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Der Hype um Reutlingens Nadelöhr

Engste Straße der Welt schwebt in Gefahr

Riesigen Rummel hat die laut Guinnessbuch der Rekorde engste Straße der Welt entfacht. Menschen aller Kontinente bangen um die Reutlinger Mini-Gasse. Und der Hype könnte sie tatsächlich retten.

15.08.2012
  • RAIMUND WEIBLE

Reutlingen Was verbinden Fremde mit Reutlingen? Den Taufstein aus dem Jahre 1499 in der gotischen Marienkirche, den so rätselhaft wie die Mona Lisa blickenden goldenen Engel auf der Turmspitze, das mittelalterliche Tübinger Tor? Oder den Sturmbock von Holzschneider HAP Grieshaber im Rathaus, der in Bildern die Stadtgeschichte erzählt? Nichts von alledem. Die Spreuerhofstraße hat alles ausgestochen, worauf die Reutlinger stolz sind.

Die Spreuerhofstraße: ein schmaler, hässlicher Durchgang im Osten der Altstadt. Ein Nadelöhr, durch das sich kein Einheimischer zwängen will, weil er um die Unversehrtheit seiner Designerklamotten fürchten müsste. Die Engstelle ist wahrlich kein Vorzeigeobjekt.

Doch dieser nur 31 Zentimeter breite Durchgang gilt, in der Sprache der Touristiker, als Alleinstellungsmerkmal. Die findige Reutlinger Tourismus-Managerin Tanja Ulmer hat vor fünf Jahren durchgesetzt, dass das Guinnessbuch der Rekorde die Spreuerhofstraße als engste Straße der Welt anerkannt hat. Seitdem verfügt das Stadtmarketing über ein touristisches Spielzeug, mit dem sich was anstellen lässt. Pisa besitzt den schiefsten Turm, Reutlingen die engste Gasse.

Kein Stadtführer verzichtet auf diesen Gag. Die Gäste wären sauer, wenn die Spreuerhofstraße bei der Stadtführung ausgelassen würde. Denn von dieser Straße haben Reutlingen-Besucher eben gehört - und wollen sie auch sehen. Manchmal machen Busse voller Asiaten einen Abstecher in die Spreuerhofstraße, nachdem sie sich in den Metzinger Outlets mit Kleidung eingedeckt haben. Sie wären sonst nie auf den Gedanken gekommen, nach Reutlingen zu fahren.

Nun hat die Geschichte von der engsten Straße der Welt einen neuen Drive bekommen. Eine Wendung, ohne dass die Tourismus-Managerin dabei groß ihre Hand im Spiel gehabt hätte. Das hängt mit dem Zustand des Hauses an der einen Seite des Durchgangs zusammen. Dieses Gebäude ist ziemlich marode. An der Tür blättert der Lack ab. Die Mauer bröckelt und schiebt in Richtung des gegenüberliegenden Hauses. So ist am oberen Teil der Durchgang noch ein bisschen enger geworden. Wenn das so weiter geht, ist es in ein paar Jahren aus und vorbei mit dem Highlight der Reutlinger Touristiker. Dann ist der Durchgang dicht.

Von diesem Problem erfuhr die Lokalpresse auf einem Ortstermin des städtischen Finanzausschusses. Und so erschien die Zeitung am nächsten Tag mit der Schlagzeile "Engste Straße der Welt ist bedroht". Das las auch der Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur. Er verkündete im nationalen Basisdienst, "für die engste Straße der Welt wird es eng". Niemand kann es sich erklären, aber diese Botschaft ging um den Globus. Man sorgt sich weltweit um die Zukunft der Spreuerhofstraße. Selbst die "Nigeria News Today", der "Australian" in Sydney, die englische "Herald Sun" und die spanische "El Economista" lassen ihre Leser um Reutlingens enge Straße bangen.

Von dieser Resonanz war Tanja Ulmer total überrascht. Sie hat ihr aber auch sehr gefallen, diese Abdruckquote. Was sie fast noch mehr freute: Bei der Stadtverwaltung und im Tourismusbüro meldeten sich nach all den Berichten Menschen, die Interesse daran zeigen, das marode Gebäude an der Spreuerhofstraße aufzukaufen und zu sanieren. Der Medien-Hype könnte dazu beitragen, dass die Straße, die im Jahr 1820 als Ortsweg mit der Nummer 72 ausgewiesen wurde, erhalten bleibt. Auch wenn kein Reutlinger je daran denkt, sie zu benutzen.

Engste Straße der Welt schwebt in Gefahr
Sie ist nur 31 Zentimeter breit und Reutlingens Touristenattraktion: die Spreuerhofstraße. Foto: Manfred Grohe

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15.08.2012, 12:00 Uhr
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