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Kurz hinter Ofterdingen beginn die Schotterstrecke. Bild: Eisele

Ergänzungsangebot für Freizeit-Radler

Wir haben den Radweg durchs Dettinger Tal getestet und mit Experten gesprochen

Kaum war der neue Radweg von Ofterdingen nach Dettingen eröffnet, regte sich schon die Kritik – vor allem am stellenweise groben Schotterbelag. Wir haben den Radweg getestet und mit Experten gesprochen.

01.08.2018

Von Ulrich Eisele

„Der Schotter ist auf manchen Streckenabschnitten so grob und tief, dass man teilweise absteigen muss“, kritisierten Herbert und Gisela Tiefenbacher aus Rottenburg in einem Leserbrief. Hans Maier aus Ofterdingen berichtete vom Sturz seiner Frau auf dem Radweg und von einem Rippenbruch. Und Brigitte Jäger aus Mössingen beendete ihre Zuschrift ans SCHWÄBISCHE TAGBLATT mit dem Stoßseufzer: „Wohl dem, der dort nicht stürzt!“

Gespannt auf das, was kommt, beginnen wir die Testfahrt in Ofterdingen, am Kreisverkehr in der Dettinger Straße. Schnurgerade führt ein frisches Asphaltband von dort 500 Meter entlang der Straße zum Waldrand. Gleich dahinter beginnt nach einer leicht abschüssigen 90-Grad-Kurve die Schotterstrecke. Wer dort zu schnell fährt, riskiert einen Sturz. Auch auf dem breiten Forstweg abwärts durch lichten Mischwald ins Beurenbachtal (erst ein paar Kilometer weiter hinten heißt es Katzenbach-/Dünnbachtal) ist Vorsicht angeraten. Nach zirka 1,5 Kilometern flacht der Weg ab. In ausgefahrenen Spuren lässt es sich mit dicken Reifen einigermaßen sicher fahren.

Improvisierte Schilder warnen vor Sturzgefahr. Bild: Eisele

Dann wechselt der Belag, Reifen versinken im Feinsplitt. Mit Rennrad müsste man dort tragen. Schilder warnen vor losem Rollsplitt und Sturzgefahr. „Der Radweg durfte aus ökologischen Gründen nicht geteert werden“, informiert der Landkreis. Die „Sand-Wasser-gebundene Deckschicht“ sei aufgrund fehlender Niederschläge noch nicht richtig verbacken. „Wir werden das nacharbeiten, sobald es ordentlich geregnet hat“, verspricht Rottenburgs Tiefbauamtsleiter Jürgen Klein. „Das wird noch besser.“

Durch lichte Laubwälder, an Feldkreuzen vorbei, führt die Strecke landschaftlich lohnend nach Dettingen. Bild: Eisele

Landschaftlich wunderschön führt der Weg durch Mischwald, an Springkraut und Wilder Möhre vorbei. Vereinzelt leuchten Ebereschen mit orange-roten Beeren. An den holperigen Belag hat man sich inzwischen gewöhnt. Wer es eilig hat, nimmt die Straße.

Rennradler bevorzugen die Landesstraße, auch wenn diese gefährlich ist. Bild: Eisele

An der Markungsgrenze zwischen Ofterdingen und Rottenburg sind ein paar hundert Meter asphaltiert. Der Radweg führt dort an der Straße lang, bevor er in ein junges Wäldchen mit Pappeln, Ahorn und Buchen schwenkt. Durch weite Talauen mit abgemähten Wiesen geht es an einem Feldkreuz mit Ruhebank vorbei auf gut befestigtem Untergrund zum Dettinger Regenrückhaltebecken. Zirka eineinhalb Kilometer vor dem Ortskern ist die Strecke wieder asphaltiert.

Durch lichte Laubwälder, an Feldkreuzen vorbei, führt die Strecke landschaftlich lohnend nach Dettingen. Bild: Eisele

Als Gesamtzeit für die rund sieben Kilometer lange Strecke benötigten wir eine halbe Stunde. Vom Ofterdinger Ortskern nach Dettingen sind es 8,5 Kilometer. Das Tourenportal „Komoot“ gibt dafür eine Fahrtzeit von 38 Minuten an. In Gegenrichtung sind es zehn Minuten mehr, da eine Steigung von rund 150 Höhenmetern zu überwinden ist. Für die gesamte Strecke von Ofterdingen nach Rottenburg muss man mit einer Fahrtzeit von einer bis eineinhalb Stunden rechnen – je nach Kondition. Auf der Straße braucht ein trainierte Radler dafür eine Dreiviertel-, mit dem Rennrad ungefähr eine halbe Stunde.

Durch lichte Laubwälder, an Feldkreuzen vorbei, führt die Strecke landschaftlich lohnend nach Dettingen. Bild: Eisele

Fazit: Der neue Radweg ist ein gutes Ergänzungsangebot für sichere Freizeit-Radler mit Trekking- oder Mountainbike. Für Rennradfahrer und Berufspendler taugt er nicht. Auch Personen, die sich auf Schotter und Splitt unsicher fühlen, sollten ihn meiden. Für Eltern mit kleinen Kindern, die erst vor kurzem Radfahren gelernt haben, ist er nicht zu empfehlen – ebensowenig für E-Bike- und Pedelec-Fahrer, die ihr Gerät nicht sicher beherrschen.

Grafik: tol

Haben die Planer und Macher des neuen Fahrradwegs also ihr Ziel verfehlt? Waren gar, wie es ein Leserbriefschreiber formulierte, Personen am Werk, „die von einem sicheren Radweg keine Ahnung haben“? Dazu zwei Standpunkte: Dirk Abel, Pressesprecher des Tübinger Regierungspräsidiums wirbt um Verständnis: Man habe den Radweg wegen mehrerer EU-Richtlinien – Flora-Fauna-Habitat, Vogelschutz, Naturschutz – nicht asphaltieren können. Rottenburgs Tiefbauamtsleiter Jürgen Klein ergänzt: Eine andere Trassenführung sei wegen fehlender Grundstücke nicht möglich gewesen.

Gernot Epple vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) Tübingen kritisiert, dass der neue Radweg aufgrund seiner Beschaffenheit nicht alltagstauglich ist. Dazu müsste er geteert und im Winter geräumt werden. Um mehr Menschen zum Umstieg aufs Fahrrad zu bewegen, genüge aber auch dies nicht. Dafür wäre ein gut ausgebautes Fahrradwegenetz Voraussetzung. Selbstverständlich vermehre auch ein geteerter Fahrradweg den Flächenverbrauch. Unterm Strich senke er ihn aber, da Fahrräder sowohl im Stand wie auch beim Fahren weniger Platz benötigen.

Im Tourenportal „Komoot“ ist die Strecke mit „schwere Fahrradtour. Für alle Fitnesslevel“ angegeben: „Auf einigen Passagen wirst du dein Rad eventuell tragen müssen.“ Die Einstufung erfolgte vor Eröffnung des neuen Radwegs:

Im Tourenportal „Komoot“ ist die Strecke mit „schwere Fahrradtour. Für alle Fitnesslevel“ angegeben: „Auf einigen Passagen wirst du dein Rad eventuell tragen müssen.“ Die Einstufung erfolgte vor Eröffnung des neuen Radwegs.

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Erstellt:
1. August 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
1. August 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 1. August 2018, 01:00 Uhr

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