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Unterrichtsausfall

Elternstudie legt große Mängel offen

Besorgniserregendes Ergebnis an Stuttgarter Schulen: Über 13 Prozent aller Stunden fallen aus oder werden vertreten. Hauptursache ist Personalnot.

03.07.2018
  • AXEL HABERMEHL

Stuttgart. Das Problem ist unbestritten, doch niemand kennt seine Ausmaße: An den Schulen des Landes fällt Unterricht aus. Genaue Daten jedoch, wie viele Stunden pro Tag und Schule entfallen, wie viele vertreten werden und wie Vertretungsunterricht im Einzelfall aussieht, gibt es nicht.

Damit wollten sich Eltern von Gymnasiasten im Regierungsbezirk Stuttgart nicht abfinden. Durch eine monatelange Erhebung haben sie sich nun einen Überblick über die tatsächlichen Ausfälle verschafft. Ihre Ergebnisse hat die ARGE (Arbeitsgemeinschaft Elternbeiräte an Gymnasien) Stuttgart gestern vorgestellt.

„Was da rausgekommen ist, ist natürlich nicht so dolle“, fasste der ARGE-Vorsitzende Michael Mattig-Gerlach zusammen. 13,49 Prozent des Unterrichts habe nicht wie geplant stattgefunden. 7,81 Prozent aller im Stundenplan vorgesehenen Stunden seien entfallen, 5,68 Prozent als Vertretungsstunden abgehalten worden. „Auf eine Schullaufbahn hochgerechnet bedeutet das, dass in acht Jahren Gymnasium mehr als ein Jahr geplanter Unterricht nicht stattfindet“, sagte er. Er finde: „Die Politik sollte nicht über G8 oder G9 streiten, wenn in Wirklichkeit G7 praktiziert wird.“

Abgefragt hatten die Eltern die Unterrichtssituation in den ersten neun Wochen des Jahres 2018. Sie verschickten Erfassungsbögen an 151 Gymnasien im Bezirk, in die Schulleiter die entsprechenden Daten eintragen sollten.

Knapp ein Viertel der Schulleiter machte mit: 37 Erhebungsbögen seien eingegangen. Damit sei die Umfrage aus ARGE-Sicht repräsentativ. „Das sind wirklich belastbare Daten“, sagte Mattig-Gerlach, den ärgerte, dass die Schulverwaltung die Aktion „behindert“ habe, indem sie Schulleitern per Rundschreiben von der Teilnahme abgeraten habe. Die ARGE habe daraufhin mit Klage gedroht und sich auf die öffentlich bekundete Zustimmung von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) berufen.

Die Ministerin hat zuletzt mehrfach angekündigt, Unterrichtsausfälle künftig „schulscharf“, also an allen öffentlichen Schulen, zu erfassen. Bisher gibt es nämlich immer nur eine landesweite Stichprobe. Die aktuellste, im November 2017 an 610 Schulen, ergab niedrigere Ausfallquoten – auch, weil das Ministerium Vertretungsstunden nicht zum Ausfall zählt. An Gymnasien zählte man so 5,4 Prozent Ausfall, über alle Schularten landesweit 3,6 Prozent.

Elternvertreter finden das Herausrechnen der Vertretungsstunden unstatthaft. Kathrin Grix vom Gesamt-Elternbeirat (GEB) Stuttgart forderte: „Der Vertretungsunterricht muss zum Ausfall gerechnet und nicht davon abgezogen werden.“ Zwar wolle sie eine Lanze für Vertretungslehrer brechen, aber guter Unterricht sei so kaum möglich: „Wenn es krass wird, malen die Kinder in solchen Stunden Mandalas aus.“

Eisenmann, die Verständnis für das Anliegen der Eltern äußerte, widersprach: „Das bedeutet ja, dass man unseren Lehrkräften jegliches Recht abspreche, krank zu sein. „Das ist nicht nur unfair gegenüber den Lehrkräften, sondern auch fern ab der Realität“, wurde sie in einer Mitteilung des Ministeriums zitiert. Der Wunsch der Eltern nach Transparenz sei aber nachvollziehbar: Deshalb habe sie erstmals eine Vollerhebung an allen Schulen vom 11. bis 15. Juni veranlasst. Deren Auswertung solle noch vor den Sommerferien vorliegen.

Hauptursache der Ausfälle ist der Lehrermangel. Je dünner die Personaldecke eines Kollegiums, desto mehr fällt erfahrungsgemäß aus und desto weniger freie Kapazitäten für Vertretungen gibt es auch. Landesweit fehlen hunderte Lehrer, besonders drastisch ist die Situation aber nicht an Gymnasien, sondern an Grundschulen und sonderpädagogischen Einrichtungen, und da vor allem auf dem Land. Dort sei der Ausfall auch „nach unserer Wahrnehmung deutlich schlimmer“, sagte Carsten Rees, Vorsitzender des Landeselternbeirats. Aber genau wisse er es nicht: „Wir haben ja keine exakten Zahlen.“ Landesweite Erhebungen durch Eltern lehnt er jedoch ab: „Das ist die verdammte Pflicht und Schuldigkeit der Verwaltung.“

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03.07.2018, 06:00 Uhr
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