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Schmetternde Klimaretter

Erstligist TV Rottenburg plant etwas bislang wohl Einzigartiges

Es ist eine ungewöhnliche Verbrüderung: ein Sportteam und eine Hochschule tun sich zusammen – in diesem Fall Volleyball-Erstligist TV Rottenburg und die Rottenburger Hochschule für Forstwirtschaft – und beschließen ein sogenanntes Nachhaltigkeits-Konzept. Doch was genau hat es damit auf sich?

26.10.2012

Von Vincent Meissner

Rottenburg. Als ein etwas anderer Klub in der Bundesliga hat sich der TV Rottenburg schon seit dem Aufstieg in die Beletage des deutschen Volleyballs gesehen. Sei es wegen der pinken Halle, des exzentrischen Trainers oder der in aller Regel euphorischen Fans – egal auf welchem Tabellenplatz die Lieblinge stehen. Nun haben die Verantwortlichen ein neues Alleinstellungs-Merkmal gefunden: die Zusammenarbeit mit der Rottenburger Forsthochschule beim Thema Nachhaltigkeit.

Eine Art Think-Tank mit Rottenburgs Manager Jörg Papenheim, Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger und Vereinsmitglied Andreas Moser entwickelte die Idee. Dann unterbreiteten sie dem Rektor der Forsthochschule, Bastian Kaiser, den Vorschlag für eine Zusammenarbeit. Kaiser war schnell überzeugt: „Uns reizt immer das Ungewöhnliche“, sagt er. Ende Juli unterzeichneten beide Seiten an der Forsthochschule den Kooperations-Vertrag. Für die Zuschauer ist die neue Partnerschaft etwa an den schwarzen Aufwärm-Shirts mit dem Logo der Forsthochschule zu erkennen.

Der TV Rottenburg ist mit diesem Projekt vermutlich als Pionier unterwegs. Der Vorsitzende des TV Rottenburg Klaus Maier sagte vor wenigen Wochen bei der Vorstellung des Erstliga-Teams auf Schloss Weitenburg zumindest: „Ich gehe davon aus, dass wir wohl der erste Spartenverein in der Bundesrepublik sind, der sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt.“

Das Image ist wichtig bei der Sponsorensuche

Entscheidend könnte das Projekt auch bei der Sponsoren-Suche werden. Manager Papenheim hofft, mit dem Image als nachhaltigkeitsbewusster Verein wieder attraktiver für Geldgeber zu werden. Denn der Ausstieg von Haupt- und Namenssponsor EnBW hinterließ beim TV Rottenburg große finanzielle Löcher. Mit dem neuen Konzept hofft Papenheim nun auf positive Rückmeldungen aus der Wirtschaft: „Weil ich glaube, dass es unser Profil schärft.“

Auf der anderen Seite profitiert auch die Forsthochschule: „Ich mache keinen Hehl daraus, dass diese Kooperation gut für unser Image ist“, sagt Rektor Kaiser. „Und auch für unsere Studierenden ist es attraktiv, mit Bundesliga-Spielern in Kontakt zu kommen.“

Ein konkreter Plan des Nachhaltigkeits-Projekts ist im Frühjahr das Pflanzen von mehreren Bäumen an verschiedenen Stellen im Rottenburger Stadtwald durch die Volleyballer. Weitere Projekte laufen bereits: Alle Drucksachen wie etwa die Hallen-Heftchen hat der TV Rottenburg bei einer Druckerei in Auftrag gegeben, die das bei der Produktion entstandene CO2 ausgleicht. Künftig soll das Rottenburger Team dann der erste CO2-freie Bundesligist werden. Einen konkreten Zeitplan für die Vorhaben gibt es allerdings noch nicht. Zunächst soll ein/e Studierende/r in einer Abschlussarbeit an der Forsthochschule den Ist-Zustand analysieren und in einem weiteren Schritt dann Möglichkeiten des CO2-Sparens aufzeigen. Zeitlichen Druck verspürt Manager Papenheim nicht: „Das muss jetzt wachsen“, sagt er und wird philosophisch: „Nachhaltigkeit ist nichts Kurzfristiges – der Weg ist das Ziel.“

Mehr als 100 Nachwuchs-Spieler/innen des TV Rottenburg bildeten vergangenen Sonntag in der Pause beim Heimspiel-Auftakt gegen Bühl ein großes „CO2“. „Um zu verdeutlichen, worum es geht“, sagt Rottenburgs Manager Jörg Papenheim. Künftig möchten die Erstliga-Volleyballer weniger des klimawirksamen Gases produzieren.Bild: TVR

Ursprünglich stammt der Begriff aus der Forstwirtschaft und sagt aus, dass nicht mehr Bäume gefällt werden dürfen als nachwachsen. Der Think Tank (Denkfabrik) „Club of Rome“ verwendete den Begriff 1972 in seinem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ und verhalf ihm damit zu größerer Popularität. Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit geht davon aus, dass dauerhafte Entwicklung nur möglich ist, wenn gleichzeitig auf ökologische, soziale und die wirtschaftliche Bedingungen geachtet wird.

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Erstellt:
26. Oktober 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. Oktober 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2012, 12:00 Uhr

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