiegefährdender Konzentration von Macht und Kapital“. Wie meinen Sie das?

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist ein schönes Beispiel, wie mit millionenschweren Kampagnen politisch Stimmung gemacht wird. Nach einer Umfrage der Initiative Millionaires for Humanity sprechen sich zwei Drittel der Deutschen für eine höhere Vermögensbesteuerung aus. Trotzdem haben wir derzeit eine Steuergesetzgebung, die im Wesentlichen den Vermögenden dient. Wir halten es für wenig sinnvoll, dass sich Macht in Geld so konzentriert, dass Superreiche die besten Berater holen und mit Politikern Lobbyarbeit betreiben können. Denn das kann der Hartz- 4-Empfänger auch nicht.

Häufig wird argumentiert, dass durch eine Vermögenssteuer Arbeitsplätze in Gefahr seien. Stimmt das?

Es gibt keinen Fall, der uns bekannt ist, wir haben das extra recherchiert. Außerdem kann man zum Beispiel Stundungen oder Freibeträge einführen, wenn ein Unternehmen länger rote Zahlen schreibt. Es funktioniert, dass man zu einer fairen Besteuerung kommt und anderseits sicherstellt, dass kein einziger Arbeitsplatz verloren geht. Wir müssen ja auch die Kirche im Dorf lassen: Wenn jemand mit einer Vermögenssteuer von einem Prozent besteuert wird, wären das bei einer Million Euro ungefähr 10 000 Euro. Das macht mit Sicherheit niemanden arm.

Sind Sie mit Ihrem Appell bewusst kurz vor der Bundestagswahl im September an die Öffentlichkeit?

Ja, wir wollen Parteien ermutigen, sich dafür einzusetzen, Vermögende stärker zu besteuern. Es gibt drei Parteien, die das Thema im Wahlprogramm aufgenommen haben, das sind die Grünen, die SPD und die Linke. CDU und FDP setzen sich jedoch dafür ein, dass Millioneneinkommen sogar noch entlastet werden. Das ist wirklich schwer verständlich in der heutigen Situation.

Engagement für das Gemeinwohl

Ralph Suikat gründete 1993 mit einem Partner die IT-Firma STP Informationstechnologie AG. 2016 verkaufte er seine Anteile des Unternehmens, das damals einen Jahresumsatz von mehr als 25,5 Millionen Euro erwirtschaftete. Suikat investiert Geld in gemeinwohlorientierte Projekte und fördert junge Unternehmer. 2021 startete er mit anderen Millionären den Appell „taxmenow“ also „besteuer mich jetzt“. Die Initiatoren fordern unter anderem eine Vermögenssteuer.

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Erstellt:
30. Juni 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
30. Juni 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Juni 2021, 06:00 Uhr

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