Erziehungsmethoden im Vergleich

Die Erziehung der eigenen Kinder stellt eine große Aufgabe dar, bei der so manche Hürde bewältigt werden muss. Damit die Kids eines Tages zu glücklichen, selbstbewussten und verantwortungsvollen Erwachsenen werden, gilt es vieles zu bedenken. Vielfach herrscht bei Eltern zwar Einigkeit, wenn es um die zu vermittelnden Werte geht, die Umsetzung kann sich hingegen als schwierig erweisen. Hilfreich ist daher der passende Erziehungsstil, der sowohl auf den Nachwuchs als auch auf die Lebenssituation der Eltern abgestimmt sein sollte und durchaus vielfältig aussehen kann.

15.07.2016

Von F. Meyer

Wie sieht moderne Erziehung aus und worauf sollten Eltern achten? / fotolia.com © Konstantin Yuganov (#109659123)

1. Erziehung wozu? Entwicklungs- und Erziehungsziele

 

Viele Eltern haben eine gewisse Idealvorstellung vor Augen, wenn es um die Erziehung ihrer Kinder geht. Dabei geht es um eine Vielzahl von Werten, die in der Gesellschaft, aber auch in der Familie gefragt sind. Sie stehen in direktem Zusammenhang mit den Werten, die auch den Eltern besonders wichtig sind. Oft gehören dazu beispielsweise Toleranz, Respekt, Ehrlichkeit oder Verantwortungsgefühl. Sie bereiten die Kids auf ihr späteres Leben vor, geben ihnen Halt und Orientierung, erleichtern ihnen den Umgang mit ihren Mitmenschen und sollen ihnen gleichzeitig ein möglichst herzliches und schönes Erwachsenwerden bieten. Als zeitlose und daher in jedem Fall wichtige Werte gelten:

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a. Wodurch wird die Erziehung geprägt?

 

Verschiedenste Einflüsse prägen die Erziehung eines Kindes, allen voran die Eltern, die ihre Werte und Ideale an die Nachfolgegeneration überliefern möchten. Abseits dessen – und vor allem mit fortschreitendem Alter – kommen jedoch noch zahlreiche weitere Faktoren hinzu, die die Entwicklung, das Denken und Handeln eines Kindes beeinflussen.

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i. Eigene Kindheit der Eltern spielt eine Rolle

 

Viele Eltern verfolgen bei der Erziehung ehrgeizige Ziele. Dabei spielt auch die eigene Kindheit eine große Rolle und die Frage, welche positiven Aspekte an die nächste Generation weitergegeben werden sollen und welche Erziehungsfehler sie keinesfalls wiederholen wollen. Doch ob gewollt oder nicht, die eigene Erziehung reicht stets in die Gegenwart hinein, sei es in Form von Familienatmosphäre, Regeln, Traditionen oder Gefühlen. Es ist schwierig, mit dieser Form der Prägung richtig umzugehen, zumal sie oft nur unterbewusst vorhanden ist. Der Vorsatz, alles besser zu machen als die eigenen Eltern, ist daher gar nicht so leicht umzusetzen. Jedoch lohnt es sich, hierbei nach einer individuellen Linie zu suchen, Neues auszuprobieren und bei Bedarf nachzubessern. Trotzdem muss das keineswegs bedeuten, dass die Erziehung der letzten Generation automatisch schlecht war – auch dort können gute Ansätze übernommen werden, damit so ein gelungenes, aber auch individuelles Erziehungskonzept entsteht.

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Nicht nur die Eltern beeinflussen die Erziehung, auch Spielkameraden, Freunde, Schule und viele weitere Einflüsse sind wichtige Faktoren. / fotolia.com © Rawpixel.com (#110249971)

 

ii. Einfluss durch Freunde und Umfeld

 

Kinder werden im Laufe der Jahre immer selbständiger, möchten häufiger eigene Wege gehen und mehr Zeit außerhalb der Familie verbringen. Sei es die Schule, die Freunde oder der Sportverein, all diese und noch viele weitere Einflüsse machen sich in einem Kinderleben bemerkbar und hinterlassen ihre Spuren in der Persönlichkeitsentwicklung des Nachwuchses. Auch das Werteempfinden wird davon geprägt, was sich sowohl positiv als auch negativ auswirken kann. Gleichzeitig entstehen so möglicherweise innere Konflikte – etwa dann, wenn das Kind auf einen Menschen trifft, der gänzlich andere Werte vertritt, die nicht mit den eigenen vereinbar sind. Andererseits bringt eine solche Auseinandersetzung aber auch neue Erfahrungen und eine andere Sicht auf die Dinge mit sich, was für die Kindesentwicklung durchaus gut und wichtig ist.

