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Musik

Clara Schumann: Emanzipiertes Wunderkind

Clara Schumann hat ein ganzes Jahrhundert geprägt. Sie vereinte viele Talente, vor allem aber war sie eine gefeierte Pianistin. Vor 200 Jahren wurde sie in Leipzig geboren.

11.09.2019

Von Katharina Rögner

Eine starke Frau: Pianistin und Komponistin Clara Schumann. Foto: akg-images/epd

Leipzig (epd). Außerordentliche Kraft, Begabung und Kreativität sind ihre Markenzeichen. Clara Schumann (1819-1896) war Pianistin, Komponistin, Lehrerin und Herausgeberin, sie war auch Mutter und Ehefrau. Beschrieben wird sie als willensstarke Persönlichkeit, die für ihre Ideale gelebt hat. Am 13. September jährt sich ihr Geburtstag zum 200. Mal. Die gebürtige Leipzigerin ist die wohl berühmteste Pianistin des 19. Jahrhunderts. „Sie war eine bedeutende Künstlerin, die den männlichen Künstlerkollegen in nichts nachstand“, sagt der Geschäftsführer des Leipziger Schumann-Vereins, Gregor Nowak.

Clara war ungewöhnlich begabt, hatte mit nur neun Jahren ihren ersten öffentlichen Auftritt im Leipziger Gewandhaus. Sie galt als pianistisches Wunderkind. Von ihrem Vater Friedrich Wieck erhielt sie eine harte Ausbildung. Bereits in jungen Jahren verfügte Clara über ein erstaunliches Repertoire. Sie glänzte auch mit eigenen Kompositionen und war eine der führenden Beethoven-Interpretinnen ihrer Zeit.

Schon als Kind lernte sie ihren späteren Ehemann Robert Schumann (1810-1856) kennen, der bei ihrem Vater Klavierunterricht nahm. Mit 16 verliebte sie sich in den neun Jahre älteren Komponisten. Friedrich Wieck soll Robert Schumann geschätzt, aber als Schwiegersohn nicht akzeptiert haben. Clara und Robert mussten eine Heiratserlaubnis per Gericht erwirken. 1840 – kurz vor Claras 21. Geburtstag – gaben sie sich das Ja-Wort und bezogen ihre erste gemeinsame Wohnung in der Leipziger Inselstraße, im heutigen Schumannhaus.

„In Leipzig nahm ein Experiment seinen Anfang“, sagt Nowak – das Experiment einer Künstlerehe, in der beide Partner gleichberechtigt sind. Robert hätte sich so nie entwickelt ohne Clara und umgekehrt. Dabei hätten beide um ihre Talente gerungen. Als Mann sei Robert in seiner Zeit verhaftet gewesen.

Tatsächlich erzählt Clara in ihren Tagebüchern davon, dass sie in ihrem ersten Ehejahr weniger zum Üben gekommen sei, um ihren Mann beim Komponieren nicht zu stören. Aber sie habe sich durchgesetzt, sagt Nowak, sie konzertierte schon bald, sei auch gereist. Zum Teil begleitete Robert sie bei den Gastspielen. Es habe ihn allerdings gekränkt und geschmerzt, dass er dann nicht der Mittelpunkt gewesen sei, erzählt Nowak. Doch wenn Clara allein auf Reisen gegangen sei, habe er keine Note schreiben können.

Clara Schumann war überzeugt: „Meine Kunst lasse ich nicht liegen, ich müsste mir ewig Vorwürfe machen.“ Das war sozusagen ihr Lebensmotto. In einer Zeit, in der Ehefrauen den Haushalt geführt haben, ging sie ihrem Beruf nach, setzte auf ihr Talent. Und machte dabei zudem Roberts Werke bekannt.

Ihr Mann litt zunehmend unter psychischer Schwäche und Krankheiten, er starb mit 46 in der Nervenheilanstalt in Endenich bei Bonn. Clara musste mit 36 Jahren allein den Lebensunterhalt für sich und ihre sieben Kinder verdienen. Schon vorher hatte sie erheblich dazu beigetragen.

„Sie wissen, dass Gott mir ein Talent geschenkt hat, mit dem ich hoffen dürfte meine Kinder durch die Welt zu bringen“, schrieb sie in einem Brief. „Von Oktober bis zum Frühjahr hat sie konzertiert“, erzählt Nowak. Im Sommer war sie bei ihren Kindern. Mehr als 60 Jahre lang stand sie auf der Bühne. „Sie muss unfassbar emanzipiert gewesen sein“, sagt Nowak. Damals habe es – außer in England – noch keine Konzertagenturen gegeben. Clara Schumann musste ihre Konzerte meist selbst managen, hat sich nicht nur um ihre Programme gekümmert, sondern auch um Saalmieten, Werbung und Honorarverhandlungen. Später bekam sie Unterstützung von ihren Töchtern Marie und Eugenie.

Sie habe viele Rollen probiert, aber in erster Linie sei sie Künstlerin gewesen, betonte die Pianistin Ragna Schirmer im Mai anlässlich der Herausgabe ihres neuen Albums „Madame Schumann“. Musik sei für sie Berufung und Erfüllung gewesen. Schirmer ist eine „Clara-Spezialistin“, sie hat ihre Werke und Tagebücher intensiv studiert, ihre Wiederentdeckung vorangebracht.

Berühmt und begehrt

Nach Stationen in Dresden und Düsseldorf mit ihrem Ehemann sowie in Berlin und Baden-Baden zog Clara Schumann 1878 nach Frankfurt am Main und wurde als erste weibliche Professorin ans Hoch‘sche Konservatorium berufen. Nowak: „Bei ihrer Anstellung hat sie Bedingungen vorgeben können, so berühmt und begehrt war sie.“ Neben dem Unterricht betätigte sie sich als Herausgeberin der Kompositionen Robert Schumanns, förderte ihre Veröffentlichung im Musikverlag Breitkopf & Härtel. Sie publizierte auch seine Schriften und Tagebücher. Ihr letztes Konzert gab sie am 12. März 1891 im Alter von 71 Jahren. Sie starb am 20. Mai 1896 nach einem zweiten Schlaganfall in Frankfurt am Main. Leipzig feiert Clara Schumanns 200. Geburtstag am 13. September mit einer neuen Dauerausstellung: Im früheren Wohnhaus wurde ein „Paarmuseum“ für Clara und Robert eingerichtet. Es erzählt von der Schaffensgemeinschaft der beiden Musiker – gleichberechtigt.

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Erstellt:
11. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
11. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. September 2019, 06:00 Uhr

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