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Endstation Griechenland
In Griechenland warten tausende Flüchtlinge auf eine Weiterreise in andere EU-Länder. Foto: dpa
Tausende Flüchtlinge stecken fest – Athen fordert Solidarität von der EU

Endstation Griechenland

Scheitert der EU-Flüchtlingspakt mit der Türkei, träfe das vor allem Griechenland. Dort sind die Lager voll. Athen appelliert an die Solidarität der EU.

04.08.2016
  • GERD HÖHLER

Leros. „Was soll nur aus uns werden?“, fragt Sarah verzweifelt. Die 34-jährige Afghanin kam mit ihrem Mann und ihrer fünfjährigen Tochter Anfang Januar in einem Schlauchboot von der türkischen Küste zur griechischen Insel Leros. Sie wollten weiter nach Belgien, zu Verwandten. Aber dann schlossen sich die Grenzen auf dem Balkan. Jetzt sitzen sie in Griechenland fest, wie Zehntausende andere. Seit fünf Monaten haust die Familie in einem kleinen Campingzelt in der ehemaligen Abflughalle des stillgelegten Athener Flughafens Ellinikon. „Am schlimmsten ist die Ungewissheit“, sagt Sarah: „Hier haben wir keine Perspektive.“

Platzt das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei, könnte sich die ohnehin katastrophale Flüchtlingssituation in Griechenland weiter verschärfen. Bisher hat sich das Abkommen aus griechischer Sicht bewährt. „Wir haben bisher keine Hinweise, dass die Türkei die Vereinbarung nicht einhält“, sagt der Sprecher des griechischen Flüchtlings-Krisenstabes, Giorgos Kyritsis. Dennoch ist die Bilanz enttäuschend: Erst 486 Flüchtlinge wurden von den griechischen Inseln in die Türkei zurückgeschickt. Es handelte sich um Menschen, die auf eigenen Wunsch zurück wollten oder keine Aussicht auf Asyl hatten.

Auf den griechischen Inseln harren aktuell 9634 Flüchtlinge aus. Bevor ihre Asylverfahren nicht abgeschlossen sind, dürfen Sie weder aufs griechische Festland weiterreisen, noch können Sie in die Türkei zurückgeschickt werden. Doch die Verfahren dauern – weil immer noch nicht genügend Beamte vor Ort sind. Bisher haben die EU-Staaten nur 92 von 475 zugesagten Asyl-Experten und 61 von 400 versprochenen Dolmetschern nach Griechenland entsandt. Die Zahl der bisher in die Türkei zurückgeführten Flüchtlinge ist auch deshalb so gering, weil sich viele griechische Asylrichter weigern, die Türkei als sicheres Drittland einzustufen und Menschen dorthin abzuschieben.

Schon jetzt gibt es Anzeichen dafür, dass seit dem Putschversuch die türkische Polizei den Schleusern freiere Hand lässt – sei es aus Personalmangel, sei es aus politischen Motiven. Kamen in der ersten Juli-Hälfte täglich durchschnittlich 35 Flüchtlinge auf den griechischen Inseln an, sind es seit dem Putschversuch im Schnitt über 80 pro Tag. Sollte die Türkei tatsächlich die Schleuser wieder gewähren lassen, müsste sich Griechenland auf einen neuen Ansturm einstellen. Schon im Februar kamen an manchen Tagen bis zu 3000 Menschen über die Ägäis. Die Lager auf den Inseln sind jedoch bereits jetzt überfüllt: über 9600 Menschen drängen sich in Unterkünften, die für 7450 Personen ausgelegt sind.

Wie auf eine solche Entwicklung reagiert werden soll, wird in Athen debattiert. Abriegeln kann man die Seegrenze in der Ägäis nicht. Flüchtlingsboote abzudrängen oder gar zu versenken, widerspräche Völkerrecht. Der griechische Vizeminister Mouzalas fordert daher: „Die Flüchtlinge müssen gleichmäßig auf alle EU-Staaten verteilt werden.“ Eine Bereitschaft dazu ist in der EU nicht zu erkennen. So wäre von einem Zusammenbruch des Flüchtlingspaktes vor allem Griechenland betroffen. Schwillt der Flüchtlingsstrom aus der Türkei wieder an, droht im Land eine humanitäre Katastrophe.

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04.08.2016, 06:00 Uhr
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