iii. Wertewandel und Veränderung der Erziehungsvorstellungen

 

Heutzutage ist der Wertewandel insbesondere durch die Globalisierung und den demographischen Wandel geprägt. Ältere Generationen sprechen heutzutage womöglich von einem Werteverfall, denn einige ihrer ehemals sehr wichtigen Werte wurden mittlerweile durch andere Alternativen abgelöst. Klassische Wertvorstellungen, mit denen sie aufgewachsen sind und nach denen sie ihr gegenwärtiges Leben noch immer richten, stehen bei der jüngeren Generation nicht mehr im Vordergrund. Tatsächlich handelt es sich jedoch vielmehr um einen Wertewandel, bei dem Regelungen, Normen und Werte sich entsprechend den Änderungen der Welt anpassen.

• So war es früher beispielsweise nur Männern vorbehalten, zu arbeiten, sich zu bilden oder um die Häuser zu ziehen, während Frauen sich um den Haushalt und die Kinder kümmerten.

• Heute steht diese Häuslichkeit hingegen nicht mehr im Vordergrund und auch in beruflicher Hinsicht hat sich das Denken stark gewandelt.

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Eine gute Erziehung basiert nicht nur auf Regeln, sondern auch auf Verständnis, Empathie und Einfühlungsvermögen. / fotolia.com © VadimGuzhva (#78305720)

2. Du musst, du kannst, du darfst – die verbreitetsten Erziehungsstile

 

Damit der gemeinsame Alltag harmonisch verläuft, die Kinder später im Leben gut zurechtkommen und sie bestmöglich dabei unterstützt werden, greifen Eltern auf verschiedenste Erziehungsstile zurück. Oft passiert dies ganz automatisch, ohne dass ein spezielles Modell im Vorfeld ausgewählt wird. Sie ergeben sich aber auch aus der persönliche Lage, also etwa dem familiären Umfeld oder der beruflichen Situation. Während es in einer Großfamilie beispielsweise viel Organisation und Durchsetzungskraft braucht, so kann dies bei einer Einkindfamilie oft entspannter angegangen werden. Bekannt sind vor allem drei grobe Arten von Erziehungsstilen, wobei diese sich aber durchaus auch untereinander vermischen können.

a. Demokratischer Erziehungsstil

 

Ganz typisch für den demokratischen Erziehungsstil ist die hohe Akzeptanz, die auf beiden Seiten herrscht. Sie bringt eine gute Kommunikation zwischen Eltern und Kindern mit sich, wobei Kinder auch ganz bewusst dazu ermutigt werden, sich einzubringen. Ein häufig genutztes Werkzeug im täglichen Zusammenleben ist auch der „Familienrat“, bei dem Entscheidungen gemeinsam getroffen werden und sowohl Erwachsene als auch Kinder ihre Wünsche und Bedürfnisse frei äußern dürfen.

i. Transparenz und Miteinander

 

Der Begriff „Demokratie“ zeigt bereits deutlich, worauf es in diesem Erziehungsstil ankommt – ein gemeinsames Miteinander. Richtig umgesetzt vermittelt der demokratische Erziehungsstil ein Gefühl von Akzeptanz, Verständnis und Einfühlungsvermögen, gleichzeitig bieten die Eltern in ihrer Erziehung außerdem sehr viel Transparenz. Auf emotionaler Ebene wird so für viel Stabilität gesorgt, denn das Vertrauen gegenüber den Eltern und damit auch anderen ist hoch. Dank der guten Kommunikation wird das Sprachvermögen unterstützt, was wiederum für Selbstsicherheit, aber auch Leistungs- und Lernbereitschaft sorgt. Auch im sozialen Bereich lassen sich so viele wertvolle Fähigkeiten entwickeln, die auch im Erwachsenenleben wichtig sind. Darunter etwa Kritikfähigkeit, der Respekt gegenüber anderen Meinungen, das richtige Diskutieren und die Bereitschaft zum Kooperieren. Kindern lernen auf diesem Weg ihren eigenen Wert kennen, verstehen die Wichtigkeit ihrer Talente und Fähigkeiten und werden außerdem darin bestärkt, sich nicht nur über materielle Besitztümer zu definieren.

