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Sommerserie: Die Reisebloggerin Katrin Lehr aus Heilbronn ist auf der ganzen Welt unterwegs

Erst die Tat, dann der Rat

Tipps für individuelle Touren greifen Leser dankbar auf. Katrin Lehr aus Heilbronn bestückt einen Reiseblog mit eigenen Erfahrungen und Beobachtungen.

06.08.2016
  • HANS GEORG FRANK

Heilbronn. Die Tipps für individuelle Touren greifen ihre Leser dankbar auf: Katrin Lehr aus Heilbronn bestückt einen Reiseblog mit eigenen Erfahrungen und Beobachtungen. Beim Rhabarberschorle im Charivari, einem ihrer Lieblingslokale, erzählt sie, „wie schön es hier in Heilbronn ist“. Sie schwärmt von der Fahrt im Cabrio ihres Onkels am Neckar entlang nach Bad Wimpfen. Von ihrer Wohnung ist sie schnell beim Joggen durch Wald und Weinberge, „auch sehr schön“. Dabei hat sie gerade ein Allrad-Fahrtraining auf schwierigem Terrain absolviert, außerdem bereitet sie sich auf eine Reise durch Botswana vor. Egal, was dort auf sie zukommen mag, sie lässt sich sowieso von keinem Plan abbringen. „Afrika“, sagt Katrin Lehr, „ist immer eine Wundertüte – man weiß nicht, was als Nächstes passiert.“ Das Auswärtige Amt rät von Überlandfahrten in Botswana dringend ab: „Das Unfallrisiko ist extrem hoch (Hindernisse wie abgestellte oder liegengebliebene Fahrzeuge und vor allem freilaufende Tiere wie Rinder, Esel, Ziegen, Hunde etc. auf den Straßen).“

Katrin Lehr ist Bloggerin, Spezialistin für Städtetouren, Roadtrips, für Erkundungen abseits üblicher Strecken. Der Name ihres Blogs ist für sie Programm und permanenter Ansporn: „Viel unterwegs“. Wie viele Länder sie schon bereist hat, kann sie nicht auf Anhieb sagen. Sie führt keine Statistik. „Ich bin schon immer gereist, in den Schwarzwald mit der Familie, ins Zeltlager mit Freunden“, erzählt die 38-jährige Heilbronnerin.

Als bodenständige Schwäbin kann sie auch eine ordentliche Berufsausbildung (Mediengestalterin) und mehrere Anstellungen bei Werbeagenturen nachweisen. 13 Jahre habe sie „Tag und Nacht geschuftet“, blickt sie zurück. Im November 2015 siegte die Entdeckerlust über die Sicherheit des festen Jobs. Nach einer intensiven Begegnung mit dem harten Alltag in Tadschikistan habe sie endgültig erkannt, dass sie kein Verständnis mehr aufbringen könne für die „Probleme“ ihrer Kunden.

Im März 2016 hat ganz offiziell ihre Selbstständigkeit begonnen, als Grafikerin und Beraterin, vor allem aber als Bloggerin. Mit „viel unterwegs“ erreiche sie über 100 000 „unique visitors“ im Monat, sagt Katrin Lehr ohne falschen Stolz. Damit habe sie „einen der meist gelesenen Reiseblogs im deutschsprachigen Raum“. Mit ihren Reportagen, ihren nützlichen Tipps hat sie jene Leser im Sinn, die sich nicht nach der Geborgenheit einer Pauschalreise sehnen. Ihre Botschaft: „Es ist ganz einfach individuell zu reisen.“ Eine Altersgrenze gebe es dabei nicht. Katrin Lehr möchte ihren Lesern ewiges Googeln und frustrierendes Blättern in veralteten Reiseführern ersparen. „Sie glauben mir“, sagt sie über die Resonanz. „Die meisten Leute vertrauen uns Bloggern, weil wir authentisch berichten und uns nichts vorschreiben lassen.“ Was sie ins Netz stellt, sei „kein Ich-mach-mal-so-ein-Ding“, tatsächlich verrichte sie „harte Arbeit“.

