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Erfolge für YPD-Milizen gegen den IS in Syrien – Aufwind für Autonomiebestrebungen in Türkei
Autobombenanschlag der PKK auf eine Polizeistation in Elazig. Ein Mann zwischen den Wracks. Foto: afp
Erdogans kurdischer Alptraum

Erfolge für YPD-Milizen gegen den IS in Syrien – Aufwind für Autonomiebestrebungen in Türkei

Den Putsch konnte der türkische Staatschef Erdogan niederschlagen. Nun steht er vor der nächsten Herausforderung: Im Osten droht ein Kurdenstaat.

19.08.2016
  • GERD HÖHLER

Ankara. In der fünften Woche nach dem gescheiterten Putschversuch gehen die „Säuberungen“ in der Türkei weiter. Am Donnerstag durchsuchte die Polizei bei Großrazzien 200 Unternehmen, deren Inhaber und Manager dem islamischen Prediger Fethullah Gülen nahestehen sollen. 187 Manager wurden verhaftet. Präsident Recep Tayyip Erdogan sieht in Gülen den Drahtzieher des versuchten Umsturzes.

Doch während Erdogan sich auf die Jagd nach mutmaßlichen Anhängern seines Erzfeindes Gülen konzentriert, eskaliert im Südosten des Landes der Kurdenkonflikt. Mit blutigen Anschlägen demonstriert die kurdische PKK fast täglich ihre Entschlossenheit. Am Mittwochabend starben bei der Explosion einer Autobombe vor dem Polizeipräsidium in der ostanatolischen Stadt Van drei Menschen, 40 wurden verletzt. Am Donnerstag detonierte eine Autobombe vor dem Polizei-Hauptquartier in Elazig. Drei Polizisten starben, 146 Menschen wurden verletzt. Am Montag dieser Woche waren bei einem ähnlichen Anschlag auf eine Polizeistation außerhalb der Kurdenmetropole Diyarbakir sieben Menschen getötet worden.

Das Datum dieses Anschlags war beziehungsreich: Am Montag jährte sich zum 32. Mal der Beginn des bewaffneten Kampfes der PKK für einen Kurdenstaat. Seit 1984 sind im Kurdenkrieg mehr als 45 000 Menschen ums Leben gekommen. 2013 hatte Erdogan als Premierminister einen Anlauf zur friedlichen Lösung des Konflikts unternommen. Doch der Friedensprozess brach zwei Jahre später zusammen. Seither wird unerbittlicher denn je gekämpft. Mit massiven Boden- und Luftoffensiven legten die türkischen Streitkräfte im vergangenen Winter zahlreiche kurdische Ortschaften im Südosten in Schutt und Asche. Die PKK trug ihren Terror mit Bombenanschlägen bis ins Regierungsviertel von Ankara und an den Bosporus.

Hatte die PKK die Forderung nach einem eigenen Kurdenstaat in den 2000er Jahren fallengelassen und stattdessen auf mehr politische und kulturelle Rechte für die 15 Millionen Kurden innerhalb der Türkei hingearbeitet, bekommt mit der Eskalation des Konflikts die Vision der staatlichen Unabhängigkeit wieder mehr Anhänger.

Dazu trägt vor allem die Entwicklung in Syrien bei. Hier kontrollieren die Kurdenmilizen der PYD, des syrischen Ablegers der PKK, die Grenzregion zur Türkei östlich des Euphrat. Mit der Rückeroberung der Stadt Manbidsch hat die PYD ihren Einflussbereich in jene Region westlich des Euphrat ausgedehnt, die teilweise vom IS kontrolliert wurde. Das freut die USA, die in den Kurdenmilizen einen wichtigen Verbündeten im Kampf gegen den IS sehen.

In Ankara ist man hingegen über die Geländegewinne der Kurden alles andere als glücklich. Die PYD praktiziert in den von ihr kontrollierten Landstrichen östlich des Euphrat bereits eine Selbstverwaltung – mit Religionsfreiheit, Frauenrechten und ohne Todesstrafe. Nun dürfte die PYD versuchen, auch die Grenzregion zur Türkei westlich des Euphrat unter ihre Kontrolle zu bringen. Für die Türkei ist das eine alarmierende Entwicklung. Mit der kurdischen Autonomiebehörde im Nordirak hat man sich in Ankara zwar nach anfänglichem Widerstand schon vor vielen Jahren arrangiert – aus wirtschaftlichen Interessen, aber auch, weil die irakischen Kurden stets auf Distanz zur PKK blieben. Mit den Autonomiebestrebungen des PKK-Ablegers PYD im Norden Syriens werden die Karten aber neu gemischt. Die militärischen Erfolge der Kurden geben auch der PKK Rückenwind. Erdogans Alptraum: Die kurdisch kontrollierten Gebiete Syriens und des Nordirak könnten zusammenwachsen zu einem großen Staat, der das traditionelle Siedlungsgebiet der Kurden umfasst – das heute größtenteils zur Türkei gehört.

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19.08.2016, 06:00 Uhr
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