Kreis Tübingen

Erdbeben erschüttert die Region: Stärke mindestens 4,1

Ein Erdbeben hat am Samstagmittag den Zollernalbkreis und die Region Tübingen/Reutlingen erschüttert: Die Erdstöße waren an vielen Orten deutlich spürbar – von Rottenburg im Westen bis Pfullingen im Osten, von Bodelshausen bis Dettenhausen. Das Zentrum soll im Hechinger Stadtteil Weilheim liegen.

09.07.2022

Von Jonas Bleeser

Bild: stock.adobe.com / Negro Elkha

Bild: stock.adobe.com / Negro Elkha

Der Landeserdbebendienst meldete für 13.47 Uhr ein Beben mit einer Magnitude von 4,1 auf der Richterskala, mit der Erdbewegungen gemessen werden. Der Schweizerische Erdbebendienst an der Technischen Hochschule Zürich ging zunächst gar von einer Stärke von 4,4 aus. Später korrigierte er seine Messung auf 4,2 herunter. Damit war das Beben trotzdem eines der heftigsten der vergangenen Jahre im Land: Stärker war zuletzt nur eines bei Albstadt-Ebingen 2003 mit einer Magnitude von 4,4. Etwa ab einem Wert von 4,5 muss mit Schäden gerechnet werden.

Der Herd soll beim Hechinger Stadtteil Weilheim gelegen haben, die Schweizer Experten verorten ihn „in der Nähe von Albstadt“. Laut Landesbehörde war die plötzliche Erdbewegung in einem Umkreis von rund 50 Kilometern spürbar.

Im Führungs- und Lagezentrum des Reutlinger Polizeipräsidiums gingen einige wenige Anrufe ein, in denen Bürger bei der Polizei die Erdbewegung meldeten oder danach fragten. Manche vernahmen vor allem ein deutliches Knallen oder Grollen, bei anderen vibrierten Wände und Dächer. Aus Tübingen und Rottenburg gab es Berichte über wackelnde Häuser, herausspringende Schubladen und klirrende Gläser in Schränken.

Dort verortet der Landeserdbebendienst das Zentrum des Bebens. Bild: www.openstreetmap.org/copyright

Dort verortet der Landeserdbebendienst das Zentrum des Bebens. Bild: www.openstreetmap.org/copyright

Berichte aus der ganzen Region

Auf der Facebookseite des TAGBLATTs beschrieben Leser und Leserinnen ihre Erlebnisse. Ob und wie stark die Erde bebte, war offenbar örtlich sehr unterschiedlich wahrnehmbar. Viele hörten erst einen heftigen Knall, dann kam die Erschütterung. „Wie wenn ein Baukran neben dem Haus umfällt. Ich dachte die Decke kommt runter ...“ schreibt eine Frau aus Tübingen. Andere wiederum bekamen nur wenige Hundert Meter weiter nichts von der Naturgewalt mit.

Auch aus Ammerbuch und Dettenhausen, aus Rommelsbach und Pliezhausen schildern Facebook-Nutzer ihre Beobachtungen. Hund und Katze seien „in Panik vom Balkon gestürmt“, schreibt einer, eine andere, sie habe gedacht „es wäre ein Auto ins Haus geknallt“.

 

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Keine Schäden im Kreis

Von Schäden im Kreis Tübingen ist bislang nichts bekannt, weder bei der Polizei noch in der Leitstelle der Feuerwehr gingen entsprechende Meldungen ein. Der „Zollernalbkurier“ aus Balingen berichtet, dass nahe am Zentrum des Bebens in Hechingen an Häusern Risse in Mauern und Verputz aufgetreten seien.

Das letzte Erdbeben vor dem am Samstag in der Region war laut Landeserdbebendienst am vergangenen Donnerstag: Es soll von Jungingen im Zollernalbkreis ausgegangen sein und erreichte immerhin eine Stärke von 2,7 auf der Richterskala.

Stöße sind nicht vorhersagbar

Stefan Stange, Leiter des Landeserbebendiensts. Privatbild

Stefan Stange, Leiter des Landeserbebendiensts. Privatbild

Das letzte große Beben mit weitverbreiteten Schäden an Gebäuden liegt in der Region bereits einige Zeit zurück: 1978 erreichte die Magnitude bei Albstadt 5,7, Mauern rissen und Fensterscheiben platzten. Die gar nicht so seltenen Beben in der Region werden häufig gar nicht bemerk. Fallen sie jedoch spürbar aus, machen sich viele Sorgen, ob ein noch heftigeres folgen könnte. Dazu hat das TAGBLATT unlängst einen Experten befragt: Der Seismologe Dr. Stefan Stange leitet seit 2018 den Landeserdbebendienst. Er betonte, dass ein Zusammenhang nicht belegt ist: „Wir können Erdbeben nicht vorhersagen.“

Hier kann man Erdbeben melden

Die Wissenschaftler des Landeserdbebendienstes sind an den Erfahrungen aus der Bevölkerung interessiert. Um ihre eigenen Messungen zu ergänzen, bitten sie um Mithilfe: Auf der Seite https://makro.led-bw.de kann man seine Wahrnehmungen bei einem Erdbeben melden.

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Erstellt:
09.07.2022, 13:59 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 36sec
zuletzt aktualisiert: 09.07.2022, 13:59 Uhr

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