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"Ernst Mosch ist unsere DNA"
"Kein rückwärtsgewandtes Ensemble": Ernst Hutter (vorne links) und die Egerländer Musikanten. Foto: René Traud
Egerländer-Orchesterleiter Ernst Hutter über Blasmusik, Tradition und Jazz

"Ernst Mosch ist unsere DNA"

1999 starb Ernst Mosch, aber seine Egerländer Musikanten erfreuen sich noch immer großer Beliebtheit. Das ist auch ein Verdienst von Moschs Nachfolger, dem vielseitigen Ernst Hutter - der darüber hinaus Jazz liebt.

08.12.2015
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Sie gehen mit den Egerländer Musikanten auf Jubiläumstour: "90, 60, 30, 15". Was feiern Sie denn alles?

ERNST HUTTER: Vier Jubiläen in einem! Vor 90 Jahren wurde Ernst Mosch geboren, vor 60 Jahren wurden die "Egerländer Musikanten" gegründet, vor 30 Jahren bin ich bei den Musikanten eingestiegen, seit 15 Jahren leite ich das Orchester.

Sie haben selbst noch mehr als zehn Jahre unter Ernst Mosch Tenorhorn gespielt. Was haben Sie aus der Zeit mitgenommen, was an den "Egerländern" unverrückbar ist?

HUTTER: Das Orchester ist sehr traditionell. Ein Klassiker, wie es nicht mehr viele gibt. Wie alle diese Klassiker haben wir ein klares Profil: unsere Musiksprache, unser Klang und Repertoire. Wenn Musiker das über so viele Jahre spielen und interpretieren, wird es zu einer Identität.

Wenn Sie etwas Neues für die "Egerländer" arrangieren, schaut Ihnen Ernst Mosch also über die Schulter?

HUTTER: Ernst Mosch hat nicht selber arrangiert, aber natürlich hat man seine Art und Weise der Interpretation immer im Hinterkopf. Das ist unsere DNA. Deswegen erkennt man das Orchester auch heute schon nach wenigen Takten.

Eine große Tradition also. Wenn man aber doch von Zeit zu Zeit etwas auffrischen will, ist das dann ein Spagat?

HUTTER: Veränderungen müssen mit Behutsamkeit, mit Achtsamkeit angegangen werden. Denn durch Veränderungen soll ja keine Stärke verloren gehen. Aber selbstverständlich sind wir kein rückwärtsgewandtes Ensemble, sondern schauen nach vorn - wenn man nur ein musizierendes Museum wäre, würde das nicht 60 Jahre lang bestehen. Wir wollen also Elemente integrieren, die in einem gewissen Sinne zeitgemäß sind. Das muss man handwerklich geschickt anfangen: Wie kann man welche modernen Elemente in etwas Traditionelles einfügen?

Einerseits haben Sie ein Stammpublikum, aber Sie wollen auch Jüngere ansprechen. . .

HUTTER: . . . vor dieser Aufgabe steht jeder, der etwas verkaufen will. Das ist ganz einfach: Dieses Orchester existiert seit 60 Jahren privat, ohne Subventionen, und insofern müssen wir unser zahlendes Publikum überzeugen.

Ernst Mosch hatte die "Egerländer" im Lauf der Jahre bis auf knapp 30 Musiker vergrößert, bei Ihnen sind es nun wieder weniger. Weshalb?

HUTTER: Ernst Mosch hat das Orchester 43 Jahre lang zur Blüte gebracht und den Klang beziehungsweise die Besetzung immer wieder geringfügig verändert - immer nach vorn geschaut. Er wusste, wo er herkommt, was die Leute an ihm schätzen, aber er hat ebenso neue Dinge ausprobiert, auch in der Instrumentierung. Gerade in den 90er Jahren war die konzertante Blasmusik im Aufwind, und da hat er auch seinen Klang vergrößert. Wir haben dann die Besetzung wieder etwas reduziert, um den Groove zu stärken, aber ohne an Volumen zu verlieren.

Sie sind heute das dienstälteste Mitglied der "Egerländer". Wie viele Wechsel haben Sie im Ensemble?

HUTTER: Unter Ernst Mosch haben noch 13 unserer heutigen Musiker gespielt. Die "Egerländer" waren aber stets ein Auswahlorchester, auch Ernst Mosch hat immer mit Musikern zusammengearbeitet, die eine Festanstellung in Orchestern hatten und die er für Platten und Tourneen engagiert hat. So ist das noch immer. Für die vielen Konzerte braucht man aber einen größeren Pool an Musikern. Insgesamt sind es um die 35 Musiker, und auf der Bühne stehen dann davon 21. Wir achten allerdings sehr auf Kontinuität: Wir haben ein Stammpersonal von Musikern, die bei den meisten Konzerten dabei sind. Die Erfahrung hat mir dennoch gezeigt, dass es gut ist, die Positionen doppelt oder dreifach zu besetzen, ohne Qualitätsverlust, also wie eine Top-Fußballmannschaft.

Was erwartet die Zuhörer auf Ihrer Tournee?

HUTTER: Ein Programm mit den meisten Stücken unserer aktuellen CD "Das große Jubiläums-Album" und natürlich den bekanntesten, beliebtesten Stücken aus unserem Repertoire. Und wir machen das, was wir definitiv nach Ernst Moschs Tod neu begonnen haben: Instrumentalsolisten aus der Band präsentieren. Auch das hat unsere musikalische Sprache erweitert.

Das dürfte Ihrer Jazz-Karriere geschuldet sein. Genießen Sie es, verschiedene musikalische Rollen auszufüllen, etwa als Lead-Posaunist bei der SWR Bigband oder im SWR Allstar Quintett?

HUTTER: Ich mag die vielen Facetten. Das hat mit meiner musikalischen Biografie zu tun. Schon als Junge habe ich in Bands musiziert, aber auch im Blasorchester meines Vaters, habe Egerländer und sinfonische Musik gespielt. Später fand ich es dann reizvoll, auf all diesen Feldern professionelles Niveau zu erreichen. Man könnte sagen: wie ein Zehnkämpfer. Deswegen habe ich auch immer parallel Posaune, Tenorhorn, Euphonium geübt. Es gibt Musiker, die können das nicht nachvollziehen, die gehen speziell nur in eine Richtung. Ich schätze aber, wie sich die Spielarten gegenseitig bereichern. Ich glaube zum Beispiel, wenn man einen Hintergrund in Jazz und Blasmusik hat, kann man auch besser Klassik spielen.

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08.12.2015, 08:30 Uhr
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