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Der Wolf ist zurück

Erstes gefundenes Tier in Württemberg seit mehr als 160 Jahren

Jäger haben vor 168 Jahren den letzten Wolf in Württemberg erlegt. Seit Donnerstag ist er offiziell zurück, eingewandert aus den Alpen oder Sachsen. Diesmal aber starb der Wolf im Verkehr auf der A 8.

01.12.2015
  • STEFAN BENTELE

Merklingen. Vom "Wolfserwartungsland" zum Wolfsland: Mit dem Fund eines toten Jungtiers vergangenen Donnerstag auf der A 8 bei Merklingen hat der Alb-Donau-Kreis seinen ersten Nachweis eines Wolfs seit mindestens 1847. Autofahrer hatten das Tier auf dem Mittelstreifen gefunden und die Behörden verständigt. Die wollten sichergehen und untersuchten den Kadaver, bevor sie gestern an die Öffentlichkeit gingen. Die Fundstelle liegt nach Angaben des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in einem Wildtierkorridor. Schon im Juni kam ein Wolf im Badischen auf der A 5 bei Lahr zu Tode.

Erst im Februar hatte Max Wittlinger, Kreisjägermeister im Alb-Donau-Kreis, Baden-Württemberg und damit auch den Alb-Donau-Kreis als "Wolfserwartungsland" bezeichnet. Trotzdem ist Wittlinger vom Fund überrascht. "Man rechnet dann doch nicht damit."

Ausreichend Deckung und genug Nahrung, mehr braucht ein Wolf nicht. Die Schwäbische Alb mit Waldgebieten und reichlich Rehen bietet beste Voraussetzungen. Deshalb hält Wittlinger den toten Wolf nur für eine Vorhut aus den Alpen oder aus dem Großraum Niedersachsen/Sachsen. Erst ein DNA-Test wird Gewissheit bringen. "Aber dass ein Rudel schon hier ist, das schließe ich aus." Jagdpächter hätten Wildrisse sonst längst gemeldet.

Und jetzt? "Der Wolf hat seine Daseinsberechtigung", sagt Wittlinger. Allerdings wird nicht jeder das Wildtier willkommen heißen. Zwar stellt es keine Gefahr für den Menschen dar, dafür ist der Wolf zu vorsichtig. Anderslautende Geschichten aus Sachsen etwa seien "Humbug", sagt der Jäger. Schäfer fürchten aber schon Mehraufwand und Kosten.

"Da kann ich dann keine Nacht mehr ruhig schlafen", sagt Schäferin Ruth Häckh aus Sontheim/Brenz. Die Sprecherin im Bundesverband der Berufsschäfer weint dem toten Wolf keine Träne nach. Zu bitter scheinen ihr Erfahrungen der Kollegen in Frankreich, wo sich der Wolf ausgebreitet hat. Weder Weidezäune unter Strom noch Herdenhunde hätten genug Schutz geboten. Im dicht besiedelten Alb-Donau-Kreis seien Herdenhunde kaum einsetzbar. Die schützen die Herde um jeden Preis. Auch Dr. Micha Herdtfelder vom Arbeitsbereich Wildtierökologie der Forstlichen Versuchs- und Forstanstalt Freiburg sieht auf Schäfer die größte Belastung zukommen. Deshalb haben Behörden und Verbände in der AG Luchs-Wolf einen Handlungsleitfaden erarbeitet. Sollten Wölfe Schafe reißen, gibt es eine Ausgleichszahlung aus dem Wolfs-Fonds. Bislang liegen 10 000 Euro bereit. Die Einwände der Schäfer nimmt Herdtfelder ernst. Doch es habe sich gezeigt, dass Risse zurückgingen, sobald sich Schäfer auf die Wölfe eingerichtet haben.

Was ändert sich sonst? "Ich tu mir schwerer bei der Bejagung", sagt Jäger Wittlinger. Das Schalenwild wird vorsichtiger. Jagdhunde könne er nicht mehr frei laufen lassen. Bis aber aus einem Wolf ein Rudel geworden ist, wird es Jahre dauern, sagt Grünen-Landtagsabgeordneter Markus Rösler. Der naturschutzpolitische Sprecher der Fraktion schätzt, dass das fünf bis zehn Jahre dauert. "Nur wo, das ist Zufall." Und sollte ein Wolf entgegen aller Erfahrungen wieder und wieder Schafe reißen, erlaube das Bundesnaturschutzgesetz eine Ultima Ratio: Dann wäre ein Tier - wie einst "Problembär" Bruno - zum Abschuss freigegeben. Aber vermutlich wäre der Verkehr schneller.

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01.12.2015, 08:30 Uhr
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