Die touristische Dienstleisterin gibt nur weiter, was sie guten Gewissens verantworten kann und selber gesehen hat: Erst die Tat, dann der Rat. Wer auch vom Fernweh infiziert ist und etwa zu einem Städtetrip starten möchte, kann sich über Barcelona („1000 Möglichkeiten“) oder Calgary („multikulti mit 120 Sprachen“) informieren oder über Sofia, Tallin, Riga („Unbekanntes gepaart mit Ostblock-Charme“). In ihrer persönlichen Top 10 der Metropolen hat die Pfad-Finderin Istanbul von der Spitze ans Ende gesetzt: „Ich kann aktuell nicht empfehlen in ein Land zu reisen, wo das Staatsoberhaupt komische Dinge tut.“

Die neugierige Heilbronnerin, deren Lieblingsbuch der Atlas ist, weiß, dass auf Reisen mehr möglich ist, als man sich zuhause zugetraut hätte: „Wenn man ein Ziel hat und die Leidenschaft, geht einiges mehr.“ Die Autorin verlässt sich auf ihr Bauchgefühl, gefährliche Situationen habe es noch nicht gegeben. In Madrid ausgeraubt zu werden, gehört wohl zum Berufsrisiko. Von einem Guide in Sri Lanka geneppt zu werden, das passiert eben nicht nur Touristen der normalen Art. In der Regel die sportliche, unternehmungslustige Frau mit Begleitung: „Zu zweit ist man zwar abgelenkt, aber allein macht das Abendessen keinen Spaß.“

Faulenzen am Strand? Nein, danke! Lieber „Abenteuer abseits bekannter Pfade“, Tee in der Jurte in Kirgistan, mit illegalen Einwanderern über die Grenze nach Mexiko, eine Moorwanderung bei strömendem Regen in Belgien, Schwimmen mit Pinguinen am Boulders Beach in Südafrika, ein Abstecher zu Berggorillas in Uganda. Katrin Lehr wird getrieben von ihrer Neugier. Sie mag lieber schmale Straßen als breite Boulevards. Sie meidet nach Möglichkeit Hotels, wohnt lieber in einfachen Privatquartieren, probiert auch unbekannte Speisen, „wenn es kein komisches Getier ist“.

Die ganze Welt möchte sie sehen: „Mich interessiert alles.“ Ganz oben auf ihre Liste mit den faszinierendsten Zielen steht Afghanistan: „die unglaubliche Landschaft am Hindukusch hat es mir angetan.“

Ihre Reiseziele bezeichnet sie als „Herzensangelegenheiten“, die Inhalte seien „individuelle Sachen“. Zwar gebe es Einladungen in fremde Länder und ferne Städte, aber bei den Texten und Bildern verbittet sie sich jede Einflussnahme. Andererseits bekommt sie einen Obolus für Empfehlungen wie nützliche Kreditkarten. Auch als Markenbotschafterin wäre sie gerne zu Diensten, „aufrichtig und dialogbereit“. Mehr mag die sonst mitteilsame Globetrotterin nicht sagen über die finanzielle Seite ihres ungewöhnlichen Berufs. Sie brauche sowieso nicht viel, meint sie. „Mir geht es nicht ums Geld, ich lebe jetzt besser als zuvor.“ Außerdem sei die Zeit fürs Reisen ohnedies unbezahlbar: „Das ist ein riesengroßes Privileg, besser geht es nicht.“

Katrin Lehr reist nicht allein um des Bloggens willen, „einfach Gutes tun“ nennt sie einen wichtigen Aspekt. Sie setzt sich auch ein für Hilfsprojekte, wirbt um Spenden für eine Schule in Kapstadt, einen Brunnen in Uganda. Zuhause möchte sie Flüchtlingen Deutschkurse geben und ihre „unglaublichen Geschichten“ anhören.

Einen Bürojob kann sich Katrin Lehr derzeit nicht vorstellen. Dass ihr früherer Chef für alle Fälle eine Rückkehr in Aussicht gestellt hat, das hat sie nicht vergessen. Die eigene Wohnung in Heilbronn opfert sie nicht dem unheilbaren Drang in die Ferne: „Ich brauche meinen Rückzugsort.“

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06.08.2016, 06:00 Uhr
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