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Eltern wegen Mordes an Tochter verurteilt
Der Vater hat seine Tochter erwürgt - gestern wurde er verurteilt. Foto: dpa
Sie hatte Sex vor der Ehe - Vater und Mutter beschlossen, die 19-Jährige zu töten

Eltern wegen Mordes an Tochter verurteilt

Mutter und Vater bringen ihre Tochter um - weil sie Sex vor der Ehe hatte. Die strenggläubigen muslimischen Eltern werden wegen Mordes verurteilt.

02.12.2015
  • JOACHIM BAIER, DPA

Darmstadt. Eine junge Muslimin hat Sex vor der Ehe - und wird deswegen von ihren Eltern umgebracht. Gestern verurteilte das Landgericht Darmstadt die Eheleute wegen Mordes zu lebenslanger Haft. Der 52 Jahre alte Vater und die 41 Jahre alte Mutter - beide aus Pakistan, muslimisch, strengreligiös und seit mehr als 20 Jahren in Deutschland - hätten an ihren mitgebrachten Werten festgehalten. Sie hätten verhindern wollen, dass die Beziehung der 19 Jahre alten Tochter in ihrer Gemeinde ans Licht kommt und ihnen dann womöglich der Rausschmiss droht. "Die Ehre der Familie sollte gewahrt werden", sagt der Vorsitzende Richter Volker Wagner am neunten Prozesstag in seiner einstündigen Urteilsbegründung. Das Ehepaar sei an seinem Leben in einer Parallelgesellschaft gescheitert. "Als klar war, dass die Tochter mit ihrem Freund intim verkehrte, entschlossen sich die Eltern gemeinsam, sie zu töten." Daran gebe es keine Zweifel, betonte Wagner. "Der voreheliche Sex durfte nach ihren Vorstellungen nicht bekanntwerden. Die Tat wurde bis ins letzte Detail geplant."

Der Vater hatte gestanden, die Tochter im Januar zu Hause in Darmstadt in der Nacht erwürgt zu haben. Er habe der 19-Jährigen auch noch den Hals zugedrückt, als sie schon tot war. Die Mutter hatte angegeben, sie sei von der Tat überrascht und zum Wegschaffen der Leiche gezwungen worden. Das Gericht sieht das anders. "Die Mutter liebte ihr Leben in ihrer Gemeinde", meint Wagner. "Das wollte sie nicht gefährden. Sie hatte ebenso Interesse an der Tat wie ihr Mann."

Nicht in der Religion, sondern in der Tradition liegen die Wurzeln solcher Taten - zeigt sich die Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI), Prof. Susanne Schröter, überzeugt. "Die Eltern, die in Darmstadt vor Gericht stehen, haben sich nicht in einem islamischen Denkrahmen bewegt, sondern in dem Rahmen ihrer Lokalkultur", sagt sie gestern kurz bevor das Urteil gesprochen wurde. Im Islam sei zwar außerehelicher Sex verboten, das habe aber nichts mit Ehre zu tun und legitimiere auch keine Tötung. "Es gibt weder im Koran noch in den islamischen Überlieferungen irgendetwas, was einen "Ehrenmord" rechtfertigt."

Mit dem Strafmaß folgte das Schwurgericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die aber auch noch die Schwere der Schuld festgestellt haben wollte. Dies hätte eine Haftentlassung nach 15 Jahren praktisch unmöglich gemacht. Das Schwurgericht sah davon ab.

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02.12.2015, 08:28 Uhr
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