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Gemeinsame Unternehmungen, bei denen jeder auf seine Kosten kommt - das stärkt den familiären Zusammenhalt und die Entwicklung sozialer Kompetenzen. / fotolia.com © Igor Mojzes (#108453559)

ii. Diskussion, Nichtanerkennung von Autoritäten

 

Der demokratische Erziehungsstil bringt es zwangsläufig mit sich, dass Diskussionen entstehen und ein schwieriges Thema dementsprechend viel Zeit kosten kann. An dieser Stelle heißt es für Eltern geduldig sein und trotz allem daran denken, dass der Nachwuchs in seiner Meinung gleichberechtigt ist. Es besteht also keine hierarchische Struktur, mit der ein Gespräch einfach „abgewürgt“ werden kann. Unter Umständen kann sich so allerdings auch eine gewisse Respektlosigkeit entwickeln, da Autoritäten nicht anerkannt oder richtig eingeschätzt werden. Problematisch wird dies unter Umständen auch außerhalb des Elternhauses, etwa in der Schule. Neben Verständnis und gleichberechtigtem Verhalten braucht es hier daher auch eine gewisse Konsequenz, wenn sie nötig ist und richtig eingesetzt wird.

b. Antiautoritärer Erziehungsstil

Die antiautoritäre Erziehung bietet Kindern viel Freiraum und ermöglicht es ihnen, viele unterschiedliche Erfahrungen zu sammeln. / fotolia.com © Sunny studio (#89565039)

Wer seinen Nachwuchs antiautoritär erzieht, der gibt den Kids zunächst keine Grenzen und Regeln mit auf den Weg. Das heißt unter anderem, dass die Kinder nicht bestraft werden, egal was sie getan haben. Vielmehr geht es darum, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich selbst mit dem falschen und richtigen Handeln auseinanderzusetzen, Erfahrungen zu machen und diese zu verarbeiten. All das allerdings in einem Rahmen, indem keinerlei Gefahr besteht und die Kinder schon alt genug sind, um eine solche Verantwortung zu übernehmen. Kinder sollen sich auf diese Weise frei entfalten, ihre Grenzen selbst ausloten und ihre Wünsche nach Möglichkeit ausleben können. Heutzutage setzen viele Eltern auf diese Form der Erziehung, zumal sie sehr individuell angepasst werden kann und auch den Erwachsenen viel Freiraum bietet.

i. Selbständigkeit, Kreativität und Selbstbewusstsein werden unterstützt

Der antiautoritäre Erziehungsstil legt viel Wert darauf, dass vor allem in den heimischen vier Wänden weitestgehend auf einen strikten und organisierten Ablauf verzichtet wird. Stattdessen sollen Kinder Freiraum erhalten, um sich zu entwickeln, zu spielen und eigene Entscheidungen zu treffen. Laut kindererziehung.com ist es heute für über 80 Prozent der Eltern selbstverständlich, ihren Nachwuchs nach diesem Konzept zu erziehen. Ihrer Meinung nach sind typisch autoritäre Ziele wie Gehorsamszwang, Unterordnung und Disziplin veraltet. Stattdessen sollen und dürfen Kinder einen Großteil ihrer Freizeit selbst gestalten und können entscheiden, welche Aufgaben sie gerade als besonders wichtig empfinden und was sich zeitlich verschieben lässt. Dieser offene Umgang wird auch mit anderen gepflegt, also auch mit Erwachsenen anderer Familien. Gibt es Probleme, so werden diese nach Möglichkeit offen angesprochen. Tatsächliche Verbote gibt es hingegen nur sehr selten und in Ausnahmefällen. Auf diese Weise soll im Laufe der Jahre ein Gespür dafür entwickelt werden, was richtig und falsch ist, basierend auf den eigenen positiven und negativen Erfahrungen. Das bringt es mit sich, dass der Nachwuchs im Erwachsenenleben selbstbewusster, selbständiger und kreativer agiert. Obwohl es sich um eine sehr selbständige Art der Erziehung handelt, kann diese bereits sehr früh zur Anwendung kommen. Ideal kombinierbar ist sie beispielsweise mit der aktuell viel besprochenen Windelfrei-Bewegung, bei der Eltern nicht mehr selbst angeben, wann ihr Kind „trocken“ wird, sondern es diesen Zeitpunkt selbst wählen lassen. Dabei lassen sie sich ganz bewusst auf die natürlichen Bedürfnisse ihres Kindes ein und reagieren auf dessen Signale – denn ein Baby wird nach Auffassung der Methode von Geburt an angeben, wann es Hunger hat, wann es Schmerzen hat oder aufs Töpfchen muss. Bestimmte Geräusche oder Signale wie Treten sind dabei ausschlaggebend und können so dazu beitragen, den Prozess des „Trockenwerdens“ ohne Stress und Einschränkungen zu bewältigen.

