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„Hier gibt es nichts mehr“

Erdstöße verwüsten Teile Mittelitaliens – Dutzende Tote und Verletzte

Dörfer liegen in Trümmern, die Zahl der Toten und Verletzten stieg gestern bis zum Abend. Ein schweres Erdbeben hat Italien erschüttert. Wieder mal.

25.08.2016
  • afp/dpa/eb

Der Tod kommt nachts. Gegen 3.30 Uhr am frühen Mittwochmorgen reißt ein Erdbeben Einheimische und Touristen in den malerischen Bergen Mittelitaliens aus dem Schlaf – und legt ganze Dörfer in Trümmer. Binnen Minuten verwandeln sich mehrere Ortschaften im Grenzgebiet zwischen den Regionen Marken, Umbrien und Latium in ein Katastrophengebiet.

Die Zahl der Opfer war gestern noch nicht ganz klar, viele Menschen werden bis zum Abend unter den Trümmern vermutet. Die schwersten Schäden soll es in dem Ort Pescara del Tronto geben, doch gestern Abend haben die Behörden keinen vollständigen Überblick. Einige Dörfer sind noch von der Außenwelt abgeschnitten. „Hier gibt es nichts mehr. Nur Trümmer“, sagt Italiens Parlamentspräsidentin Laura Boldrini bei einem Besuch vor Ort.

Im Dörfchen Illica bei Accumoli sorgt sich Guido Bordo um Schwester und Schwager. „Sie sind unter den Trümmern, wir warten auf Bagger, aber sie kommen hier nicht herauf“, sagt der 69-Jährige. „Es gibt kein Lebenszeichen, wir haben nur ihre Katzen gehört.“ Immerhin seien die Kinder seiner Schwester aus den Trümmern gezogen worden. „Sie sind im Krankenhaus“, sagt Bordo und knetet nervös seine Hände. Er hat im Fernsehen von dem Beben erfahren und dann immer wieder vergeblich versucht, seine Schwester anzurufen. Seine Hoffnung schwindet. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie hier überlebt haben.“

Ein Hubschrauber kreist in der Luft, am Boden wühlen sich Rettungskräfte mit Spaten und Spitzhacken in die Trümmer. Alles ist zerstört. Kaputte Fenster ragen aus Schutthaufen, Blumenkörbe baumeln an eingestürzten Mauern, bunte Kinderbettwäsche leuchtet aus Häusern, deren Wände fehlen. Manchmal klingelt irgendwo in den Trümmern ein Telefon.

Ein Spürhund bleibt plötzlich stehen, offenbar hat er einen Menschen erschnüffelt. „Aber er hat nicht gebellt, das bedeutet, dass der verschüttete Mensch wahrscheinlich tot ist“, sagt die ehemalige Feuerwehrfrau Daniela Romanato, die bei den Rettungsarbeiten hilft. Unterdessen holen Bewohner Matratzen und Decken aus ihren Häusern und bauen Schlaflager auf Wiesen. Allein in Accumoli sollen mehr als 2500 Menschen obdachlos sein, darunter auch viele Urlauber.

Die Region ist beliebt bei Touristen. Im Sommer strömen vor allem Bewohner der nur 150 Kilometer entfernten Hauptstadt Rom in die kühlen Bergdörfer. Bekannt ist vor allem Amatrice. Auch der Crailsheimer Journalist Andreas Harthan vom „Hohenloher Tagblatt“ ist gerade in der Gegend, war erst am Sonntag in dem Ort. „In Amatrice wurde am Sonntag ein großes Fest gefeiert. Der 50. Jahrestag der ,Erfindung‘ von Spaghetti amatriciana (eine Pasta-Sauce)“, schreibt er per E-Mail. „Und jetzt suchen sie Tote in den Trümmern ihrer Häuser.“ Sergio Pirozzi, der Bürgermeister des verwüsteten Amatrice sagt: „Das halbe Dorf ist verschwunden.“

Erdbeben sind in Italien keine Seltenheit, das Land liegt an der Schnittstelle mehrerer tektonischer Platten. Das Beben nun war das schlimmste seit 2009, als im nahegelegenen L‘Aquila mehr als 300 Menschen bei einem Beben der Stärke 6,3 umkamen. Die mittelalterliche Stadt wurde in ein Trümmerfeld verwandelt. In der Folge wurden vor allem die laxen Bauvorschriften kritisiert und die Tatsache, dass die Behörden die Bevölkerung nicht früh genug gewarnt hatten.

Der Geologe David Rothery von der Open University in Großbritannien sieht Parallelen zwischen beiden Katastrophen: „Beide ereigneten sich in einer geringen Tiefe, wodurch die Erschütterungen der Erdoberfläche verstärkt werden“, sagt er. „Aber dieses hier scheint völlig aus dem Nichts gekommen zu sein.“

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25.08.2016, 06:00 Uhr
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