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Ende gut, nicht alles gut
Logo auf dem Verwaltungsgebäude in Wolfsburg. Foto: dpa
Auch Zulieferer haben sich keinen Gefallen getan

Ende gut, nicht alles gut

Ein Lieferboykott von wichtigen Zulieferern bringt bei VW Bänder zum Stillstehen. Nach Marathon-Verhandlungen steht eine Einigung. Sieger gibt es nicht.

24.08.2016
  • DPA

Wolfsburg. Tausende VW-Beschäftigte können bald wieder wie gewohnt zur Arbeit gehen und Autos zusammenbauen. Das zumindest steht fest nach der Einigung zwischen Volkswagen und den beiden Zulieferern, die sich mit dem Weltkonzern angelegt hatten. Ansonsten aber ist nach Verhandlungen über die ganze Nacht vieles unklar. Nach „Dieselgate“ hat VW nun sein „Liefergate“ erlebt. Zwei kleinere Zulieferer lieferten wichtige Teile nicht mehr – und schon standen viele Bänder bei VW still.

Das Hauptproblem: VW hatte sich bei dem kleinen Getriebeteil, das die Firma ES Automobilguss – die neben der Schwesterfirma Car Trim auf einmal nicht mehr lieferte – einzig auf diesen Lieferanten verlassen. „Single Sourcing“ (Einzelquellen-Beschaffung) heißt das in der Fachsprache. Dies ist riskant, allerdings bringt eine Einzelquellen-Beschaffung wegen größerer Mengen Kostenvorteile: Masse drückt den Preis, das hilft beim Sparen.

Fakt ist: VW muss auch wegen der Milliardenbelastungen der Dieselaffäre die Kosten weiter senken. Ende Juni hatte Einkaufschef Francisco Garcia Sanz daher an Zulieferer geschrieben: „Um Zukunftsthemen finanzieren zu können, müssen wir (...) deutlich effizienter werden.“ Branchenexperten sehen in der Einkaufspolitik bei VW eine Achillesferse. Diese habe „elementarste Regeln der Risikoabsicherung“ außer Acht gelassen, kritisierte Ferdinand Dudenhöffer vom Marktforscher CAR.

Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft erwartet zwar keine grundsätzlichen Verschiebungen im Machtgefüge zwischen großen Autobauern und kleineren Zulieferern. Seine Kritik an den Herstellern: „Oft werden die Risiken allein auf die Lieferanten abgewälzt – und diese werden häufig nur noch beatmet.“ Wettbewerbsstarke Zulieferer mit guten Produkten würden durch billigere ersetzt.

Ins gleiche Horn stößt auch der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME). „Ein Top-Lieferant fällt nicht vom Himmel“, sagt BME-Hauptgeschäftsführer Christoph Feldmann. Gute Lieferanten müssten aufgebaut werden, etwa durch gemeinsame Entwicklung der Produkte. Kostendruck sei nur die eine Seite.

Im VW-Streit ging es im Hintergrund um ein Projekt, das nicht zustande gekommen war, deswegen riefen die Unternehmen aus „Selbstschutz“ den Lieferboykott aus und bauten Gegendruck auf.

Im VW-Umfeld hieß es, es sei ums Grundsätzliche gegangen. Zulieferer würden „nicht mit Samthandschuhen“ angefasst, aber alles bleibe „im Rahmen“. In dem Streit habe es in Wolfsburg Befürchtungen gegeben, der Fall könne Signalwirkung auf die gesamte Branche haben.

Um weiteren Schaden für beide Seiten abzuwenden, verhandelten VW und die beiden Firmen der Prevent-Gruppe in einem Wolfsburger Hotel rund 20 Stunden lang. Am Ende stand eine Erklärung aus vier dürren Zeilen, darin auch der Satz: „Über die Inhalte der Einigung wurde Stillschweigen vereinbart.“

Aus der Zulieferseite sickerte danach, es sei eine „langfristige Perspektive“ vereinbart worden. Von VW gab es dazu keinen Konmmentar. Die Frage ist zu stellen, ob VW nach dem Ende der Lieferverträge weiter mit den Firmen zusammenarbeitet. Durchleuchtet VW nach dem Streit jetzt sämtliche Partnerschaften? Ob die Zulieferer sich mit dem Streit einen Gefallen getan haben, darf zumindest bezweifelt werden. Immerhin: Auch die Beschäftigten bei ES Guss im sächsischen Schönheide dürften zunächst aufatmen.

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24.08.2016, 06:00 Uhr
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