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Erst Wonder Woman, nun Black Panther
Chadwick Boseman und Michael B. Jordan in „Black Panther“. Foto: Marvel/Disney
Schwarz ist Trumpf

Erst Wonder Woman, nun Black Panther

Hollywood lernt, auf Vielfalt zu setzen. Das ist nicht nur politisch korrekt, sondern auch lukrativ.

10.02.2018
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Los Angeles. Stell dir vor aufzuwachsen, ohne jemals einen Superhelden zu sehen, der wie du aussieht.“ Man möchte über den Satz der schwarzen amerikanischen Journalistin Natasha Alford lächeln – wer sieht schon wirklich aus wie Superman oder Batman? Aber wenn man kurz nachdenkt, begreift man, was sie meint: All diese Heroen und Weltretter, die in Comics und Filmen gefeiert werden, sind weiß. Und fast immer Männer.

Den Satz hat Natasha Alford getwittert, nachdem sie auf der Hollywood-Premiere von „Black Panther“ war – und man kann kaum ermessen, was dieser neue Marvel-Blockbuster für die afroamerikanische Community in den USA bedeuten mag. Regisseur Ryan Coogler hat ganz offensichtlich ein Action-Spektakel gedreht, das sensibel, respektvoll und selbstbewusst mit schwarzer Kultur umgeht.

Denn ambitionierte Filme wie etwa „Moonlight“, der vergangenes Jahr mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet wurde, sind das eine. Das Popcorn- und Blockbuster-Kino für die breite Masse ist etwas ganz anderes und viel bedeutsamer.

Es war etwas Besonderes, als Comic-Autor Stan Lee und Comic-Zeichner Jack Kirby die Figur des Black Panther als ersten afrikanischen Superhelden des amerikanischen Comic-Mainstreams erschufen: Im Juli 1966 feierte der stolze Kämpfer in einem Abenteuer der „Fantastic Four“ sein Debüt. Der Zeitpunkt war kein Zufall: Es war just in dem Jahr, als sich die schwarze Bürgerrechtsbewegung in Teilen radikalisierte und die Black Panther Party gegründet wurde.

In den Marvel-Comics – oft ein Spiegel gesellschaftspolitischer Realitäten – wurde die Figur des Black Panther Mitglied der Superhelden-Truppe Avengers. Sie tauchte nicht nur in Comicbooks, sondern auch in TV-Shows, Zeichentrickfilmen und Videospielen auf. Doch als Marvel sich vor gut zehn Jahren anschickte, die große Leinwand zu erobern, setzte man erstmal auf Figuren wie Iron Man, Thor und Hulk.

Doch nun ist die Zeit mehr als reif für T'Challa Udaku, wie der Black Panther als König des fiktiven afrikanischen Staates Wakanda sozusagen bürgerlich heißt. Seinen ersten Auftritt hatte er vor zwei Jahren im Superhelden-Ensemble-Stück „Captain Amerika: Civil War“, nun steht er im Mittelpunkt seines ersten eigenen Streifens. Darin muss er sich mit einem aus Wakanda – einem von der Außenwelt isolierten, doch technologisch fortschrittlichen Land – verbannten Schurken herumschlagen.

Die Besetzung mit Chadwick Boseman als Black Panther und Michael B. Jordan als seinem Widersacher Erik Killmonger ist beeindruckend. Hinzu kommen charismatische Nebendarsteller wie die beiden Oscar-Preisträger Forest Whitaker und Lupita Nyong'o.

Kritiker loben besonders die starken Frauenfiguren – denn beim Thema Diversität, wie es in Hollywood nicht nur die Oscar-Academy umtreibt, sondern das jetzt endlich auch im Mainstream-Kino anzukommen scheint, geht es eben nicht nur um Hautfarbe, sondern auch um Geschlecht. Erst im vergangenen Jahr hatte mit Wonder Woman erstmals eine Superheldin die Kinokassen so richtig klingeln lassen. Auch das war höchst überfällig gewesen und zeitigt etliche Folge-Produktionen.

Natürlich geht es bei all dem nicht zuletzt ums Geschäft. Denn dank weiblicher und schwarzer Superhelden werden neue, breitere Publikumsschichten angesprochen. Branchen-Analysten weisen schon lange darauf hin, dass Filmproduzenten diese Markt-Segmente lange vernachlässigt haben. Dass „Black Panther“ viel Geld einspielen wird, steht außer Frage – aber womöglich wird er, zumindest in den USA, ein Mega-Blockbuster.

Die Bedeutung all dessen geht freilich über Kino und Kommerz hinaus. Schließlich geht es um die sozial und psychologisch relevanten Themen Rollenvorbilder und Identifikation. Das bestätigt auch „Black Panther“-Regisseur Ryan Coogler. Er hatte 2013 das intensive Rassismus-Drama „Fruitvale Station“ und 2015 die glänzende „Rocky“-Fortsetzung „Creed“ um einen jungen schwarzen Boxer gedreht. Über das Marvel-Angebot sagt der 31-Jährige: „Black Panther begleitet mich bereits seit meiner Kindheit. Es war der einzige Superheld, der aussah wie ich. Ich ging damals in den Laden und sagte, dass ich einen Comic lesen will, in dem der Held so aussieht wie ich. Superman und die X-Men kannte ich bereits. Ich wollte etwas anderes, ich wollte mehr.“

Dieses „Mehr“ hat er nun auf die Leinwand gebracht. Dass Schwarze in Hollywood-Blockbustern nur als komische Sidekicks oder Bösewichter dienen, scheint vorbei zu sein. Black is beautiful!

Vielleicht kommt auch wieder die Debatte über einen schwarzen James Bond auf. In den vergangenen Jahren war mehrfach darüber diskutiert worden, ob der dunkelhäutige britische Schauspieler Idris Elba nicht einen famosen Geheimagenten ihrer Majestät abgeben würde. Der Black Panther zeigt nun den Weg.

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10.02.2018, 06:00 Uhr
Erst Wonder Woman, nun Black Panther





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