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Auch wenn die Erziehung antiautoritär geführt wird - Grenzen und Regeln sind sowohl für Eltern als auch Kinder wichtig. / fotolia.com © oneblink1 (#108453559)

ii. Grenzen sind dennoch wichtig

 

Trotz aller Freiheiten dürfen aber selbst bei dieser Form der Erziehung gewisse Grenzen nicht fehlen. Denn Kindern wollen und müssen sogar provozieren, sich ausprobieren und eben jene Grenzen überschreiten – und sei es auch nur um zu wissen, was dann passiert. Gerade in Momenten der Unsicherheit geben Grenzen Kindern außerdem Halt und überzeugen Sie davon, dass ihre Eltern im Zweifelsfall genau wissen, was zu tun ist. Stellen Eltern diese grundlegenden Grenzen nicht auf, so gehen sie meist bewusst Konflikten aus dem Weg oder geben ihre eigene Unsicherheit an den Nachwuchs ab. Dabei ist jedoch auch Zuverlässigkeit gefragt: Was also gestern noch mit Strenge verboten wurde, sollte am nächsten Tag nicht mehr nur mit einem Schulterzucken quittiert werde. Der völlige Verzicht auf Grenzen kann es außerdem mit sich bringen, dass die Kinder selbstbezogen und egoistisch handeln und die Regeln der Gesellschaft nicht wertschätzen oder achten. Wie Grenzen „richtig“ gesetzt werden können, hat auch Prof. Dr. Dietrich Petersen in einem Experteninterview auf familie.de erläutert.

c. Autoritärer Erziehungsstil

Auch heute noch wird das klassische Belohnungs- und Bestrafungssystem in der Erziehung eingesetzt, meist in Zusammenhang mit einem autoritären Erziehungsstil. Dieser baut auf einer hierarchischen Struktur auf, bei der die Kinder ihren Eltern untergeordnet sind. Die Erziehung ist hierbei vielfach sehr streng und bringt hohe Ansprüche an den Nachwuchs mit sich, Lob gibt es hingegen nur selten. Der autoritäre Erziehungsstil bietet kaum Platz für eine emotionale Entwicklung der Kinder, selbst die körperliche Züchtigung - und sei es auch „nur“ in Form eines Klapses – wird oftmals zur Anwendung gebracht. Heutzutage gilt dieser Erziehungsstil daher in der Regel nicht mehr als förderlich für eine gesunde Kindesentwicklung.

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Die autoritäre Erziehung ist häufig von Gewalt geprägt und führt bei Kindern früher oder später zu Problemen. / fotolia.com © Photographee.eu (#91364300

i. Aggressivität und kaum emotionale Unterstützung

 

