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Kriminalität

Eltern und Schüler niedergemetzelt

Ein ehemaliger Schüler richtet in einer Schule in Florida ein Blutbad an. Die Familie, bei der er lebte, wusste, dass er ein Sturmgewehr hatte. Die Debatte um die Waffengesetze lebt wieder auf.

16.02.2018
  • PETER DETHIER

Florida. Zur „sichersten Stadt Floridas“ war Parkland im US-Bundesstaat Florida im Jahr 2017 gewählt worden. Gestern jedoch starben an der Marjory Stoneman Douglas Highschool, einer der größten Schulen der Stadt, 17 Menschen. 15 wurden verletzt, einige lebensgefährlich. Der 19-jährige Ex-Schüler Nikolas Cruz hatte in der Schule mit einer halbautomatischen Waffe das Feuer eröffnet und Lehrer und ehemalige Klassenkameraden niedergestreckt. Erneut fragt sich eine ratlose und trauernde Nation, wann der Kongress den Mut haben wird, schärfere Waffengesetze zu verabschieden.

Kurz vor 15 Uhr fiebern in dem Gymnasium Schüler dem Ende ihres Schultags entgegen. Vor dem Eingang parken Dutzende gelber Busse, deren Fahrer warten, bis Schüler in die Straßen strömen, um den Heimweg anzutreten. Eltern machen sich auf den Weg, um in der ruhigen und friedlichen Kleinstadt an der Grenze zum Everglades Nationalpark ihre Kinder abzuholen.

Plötzlich ertönt in der Schule der Feueralarm. Schüsse sind zu hören. Dann ein Trommelfeuer. Verängstigte Schüler verstecken sich in Schränken und Toilette, verkriechen sich unter ihren Pulten.

Binnen Minuten ist die Polizei am Tatort. Ein SWAT-Team, eine taktische Sondereinheit, die nur in außerordentlichen Fällen zum Einsatz kommen, durchsucht jedes Klassenzimmer, jedes Büro und jede Besenkammer. Panisch verängstigte Schüler bekommen die Anweisung, im Gänsemarsch mit den Händen über dem Kopf das Gebäude zu verlassen und dann zu rennen.

Unter ihnen ist der 19-jährige Nikolas Cruz, der voriges Jahr aus disziplinarischen Gründen von der Schule geflogen ist. Er hofft, inmitten des Chaos unbemerkt entfliehen zu können, wird aber bald danach einen guten Kilometer von der Highschool entfernt festgenommen.

Was Cruz in den Minuten zuvor in den Hallen seiner früheren Schule angerichtet hat, ist verheerend. Mit einer halbautomatischen Waffe vom Typ AR-15 hat er 15 Menschen, Schüler und Lehrer, eiskalt hingerichtet und mehr als ein Dutzend verletzt.

Am Rande des Schulgeländes, das die Polizei weiträumig abgesperrt hat, stehen weinende Eltern. Einige umarmen ihre Kinder, die dem Massaker entfliehen konnten. Andere sind aufgeregt, weil ihre Teenager das Telefon nicht abheben und ihre SMS unbeantwortet bleiben.

Am Tag danach herrscht wie immer nach einem dieser unerklärlichen Massaker, die sich in den USA so häufig ereignen, das große Rätselraten. Was hat diesen jungen Menschen bloß zu einer solchen Gräueltat bewogen, dem schlimmsten Amoklauf an einer Schule, seit kurz vor Weihnachten 2012 am Sandy-Hook-Gymnasium 25 Schüler und Lehrer starben? Wie konnte Cruz in den Besitz eines halbautomatischen Sturmgewehrs gelangen, das im Vietnamkrieg beliebt war und vor allem für militärische Zwecke geeignet ist?

Das FBI hat bereits vor Monaten davor gewarnt, dass Nikolas Cruz ein gefährlicher Typ sein könnte, wird gestern bekannt. Diesen Schluss haben FBI-Ermittler aus Cruz' Posts auf Facebook und anderen sozialen Medien gezogen, die auf einen Hang zur Gewalt und eine Vorliebe für Schusswaffen hindeuteten.

Auch Mitschülern war Cruz nicht geheuer. „Er hatte so einen unheimlichen Blick, man ahnte irgendwie, dass bei dem etwas nicht stimmt“ sagt Alex Azar. Deutlicher wird Cruz Klassenkamerad Eddie Bonilla. „Wir wussten, wie es um seine Schwäche für Waffen bestellt war und dass er nicht ganz stabil war“, sagt er. „Ich scherzte sogar, dass wenn einer in unserer Schule ein Blutbad anrichten würden, er das sei. Nun ist es leider passiert.“

Cruz Adoptivater ist vor Jahren gestorben, seine Adoptivmutter im November. Cruz und sein Bruder lebten zunächst bei einem Freund der Familie. Er fühlte sich dort unwohl und kam dann in der Familie eines Freundes unter. Die wusste, dass er ein AR-15 hatte. Sie trug ihm auf, es in einem abschließbaren Schrank zu verwahren. Den Schlüssel hatte er.

Demokratische Politiker wettern wieder gegen die laschen Waffenkontrollen, während Floridas Republikaner, selbst Prominente wie der Senator Marco Rubio, nichts dazu sagen. Und Paul Ryan antwortet auf die Frage, was die Politik nun unternehmen werde: „Wir müssen beten, Atem holen und die Fakten sortieren.“

Treffend fasste es der ehemalige republikanische Kongressabgeordnete David Jolly zusammen. „So schlimm es ist, meine Partei wird nie etwas unternehmen, um striktere Waffenkontrollen durchzusetzen.“

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16.02.2018, 06:00 Uhr
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