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Spätzle sind koscher

Erster Schüleraustausch des Mössinger Quenstedt-Gymnasiums mit Israel

„Chanukka meets Weihnachten“ hieß die Einladung, mit der 14 Abiturienten des Quenstedt-Gymnasiums zusammen mit Eltern, Geschwistern und Lehrern den ersten Schüleraustausch mit Israel feierten.

19.12.2009
  • Susanne Mutschler

Mössingen. Zwölf junge Leute aus einer Schule in Katzir nahe Haifa waren zu Gast gewesen. Beim Abschiedsfest am Donnerstag gab es in der Aula Musik, Reden und Spätzle mit Huhn. Gastmutter Christine Mück hatte sich schon lange vorher Gedanken gemacht, wie sie ihren israelischen Austauschschüler bewirten sollte. Doch Avital, der freundliche junge Mann aus Katzir, sei dann „vollkommen unkompliziert“ gewesen. Er liebte das „Habhafte“ an der schwäbischen Küche und verachtete Vitamine, aber nicht aus religiösen Gründen.

Dem Austausch vorangegangen war ein Seminarkurs über Israel, den die Lehrer Steffen Volck und Jochanan Hüttenmeister leiteten. Das Interesse der Abiturienten an persönlichen Begegnungen mit gleichaltrigen Israelis war geweckt.

Doch die Vorbereitungen für einen Schüleraustausch kamen erst richtig in Gang, als Werner Steinmetz aus Dußingen, der im Internet eine Israel-Plattform betreibt, seine Vermittlung anbot. „Vier Schulen hatten vorher schon abgesagt“, erinnert sich Volck. Über Mara List Avner, die seit zehn Jahren israelische Delegationen nach Deutschland begleitet, nahm Steinmetz Verbindung zu der Schule in Katzir auf.

Von nun an begannen die Quenstedt-Schüler intensive Kontakte zu knüpfen. Dabei habe er Skype und Face-Book als Foren für Kommunikation schätzen gelernt, sagte Volck. Die jungen Leute hätten auf diese Weise schon vor ihrer Ankunft in Deutschland Freundschaft geschlossen.

Das zehntägige Programm der Besucher war gedrängt voll. Die Gruppe besuchte die jüdische Gemeinde in Stuttgart, fuhr nach Dachau und ins Olympiastadion in München. Sie wurde vom Mössinger Oberbürgermeister empfangen und schaute sich die Hechinger Synagoge, den Bisinger KZ-Friedhof und den Hohenzollern an. Und – was die winterungewohnten, jungen Israelis besonders begeisterte – sie gingen auf die Reutlinger Eisbahn zum Schlittschuhlaufen, fuhren auf dem Rossberg Schlitten und besuchten den Tübinger Weihnachtsmarkt.

Man darf nicht nur

die Opfer zählen

Daneben fand intensive Arbeit statt: Am Thema „Freund und Feind in den Medien“ gingen die Schüler der Bewertung des Gaza-Krieges in den verschiedenen deutschen Tageszeitungen und dem Internet nach. Stellwände in der Aula zeugten von lebhaften, auf Englisch geführten Diskussionen, die sogar Beachtung in einem israelischen Radiosender fanden. Zentralen Raum nimmt das Schicksal des seit drei Jahren gefangen gehaltenen israelischen Soldaten Gilad Shalit ein. Die jungen Israelis berichteten aus persönlicher Erfahrung, wie sie sich jeden Tag aufs Neue durch Raketeneinschläge bedroht fühlen. „Man muss die Vorgeschichte kennen und darf nicht nur die Opfer zählen“, sagte einer, geschockt über zu plakative Berichterstattungen.

Sie seien stolz darauf, im kommenden Jahr ihren – für Männer drei- und für Frauen zweijährigen – Militärdienst antreten zu dürfen, trugen die Schüler aus Katzir in einem fiktiven Brief vor. „Wir werden unseren Staat mit großer Liebe schützen.“ Im April, wenn die deutschen Schüler nach Israel fliegen, werde das Medienprojekt fortgesetzt, erklärte Volck. Zuvor will er Gespräche mit in Deutschland studierenden Palästinensern führen und die Protokolle mitnehmen. Auch die Israelis müssten „feinfühliger“ werden für Kritik aus den Medien.

Am Abschlussabend dominierte die Gemeinsamkeit. Im achttägigen Lichterfest Chanukka, das an die Wiedereinweihung des Tempels nach dem Makkabäer-Aufstand erinnert, sah Mara List Avner eine symbolische Verbindung zur christlichen Weihnacht. Die israelischen Schüler sangen ein Chanakkalied und entfachten die Kerzen der Menora. Quenstedt-Schulleiterin Gudrun Röderer erklärte das Brauchtum rund um das ebenfalls sehr kerzenreiche Weihnachtsfest.

Eine festliche Abrundung bekam der Abend durch Musiklehrer Friedemann Treutlein am Flügel und seine Schüler Rebecca Creuzberger (Violine), Jonas Ferber (Klavier), Frederik Efferenn (Gesang) und Jonas Schweizer (Gitarre).

Erster Schüleraustausch des Mössinger Quenstedt-Gymnasiums mit Israel
Wo sollte die Reise nach Jerusalem besser dazupassen als zum Chanukkafest? Bild: Franke

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19.12.2009, 12:00 Uhr
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