Der autoritäre Erziehungsstil bringt es mit sich, dass Kinder in ihrem Denken und Handeln stark eingeschränkt werden. Sie müssen sich den Vorstellungen der Erwachsenen anpassen, auch wenn die eigenen Wünsche dabei zurückbleiben. Befehle und Anordnungen sind die grundlegenden Instrumente dieses Erziehungsstils, gelobt wird hingegen nur selten. Stattdessen liegt der Fokus vielmehr auf Tadel und Zurechtweisung, wenn etwas nicht wie gewünscht funktioniert. Kinder wünschen sich emotionale Sicherheit, diese können sie bei einer autoritären Erziehung allerdings kaum finden. Stattdessen wahren die Eltern eine emotionale Distanz, da sie nur so Erfolge und Gehorsam erreichen können. Ein weiteres sehr gravierendes Problem ist außerdem die Neigung der Kinder zu aggressivem Verhalten. Dies dient ihnen oft als Weg, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Dabei werden sie insbesondere schwächeren Kindern gegenüber auffällig. Neben dieser mangelhaften sozialen Kompetenz fällt außerdem eine Besonderheit im Sprachverhalten auf, denn autoritär erzogene Kinder sind häufig sehr ichbezogen, stellen sich in den Mittelpunkt und wirken dadurch besserwisserisch. Erfahrungsgemäß behindert die Erziehung sie außerdem in ihrer Selbständigkeit, da sie sich nicht frei ausleben und ihre Grenzen erkennen dürfen.

ii. Ist der autoritäre Stil noch zeitgemäß?

 

Im Grunde bietet der autoritäre Erziehungsstil so gut wie keine Vorteile, vor allem langfristig betrachtet kann er Kinder auch bis ins Erwachsenenalter hinein negativ prägen. Sie fügen sich sehr gut in bestehende Hierarchien ein, andererseits fehlt es ihnen jedoch an emotionaler Einfühlung. Das wiederum führt nicht selten zu Problemen mit sozialen Kontakten. Zwar genießen Kinder durch die autoritäre Erziehung eine ganz spezielle Form der Sicherheit, denn sie wissen genau, wo ihre Grenzen liegen und welche Folgen ihr Handeln hat. Jedoch können sie sich nicht frei ausleben und unterdrücken so wichtige Emotionen und Fähigkeiten wie Kreativität, Individualismus oder spontanes Verhalten. Zwar gibt es Tadel und Zurechtweisung in so gut wie jeder Erziehung, hier fehlt es jedoch an der nötigen Wärme und Geborgenheit, die ein Kinderleben haben sollte. Erzogen werden Kinder übrigens vor allem dann autoritär, wenn die Eltern dies in ihrer eigenen Kindheit ebenfalls so erlebt haben – ein Teufelskreis also, den es in jedem Fall zu durchbrechen gilt.

d. Weniger bekannte Erziehungsstile

Abseits dieser bekannten und mitunter auch stark vertretenen Erziehungsstile gibt es noch eine Reihe weiterer Formen der Erziehung. Teilweise überschneiden sie sich und ähneln oder basieren aufeinander, andere werden heutzutage hingegen kaum noch genutzt (und das aus gutem Grund).

i. Autokratischer Erziehungsstil

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ii. Egalitärer Erziehungsstil

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iii. Laissez-fairer Erziehungsstil

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iv. Negierender Erziehungsstil

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v. Permissiver Erziehungsstil

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3. Wie finden Eltern „ihren“ Erziehungsstil?

 

Kinder sollen Regeln lernen, sich im Leben zurechtfinden und dabei möglichst auch noch auf ihre Eltern hören und ein glücklicher Bestandteil der Familie sein. Leichter gesagt als getan – denn die Erziehung des Nachwuchses bringt so manche Schwierigkeit mit sich und nicht immer gelingt es jungen Eltern im ersten Anlauf, die richtige Form der Erziehung zu finden. Welche Werte sind die wichtigsten und sollen unbedingt vermittelt werden? Welcher Erziehungsstil passt am besten in das derzeitige Lebensmodell? Wie funktioniert die Umsetzung und welche Hürden gilt es dabei zu bewältigen?

a. Grenzen und Rituale festlegen

 

Egal, welcher Erziehungsstil es letztendlich wird, Grenzen stellen eine wichtige und unverzichtbare Basis dar. Dabei gilt: So viele Regeln wie nötig, so wenig wie möglich. Wer hingegen den gesamten Alltag regeln möchte, wird ohnehin schnell auf Widerstand stoßen. Zudem sollten Regeln möglichst einfach, klar und präzise formuliert sein, damit sie einerseits nicht nach Belieben ausgelegt werden können und es andererseits nicht zu Missverständnissen kommt.

b. Flexibel bleiben

 

