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Einzelhandel

Energiewende ganz konkret

Der Göppinger Edeka-Händler Manfred Gebauer zeigt, wie man beim Bau und Umbau einer Filiale ein Drittel der Energiekosten senken kann.

23.03.2019

Von LEONHARD FROMM

Unter den Fliesen liegt die dicke Betonplatte, die Energie spart. Foto: Giacinto Carlucci

Göppingen. Maßstäbe in Sachen Energiewende setzt der stationäre Lebensmitteleinzelhandel seit Jahren: Schlechte Margen und hohe Energiekosten zwingen die Branche zum Handeln, die durch ökologisches Verhalten im Verdrängungswettbewerb um die Gunst der Verbraucher buhlt.

In Köln findet jedes Jahr seit neun Jahren ein zweitägiger Energiekongress des Einzelhandelsverbandes (EHI) statt, den jährlich rund 150 Energiemanager der Branche und ihrer industriellen Dienstleister besuchen. 2017 wurde Aldi Süd mit dem EHI-Energiemanagement-Preis für seine Photovoltaik-Offensive ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr ging der Award an Konkurrent Lidl für dessen Forschungsprojekt Windnode: Bis zu 62 Mio. Kilowattstunden überschüssigen Strom aus Windkraft an Nord- und Ostsee wollen die Neckarsulmer in ihren dortigen Filialen und Lägern speichern. Das geschieht zum einen, indem die Kühlläger auf bis zu minus 30 Grad heruntergefahren werden und zum zweiten mittels alter Autobatterien.

Wolf Tiedemann, Mitglied der Geschäftsleitung der Sparte Lidl Dienstleistung, bietet Mitbewerbern wie Ikea, Metro, Edeka, Rewe und auch Aldi Kooperationen an, um Entwicklungskapazitäten zu bündeln und durch gemeinsame Standards effizienter zu werden. Denn der Ausbau werde vor allem vom Mangel an Fachkräften gebremst. Tiedemann: „Wir nehmen die gesamte Prozesskette in den Blick von den Lieferanten über die Produkte bis zu den Kunden.“

Früh erkannt hat den Trend Manfred Gebauer, der in der Region Stuttgart sechs Edeka-Märkte mit 500 Beschäftigten betreibt. In der Branche sorgt er bundesweit immer wieder mit innovativen Konzepten für Schlagzeilen. Im März 2016 hat der Göppinger in Salach für 5 Mio. EUR einen Markt mit 3300 Quadratmetern Fläche eröffnet.

Den Energieverbrauch hat Gebauer um ein Drittel reduziert – mit Investitionen, die 11 Prozent der Baukosten ausmachten. Das sind vor allem ein Eisspeicher mit 260 Kubikmeter Fassungsvermögen für Wasser zwischen Null und 40 Grad Celsius sowie eine 18 Zentimeter dicke Betonbodenplatte unter dem 8 Zentimeter dicken Bodenaufbau mit integrierter Fußbodenheizung.

Die Bodenplatte dient als zweiter Massespeicher, um in dem 1800 Quadratmeter großen Laden eine Durchschnittstemperatur von 19 Grad zu erreichen. 2 Grad mehr sind es im Backshop-Bereich und in den Sozialräumen der Mitarbeiter. Die Abwärme von Theken, Regal oder Gefrierboxen geht in einen der beiden Massespeicher.

Die Fassade des Marktes ist herkömmlich gemauert, um die Dämm- und Atmungsfähigkeit von Steinen zu nutzen. Das verbessert die Klimawerte. Zwar verlängerte das Mauern die Bauzeit, begünstigt aber dauerhaft die Verbrauchswerte für die vielen separat benötigten Kühlräume. Hinzu kommt eine PV-Anlage mit knapp 170 Kilowatt Leistung für rund 270 000 EUR.

Weil bundesweit noch selten ein solcher Markt gebaut wurde und deshalb kaum Vergleichszahlen vorlagen, tut sich Gebauer mit Einsparprognosen schwer. Fazit: Je ein Drittel Strom wird vermieden, wird selbst produziert und kommt aus dem Netz, so dass sich die Mehrkosten binnen sieben Jahren amortisieren.

Lidl & Co. analysieren inzwischen auch, wie Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter zu den Filialen kommen und erfassen zunehmend die CO2-Bilanz ihrer Produkte. In diesem Kontext sind die aktuellen Offensiven zu sehen, die mittlerweile ihre besten Kundenparkplätze mit E-Ladesäulen ausstatten. Aus rechtlichen Gründen verschenken sie den getankten Strom und setzen den Wettbewerb um Kunden mit Schnellladesystemen fort. Metro zum Beispiel drängt die kommunalen Verkehrsbetriebe, seine Märkte mit Elektro- oder Brennstoff-Bussen anzufahren und verschenkt teils solche Busse.

CO2-arme Logistik ist auch bei Großhändler Bodan der Punkt. Die Bioware von 55 regionalen Erzeugern bringen die Überlinger in 23 Fahrzeugen mit alternativen Antrieben, ökologischen Kraftstoffen und Kühlungen zu 550 Bioläden in ganz Süddeutschland. Drei Läger helfen, Warenströme zu bündeln und Lieferstrecken zu verkürzen. Geschäftsführer Sascha Damaschun: „Seit 2011 haben wir den Kostenanteil der Logistik am Umsatz von 4,1 auf 2,7 Prozent gesenkt.“ Das belege, dass Umweltschutz wirtschaftlich ist.

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Erstellt:
23. März 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
23. März 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. März 2019, 06:00 Uhr

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