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Kommentar

Es ergeht Aufruf zum Reg-T!Festival

Eine halbe Ewigkeit dämmerte Tübingen in einem unbeachteten Winkel, Reiseschriftsteller spotteten vor etwa 200 Jahren: die Stadt sei hässlich, dumpf, schmutzig, alle Straßen lägen voll Mist. „Die Einwohner sind armselig, es gibt nicht einmal schöne Gesichter“, berichtete Karl August Varnhagen von Ense zu einer Zeit, als an der hiesigen Eberhard-Karls-Universität gerade mal 200 Studenten immatrikuliert waren. Irgend etwas läuft schief seither.

28.01.2010

Eine halbe Ewigkeit dämmerte Tübingen in einem unbeachteten Winkel, Reiseschriftsteller spotteten vor etwa 200 Jahren: die Stadt sei hässlich, dumpf, schmutzig, alle Straßen lägen voll Mist. „Die Einwohner sind armselig, es gibt nicht einmal schöne Gesichter“, berichtete Karl August Varnhagen von Ense zu einer Zeit, als an der hiesigen Eberhard-Karls-Universität gerade mal 200 Studenten immatrikuliert waren.

Irgend etwas läuft schief seither. Mittlerweile drängen mehr als hundertmal so viele Studierende in eine Stadt, in der zwar ein Hölderlin sein halbes Leben verbrachte, aber nur deswegen, weil er nicht voll über seine geistigen Kräfte verfügen konnte. „Die Stadt selbst ist abscheulich“, schrieb Johann Wolfgang Goethe bei völlig klarem Verstand an seine Gattin, als er 1797 auf der Durchreise in die Schweiz ein paar Tage Station in Tübingen machte. Und man wundert sich, warum der Verkehrsverein nicht längst des Dichters Weisheit für eine nachhaltig blau-ökologische Image-Kampagne vermarktet.

Im Grunde will man nämlich in Tübingen unter sich bleiben. Gegen einen Bahnanschluss sträubte man sich im 19. Jahrhundert so lange, bis alle Schnellzüge in andere Richtungen abgefahren waren, die Industrie überließ man den Reutlingern, nicht mal zum Schlossmuseum führen Wegweiser. Und die Universität – warum ist sie eigentlich stets nach Tübingen zurückgekehrt, obwohl sie allein im 16. Jahrhundert dreimal wegen der Pest in Nachbarstädte ausweichen musste?

Jawohl, die Pest! Oder doch wenigstens eine Schweinegrippen-Pandemie müsste her, möglichst zielgenau im kommenden Juni. Dann wäre man fein raus und bräuchte nicht lange zu überlegen, wie sich ein Ract!-Festival von der Stadt fernhalten ließe. Um genau zu sein: Das Ract!-Festival könnte durchaus stattfinden. Aber es sollte sich nicht herumsprechen; denn es ist nicht erwünscht, dass jemand von auswärts kommt.

Darum soll es auch nicht mehr Ract! heißen, wenn man dem genialen Vorschlag von Bernd Selbmann folgt. (Siehe den unten stehenden Artikel) Selbmann weiß, wovon er redet. Er steht in Tübingen einer Behörde vor, deren Name sich kaum jemand merken kann, seit eine Teufel?sche Verwaltungsreform den alten Namen ebenso weggeputzt hat wie den eigenständigen Denkmalschutz, den das Land unter dem Label Regierungspräsidium versteckt hat, wo ihn niemand sucht. Durchaus im Sinne der Erfinder.

Apropos Regierungspräsidium: Wäre das nicht die Lösung? Könnte das in den Botanischen Garten verlegte Ract!-Festival nicht unter den Schirm, nein, den Abwehrschirm, des Regierungspräsidiums gestellt werden? Als Reg-Festival, beziehungsweise – kleine sprachliche Konzession an die bisherigen Betreiber – als Reg-T!Festival. Den ordnungsgemäßen Betrieb übernähme das Referat 103 „Eichrecht, Überwachung, Qualitätsmanagementsysteme“ gemäß § 48a, Abs. 2 BImSchG. Alles weitere bliebe abzuwarten. Hans-Joachim Lang

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Erstellt:
28. Januar 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
28. Januar 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2010, 12:00 Uhr

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