Die eine richtige Erziehung gibt es nicht und nicht immer ist das übliche Vorgehen in jeder erdenklichen Situation richtig oder zielführend. Eltern sollten daher in jedem Fall flexibel bei der Erziehung bleiben und sich nicht zwangsläufig auf einen einzigen Erziehungsstil versteifen. Grundsätzlich handelt es sich dabei stets nur um grobe Richtlinien, die jede Familie selber so auslegen darf und sollte, wie sie es für richtig hält. Zudem hält der Alltag immer wieder Situationen bereit, die sowohl Eltern als auch Kinder auf die Probe stellen werden und womöglich eine völlig neue Herangehensweise erfordern. In solchen Fällen kann es durchaus sinnvoll sein, das Problem von einer anderen Seite zu betrachten und erzieherische Wege zu beschreiten, die ansonsten noch nicht zum Einsatz kamen.

c. Wenn sich Eltern nicht einig sind

 

Es ist häufig der Fall, dass Mütter und Väter sich in Erziehungsfragen nicht einig sind. Oft handeln Väter ein wenig nachgiebiger und gelassener, Mütter hingegen sind emotionaler, zudem verfügen sie über den berüchtigten „Mutterinstinkt“ und nehmen nahezu alles auf sich, um ihren Nachwuchs zu schützen. Diese Unterschiede sind in der Erziehung ganz natürlich und kommen auch abseits von Mutter und Vater vor. Denn unterschiedliche Vorstellungen werden sich auch bei den Großeltern, den Eltern von Freunden oder sonstigen Personen aus dem weiteren Umfeld finden. Diese unterschiedlichen Erziehungsstile bergen wertvolle Erfahrungen für ein Kind, denn sie bieten einen Einblick in die Realität, stärken Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen und machen es bereit für die unterschiedlichsten Situationen im Alltag.

i. Unterschiede bei der Erziehung sind erlaubt…

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Unterschiede zwischen mütterlicher und väterlicher Erziehung sind also durchaus erlaubt, eine gemeinsame Grundlage sollte es allerdings in jedem Fall geben. Vor allem zwei Grundsätze gilt es dabei zu beachten:

 

Einen wichtigen Unterschied gibt es außerdem zwischen unterschiedlichen und uneinigen Erziehungsstilen. Letzteres bedeutet, dass sie nicht kompatibel sind und führen die Eltern dies dennoch fort, so handeln sie nicht im Interesse ihres Kindes. Stattdessen handelt es sich um eine Form der Konkurrenz, bei der jeder dem anderen beweisen will, wer der Bessere ist. Die Bedürfnisse des Kindes sind bei diesem Wettstreit oft nur vorgeschoben. Grund für eben solche uneinigen Erziehungsmethoden sind ungeklärte Konflikte zwischen Mutter und Vater. Häufig buhlen sie dabei regelrecht um die Gunst des Kindes – nicht selten in materieller Form – und treiben es ungewollt in einen Loyalitätskonflikt. An dieser Stelle sollte eine Aussprache unbedingt stattfinden, um das Familienglück auf Dauer nicht zu gefährden.

ii. …im Ernstfall sollten Eltern jedoch zusammenhalten

 

Auch wenn die Erziehungsstile sich unterscheiden, so muss dies gegenseitige Unterstützung nicht ausschließen. Väter und Mütter müssen sich also keinesfalls zwangsläufig gegeneinander ausspielen und genauso wenig  müssen Konflikte die Folge sein. Dafür sollten die Beteiligten jedoch ein paar Dinge beherzigen:

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Damit die Erziehung trotz vieler Unterschiede funktioniert, sind regelmäßige Absprachen unumgänglich. Genauso müssen Eltern jedoch auch ganz bewusst an einem Strang ziehen, auch wenn das bedeutet, hier und da einen Kompromiss einzugehen und womöglich Abstriche zu machen. Gleichzeitig sind diese Unterschiede jedoch auch sehr wichtig, denn sie zeigen dem Nachwuchs auf, dass Eltern nicht nur als Einheit, sondern auch als Individuum mit jeweils eigenen Fähigkeiten funktionieren.

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Erstellt:
15. Juli 2016, 11:07 Uhr
Aktualisiert:
15. Juli 2016, 11:07 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2016, 11:07 Uhr

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