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Unterhalb der Tiefflugzone

Entscheidung über Windkraftstandort Geißbühl steht aus

Der Windkraft-Standort Salmendingen ist noch nicht aus dem Rennen. Auch Windkraft-Unternehmer Frank Hummel, der den ersten Windpark auf dem Melchinger Himmelberg baute, hat daran Interesse.

27.12.2011

Von Ulrich Eisele

Salmendingen. Fünf Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 20,9 Gigawattstunden könnten sich einmal auf dem Salmendinger Geißbühl drehen – wenn denn die Bundeswehr kein Veto einlegt. Denn noch ist unklar, ob die Luftwaffe dort einen Nachtflug-Korridor beansprucht. Das wäre ein K.o.-Kriterium für Windkraftanlagen an dieser Stelle (wir berichteten). Dabei ist der Standort, keine zwei Kilometer Luftlinie vom Melchinger Himmelberg entfernt, für die Windstromgewinnung besonders interessant. Mit 5,5 bis sechs Metern pro Sekunde bläst der Wind dort im Jahresmittel – so steht es im baden-württembergischen Windkraftatlas.

Sowitec „interessiert“ an Standort Salmendingen

Frank Hummels Firma Sowitec rechnet sogar mit noch höheren Werten. Dass der in Willmandingen ansässige Unternehmer, der 1995 die ersten drei Windturbinen auf dem Himmelberg bauen ließ, nun bei der Windkraft-Offensive in seiner Heimat mit dabei sein möchte, bestätigt uns der fürs deutsche Geschäft zuständige Projektmanager: „Ja, wir bemühen uns um den Standort Salmendingen“, sagt Roland Heinrich.

Zwar habe Sowitec seinen Unternehmensschwerpunkt derzeit in Brasilien und Russland, wo Windparks mit einer Leistung von rund 10 000 Megawatt geplant würden. Doch hierzulande mitzumischen sei für das Willmandinger Unternehmen auch „eine Frage der Ehre“. An rund 50 Projekten in den Regionen Neckar-Alb, Donau-Iller und Schwarzwald-Baar-Heuberg habe man Interesse bekundet – wobei es in der Schwarzwald-Region nach Heinrichs Einschätzung noch größere Vorbehalte gegen die Windkraft gibt.

Dem „Windhundrennen“ um die besten Standorte sieht Roland Heinrich eher gelassen entgegen. Er glaubt nicht, dass Investoren, „die von der Sache wenig Ahnung haben“, in diesem Geschäft Erfolg haben werden. Ohnehin seien nun erst einmal die Kommunen am Zug, die – so wie es derzeit aussehe – eine gemeinsame Planung entwickeln würden.

Positiv bewertet Heinrich in diesem Zusammenhang die Standortentscheidungen des Regionalverbandes, die die Kommunen zur Zusammenarbeit zwingen würden: weil Windkraftstandorte vor allem in bewaldeten Höhenlagen ausgewiesen wurden, die im Grenzgebiet der Kommunen liegen würden. „Das bedeutet, dass die Projekte interkommunal entwickelt werden müssen“, folgert Heinrich.

Kein klares Ja oder Nein von der Bundeswehr

Noch keine detaillierten Auskunft gibt es derzeit von der Bundeswehr, wo Flugkorridore den Ausbau der Windkraft möglicherweise einschränken. Auf eine Anfrage des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs antwortete die Wehrbereichsverwaltung Süd: „Die Prüfung hat – unter Beteiligung der zuständigen militärischen Fachdienststellen – ergeben, dass das Gebiet ,Burladingen, südlich von Salmendingen / Melchingen“ unterhalb militärischer Tiefflugstrecken liegt. Da für eine abschließende Bewertung Koordinaten und Angaben zu Höhe und Bauart der Windenergieanlage zwingend erforderlich sind, können detaillierte Aussagen hinsichtlich einer möglichen Störung des Flugbetriebes nur nach Vorlage der konkreten Planung getroffen werden.“

Soll heißen: Ein klares Ja oder Nein gibt es erst, wenn konkrete Baupläne vorliegen. Eine ähnliche Auskunft bekam auch Joachim Zacher, der Windkraftplaner des Regionalverbandes, bei einem Gespräch mit Bundeswehrvertretern im vergangenen Juni. Er geht deshalb vorsichtigerweise davon aus, dass Salmendingen als Standort nicht infrage kommt. Zacher will sich indes nicht lange mit Spekulieren aufhalten. Erste Erkenntnisse, ob die Bundeswehr Einwände gegen bestimmte Standorte erhebe, werde man im Beteiligungsverfahren gewinnen. Das beginnt im Januar 2012 und kann sich maximal über drei Monate hinziehen.

Den Fotografen fest im Blick, den Geißbühl bei Salmendingen (am linken Bildrand, oben) als möglichen Standort für einen neuen Windpark im Rücken: der Willmandinger Windkraftpionier und Sowitec-Firmengründer Frank Hummel in der Kanzel von einer seiner drei Windkraftturbinen auf dem Himmelberg. Bild: Franke

Die Schwäbische Alb ist ein bevorzugtes Gebiet für Übungstiefflüge der Bundeswehr. Großstädte, Flugplatzkontrollzonen, Kernkraftwerke oder große Industrieanlagen dürfen nämlich nicht im Tiefflug überflogen werden.
Generell sind Tiefflüge unter der Woche von 7 bis 17 Uhr bis zu einer Mindesthöhe von 330 Metern über Grund zulässig. Für nächtliche Tiefflüge gibt es ein Netz von Korridoren, maximal 9,3 Kilometer breit, innerhalb derer bis zur Mindesthöhe von 330 Metern über Grund geflogen werden kann.

Nach Auskunft der Wehrbereichsverwaltung liegt der Geißbühl nicht innerhalb eines Tiefflugkorridors.

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Erstellt:
27. Dezember 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Dezember 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Dezember 2011, 12:00 Uhr

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