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Ermittler fassen Verkäufer der Pistole des Münchner Amok-Schützen
Das Zollfahndungsamt zeigt Waffen, die der Händler aus Marburg an einen 17-Jährigen verkauft hat. Foto: dpa
Waffen im Gitarrenkoffer

Ermittler fassen Verkäufer der Pistole des Münchner Amok-Schützen

Der mutmaßliche Lieferant der Münchner Amok-Waffe hat sich wenig professionell verhalten. Und er hat keineswegs nur im Darknet Spuren hinterlassen.

18.08.2016
  • DPA

Frankfurt/Main. Ein ausgemachter Profi war er wohl nicht. Zwar handelte der arbeitslose Verkäufer anonym mit Waffen und Munition im berüchtigten Darknet – dem dunklen Teil des Internets, aber zumindest einen Teil seiner Ware übergab der 31-Jährige bei Treffen in seiner Heimat Marburg direkt den Kunden – auch dem Amokläufer von München. Zweimal soll der 31-Jährige in der mittelhessischen Universitätsstadt den Münchner getroffen und von diesem für die Pistole Modell Glock 17 und 350 Patronen 4350 Euro bekommen haben.

Treffpunkt des Scheingeschäfts mit den verdeckten Ermittlern, bei dem der Mann am Dienstag in die Falle tappte, war ebenfalls Marburg.Vom Busbahnhof führte der mutmaßliche Waffenhändler seine vermeintlichen Kunden auf einen Parkplatz in der Nähe, auf dem er sein Auto abgestellt hatte. In dem Wagen befand sich die bestellte Ware: eine Maschinenpistole, eine Pistole Modell Glock 17 und Munition. Die Auto-Kennzeichen hatte der Beschuldigte zuvor abgeschraubt. „Er wollte Hinweise auf seine Identität verschleiern“, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Alexander Badle. Fehlende Kennzeichen seien aber viel noch auffälliger.

Ein Amateur also, der das Risiko eines direkten Treffens unterschätzte? Badle formuliert es so: „Wenn man das im realen Leben übergibt, kann man schon mutmaßen, dass da bestimmte Defizite vorhanden sind.“ Der Oberstaatsanwalt warnt jedoch: Auch die anonyme Lieferung und Bezahlung über Paketstationen und Bitcoins schütze den Täter keineswegs vollständig. So hätten andere Kunden des mutmaßlichen Marburger Waffenhändlers – ein 62-jähriger Buchhalter aus dem Kreis Arnsberg in Nordrhein-Westfalen und ein 17-jähriger Schüler aus Nordhessen – auch völlig anonyme Käufe im Darknet abgewickelt. Die Ermittler seien ihnen dennoch auf die Spur gekommen.

Als nicht besonders professionell bewerten Ermittler auch, dass sich der Mann während der Anbahnung des Scheingeschäfts als Verkäufer der Amok-Waffe von München zu erkennen gab. Hinweise darauf, dass der 31-Jährige von den Amok-Plänen seines Kunden wusste, haben die Ermittler bisher aber nicht. Der 18-Jährige hatte am 22. Juli am Münchner Olympia-Einkaufszentrum mit der Pistole neun Menschen erschossen und sich anschließend selbst getötet. Vier Tage zuvor soll er die Munition in Marburg von dem 31-Jährigen gekauft haben.

Filmreif klingt die Waffen-Übergabe mit dem Schüler aus Nordhessen. Dabei seien Gitarrenkoffer ausgetauscht worden, berichten die Ermittler. Überbringer des Instrumentenkoffers mit dem bestellten Repetiergewehr und den 157 Patronen zum Preis von 1150 Euro war die gleichaltrige Freundin des mutmaßlichen Waffenhändlers. Sie war nach der Festnahme ihres Lebensgefährten ebenfalls in Gewahrsam genommen worden, wurde aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Es wird aber weiter gegen sie ermittelt.

Alles andere als unauffällig muss nach Einschätzung der Ermittler auch das Versteck einer Waffenkiste gewesen sein. Auf diese hatte der 31-Jährige die Ermittler bei seiner ersten Vernehmung hingewiesen. Die Kiste enthielt eine Maschinenpistole, vier halbautomatische Pistolen und Munition. Sie war in der Nähe von Köln vergraben: auf einer bewaldeten Verkehrsinsel an der Autobahnabfahrt bei Köln-Holweide und Köln-Merheim. „Für das Vergraben muss er eigentlich ein Baustellenschild aufgestellt haben“, sagte ein Ermittler.

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18.08.2016, 06:00 Uhr
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