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Leica

Erfolgreich mit Luxuskameras

Der digitale Umbau kostet Arbeitsplätze und verursacht Unruhe. Konzernchef Matthias Harsch erweitert das Portfolio: Jetzt baut man in Wetzlar auch teure Uhren.

25.06.2019

Von ROLF OBERTREIS

Der letzte Schritt der Montage: Die Leica M 10 erhält ihre Deckkappe. Foto: Leica

Lange war es ruhig um die Leica Camera AG. Eine Ruhe, die das Unternehmen mit einer der renommiertesten deutschen (Luxus-)Marken im Namen genutzt hat, um sich weltweit in einem schwierigen Markt zu behaupten. Leica gilt heute als Life-Style-Marke, die vor allem in Asien große Erfolge feiert.

Die Ruhe hat man auch genutzt, um am Firmensitz im mittelhessischen Wetzlar mit dem Leitz-Park für Investitionen von insgesamt 165 Mio. EUR ein hochmodernes Industrieareal samt Hotel mit dem Namen des Unternehmensgründers Ernst Leitz auf die Beine zu stellen. Von einem „gallischen Dorf“ in der Kamerabranche ist schon mal die Rede.

Aber jetzt holt auch Leica der digitale Wandel ein. Die Firma steht vor einem Umbruch, dem 100 der 800 Arbeitsplätze zum Opfer fallen sollen. Andererseits sollen aber auch 30 bis 40 neue Jobs geschaffen werden.

Auf einer Betriebsversammlung zeigten sich die Beschäftigten offenbar überrascht, weil auch das Geschäftsjahr 2018/2019 erfolgreich und deutlich besser als das Vorjahr abgeschlossen wurde. Leica profitiert auch vom Geschäft jenseits des Verkaufs der Kameras. Etwa von der Allianz mit dem chinesischen Smartphone-Hersteller Huawei, der seine Topgeräte mit Leica-Optik bestückt. Ob das weiterlaufen kann, ist angesichts der US-Sanktionen gegen Huawei unsicher.

Für Vorstandschef Matthias Harsch ist das nicht der Grund für die Einschnitte und den Umbau, der zwei bis drei Jahre dauern soll. Das Kamerageschäft erlebe eine „zweite digitale Revolution“. Daher sei der Wandel von einem mechanisch-optischen zu einem optisch-digitalen Unternehmen unumgänglich.

In der IG Metall erkennt man durchaus die Notwendigkeit der Veränderung. „Es geht uns nicht um das Ob, sondern das Wie“, sagt der Gewerkschafts-Bevollmächtigte Stefan Sachs. Es gehe um sozialverträgliche Regelungen und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Dass Leica Camera seit der Beinahe-Pleite vor rund 15 Jahren – man hatte die erste Welle der Digitalisierung verschlafen – einen für viele Beobachter überraschend erfolgreichen Weg hin zum anerkannten Anbieter von Luxus-Kameras und auch Life-Style-Unternehmen genommen hat, erkennt die IG Metall ausdrücklich an. 400 Mio. EUR nach 312 Mio. EUR im Jahr zuvor hat Leica Camera 2018/2019 umgesetzt und 40 Mio. EUR Gewinn eingefahren. Umso wichtiger ist es laut Harsch, jetzt zu reagieren.

Denn der Kameramarkt ist schwierig. Smartphones haben den Massenmarkt praktisch komplett ersetzt. Hochwertige Kompaktkameras mit Preisen ab 1000 EUR und teure Systemkameras mit Preisen ab 1500 EUR haben ihre Stellung aber nahezu halten können. Leica sieht sich dort mit einem Marktanteil von 1 bis 2 Prozent gut aufgestellt. Asien ist der größte Markt mit einem Umsatzanteil von gut einem Drittel. Deutschland hat einen Umsatzanteil von nur noch etwas mehr als 10 Prozent. Leica führt weltweit mit 105 eigene Läden.

Als Vater des Erfolgs gilt der Österreicher Andreas Kaufmann. Er ist 2004 bei Leica eingestiegen. Den Rest der Anteile hält Blackstone. Der US-Investor ist angeblich auf der Suche nach einem Käufer. Eine Option ist auch die Rückkehr an die Börse.

Den Weg des Nischen- und Luxus-Herstellers geht Leica weiter. Seit Mitte 2018 produziert Leica in Wetzlar erste eigene mechanische Luxus-Uhren. Sie kosten 9900 EUR aufwärts. Auch ein Leica-Phone schließt Unternehmenschef Harsch nicht aus. Schließlich sei die Kamerafunktion in Smartphones für Leica ein Kerngeschäft der Zukunft.

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Erstellt:
25. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2019, 06:00 Uhr

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