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Syrien

Erdogan, Putin und Ruhani stecken ihre Reviere ab

In einer Konferenz soll heute über die Zukunft im Kriegsland gesprochen werden. Die beteiligten Staatschefs haben eigene Interessen im Blick.

04.04.2018

Von GERD HÖHLER

Gemeinsam gegen den Westen: Recep Erdogan und Wladimir Putin (rechts) in Ankara. Foto: Adem Altan/afp

Ankara. Keinen ausländischen Politiker hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in jüngster Zeit so oft getroffen wie Wladimir Putin. Gestern wohnte der Kremlchef in Ankara per Videokonferenz der Grundsteinlegung des ersten türkischen Kernkraftwerks bei Akkuyu an der Mittelmeerküste bei. Der russische Staatskonzern Rosatom wird das AKW bauen und betreiben. Das Projekt symbolisiert die immer engere Anlehnung der Türkei an Russland. Bereits im vergangenen Jahr besiegelten die beiden Präsidenten die Lieferung russischer Flugabwehrsysteme des Typs S-400 an die Türkei. Erst russische Rüstungsgüter, jetzt russische Nukleartechnik: Unter Erdogan geht das Nato-Land Türkei eigene Wege.

Das wird sich auch heute zeigen. Dann will Erdogan in Istanbul mit Putin und dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani das weitere Vorgehen im Syrien-Konflikt abstimmen. Ende Januar ließ Erdogan türkische Truppen in Nordsyrien einmarschieren. Sein Treffen mit Putin und Ruhani unterstreicht, dass die Türkei die Neuordnung Syriens maßgeblich mitgestalten will.

Die Türkei, Russland und der Iran verfolgen im Syrienkonflikt unterschiedliche Interessen. Bei ihrem Gipfeltreffen am Bosporus werden die drei Präsidenten versuchen, ihre Ziele abzustecken und ihr militärisches sowie diplomatisches Vorgehen so abzustimmen, dass man sich möglichst nicht auf die Füße tritt. Gemeinsames Ziel dürfte es sein, den Einfluss der USA bei der Gestaltung der Nachkriegsordnung in Syrien zurückzudrängen.

Putin geht es darum, die militärische Präsenz Russlands im Nahen Osten zu sichern. Der Iran unterstützt ebenfalls das Assad-Regime und unterhält in Syrien Militärstützpunkte. Das Land ist für Irans Regionalmacht-Ambitionen von großer Bedeutung. Es bildet ein wichtiges Element der „schiitischen Achse“, die vom Iran über den Irak und Syrien bis zur Hisbollah im Libanon reicht und Teheran einen Zugang zum Mittelmeer verschafft.

Im Gegensatz zu Putin und Ruhani arbeitete der türkische Staatschef Erdogan jahrelang auf den Sturz Assads hin. Aber er hat sich inzwischen damit abfinden müssen, dass Assad mit Putins Unterstützung zumindest vorerst an der Macht bleibt. Das ist der Preis dafür, dass die Türkei die Kurden aus dem Norden Syriens vertreiben und dort ihre eigene Einflusssphäre schaffen kann. Denn ohne die Duldung Russlands, das die Lufthoheit über Syrien hat, wäre die türkische Militäroperation in Nordsyrien gar nicht möglich gewesen.

Mit dem Gipfeltreffen in Istanbul zeigt Erdogan einmal mehr, dass er in der Syrienpolitik seinen eigenen Weg geht, ohne Rücksicht auf die westlichen Nato-Verbündeten. Gerd Höhler

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Erstellt:
4. April 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
4. April 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. April 2018, 06:00 Uhr

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