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Notfallübung

Erst Menschen retten, dann die Kunst

In der Staatsgalerie probt die Feuerwehr die Bergung von Kulturgütern bei einem Brand. 14 Stuttgarter Institutionen helfen sich gegenseitig mit Experten aus.

22.10.2019

Von Daniel Grupp

Zwei Feuerwehrleute bergen im Apsidensaal der Staatsgalerie ein Duplikat eines Kunstwerks. Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Wie bekommen wir die Kunstobjekte raus?“, auf diese Frage suchte Branddirektor André Oldenburg am Montagmorgen eine Antwort. Bei einer Notfallübung wurde ein Brand im Altbau der Staatsgalerie angenommen. Die Feuerwehr musste Kunstwerke aus dem Apsidensaal retten. Die Beteiligten finden, dass dies überraschend schnell gelungen ist. So schnell, dass die Übung schon fast beendet war, als Pressevertreter hinzugebeten wurden. Nach gut 28 Minuten seien die von ihren Mitarbeitern nach Originalvorbildern gefertigten „Kunstwerke“ geborgen gewesen, berichtet die Direktorin der Staatsgalerie, Christiane Lange.

Bei einem richtigen Einsatz würden aber nicht die Kunstwerke im Mittelpunkt stehen, betonte Oldenburg, der den Einsatz der Feuerwehr geleitet hat. Oberste Priorität gelte den Menschen: „Erst wenn alle draußen sind, sind die Kulturgüter dran.“ Daher wurde auch die Bergung eines verletzten Menschen geprobt.

Als im Zweiten Weltkrieg nach Bombenangriffen das Neue Schloss in Flammen stand, halfen Stuttgarter Bürger beim Retten von Kunst- und Einrichtungsgegenständen. Das würde sich in der Gegenwart nicht wiederholen, falls eine der Kulturinstitutionen der Stadt in Flammen stünde. „Das macht die Feuerwehr. Sonst rennt da keiner rein“, betont der Branddirektor.

Kein zweites Notre-Dame

Es bestehe zwar immer die Gefahr, dass sich ein Feuer unkontrollierbar ausbreite, jedoch erwarten die Beteiligten um Lange, Oldenburg und die Sicherheitsbeauftragte der Staatsgalerie, Franziska Böttcher, dass Alarmmelder und Brandschutztüren funktionieren und sich ein Feuer auf einzelne Sektoren begrenzen ließe. Dass also in Stuttgart kein Brand im Ausmaß von Notre-Dame ausbricht. „Wir sind mit Brandschutz schon gut ausgestattet“, sagt Böttcher. Daher sei es unwahrscheinlich, dass ein Vollbrand entsteht. Ziel sei, das Feuer auf abgeriegelte Sektoren zu begrenzen, wo es von der Feuerwehr bekämpft wird.

Weil nicht klar ist, welcher Teil des Gebäudes betroffen wäre, hat Direktorin Lange keine Hitliste für die Reihenfolge, in der Kunstwerke der Staatsgalerie gerettet werden sollen. „Man muss in den Räumen entscheiden. Die Priorisierung muss akut erfolgen.“ Im Brandfall müssen Lange oder ihre Kollegen abwägen, welche Kulturgüter Vorrang genießen. Dann sei zu beachten, was schneller Schaden nimmt. Eine Marmorskulptur kann vermutlich Feuer oder Löschwasser leichter verkraften als ein Ölgemälde. Die Direktorin hat bei der Übung gelernt, dass die Atemschutzgeräte der Helfer nur eine begrenzte Kapazität haben. Daher sei es sinnvoll, dass erst wertvolle kleine und leichte Objekte gerettet werden, bevor sich mehrere Feuerwehrleute an einer großen Installation abmühen.

Der Teufel steckt aber im Detail. Die Kunstwerke sind meist besonders gesichert. Manche Verankerungen lassen sich nur mit bestimmten Werkzeugen öffnen. Andere Kulturgüter sind so schwer, dass man sie nicht einfach wegtragen kann. Da die Feuerwehr die erforderlichen Werkzeuge nicht bei sich hat, sind sie bei der Staatsgalerie gelagert. Zudem gibt es Karten, auf denen jedes Kunstwerk abgebildet ist, damit die Feuerwehrleute sehen, was sie retten sollen. Auf den Karten ist auch Größe und Gewicht des Objekts und das erforderliche Werkzeug notiert.

Die richtigen Experten vor Ort

Vor dem Museum nehmen Mitarbeiter des Notallverbunds der Stuttgarter Kultureinrichtungen die Schmuckstücke in Empfang. Da keine Einrichtung im Katastrophenfall genügend Personal zur Verfügung hätte, helfen sich die Museen, Bibliotheken und Archive gegenseitig. Damit soll gewährleistet werden, dass ein gerettetes Kulturgut in die richtigen Hände kommt, bevor es bei der Lagerung weiteren Schaden nimmt, erläutert Anna Leippe vom Haus des Dokumentarfilms. Sie ist Sprecherin des Notfallverbunds von 14 Institutionen. Im Verbund sei sicherlich der erforderliche Experte, zum Beispiel ein Restaurator, zu finden.

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Erstellt:
22. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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