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Über Internet bezahlen ist heute Standard – Paypal dominiert, Paydirekt tut sich schwer

Elektronischer Geldbeutel

Bargeld ist beliebt. Aber die elektronischen Verfahren, Geld zu überweisen, sind auf dem Vormarsch. Vorneweg Paypal. Paydirekt hinkt hinterher.

27.08.2016
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Der Markt ist in Bewegung – getrieben durch sogenannte Fintechs und durch neue Anbieter wie Alipay, Ableger des chinesischen Internet-Riesen Alibaba, der jetzt auch den deutschen Markt in den Blick nimmt. Das Internet ist längst Standard, online einzukaufen beziehungsweise auf diesem Weg zu bezahlen. Noch spielt zwar die herkömmliche Rechnung eine wichtige Rolle. Aber immer mehr Deutsche bezahlen auch auf elektronischem Weg. Die deutsche Kreditwirtschaft muss dabei den größten Teil des Feldes ausländischen Anbietern wie der US-amerikanischen Paypal oder Sofortüberweisung, Ableger des schwedischen Klarna-Konzerns, überlassen. Viel zu spät haben die deutschen Banken und Sparkassen vor einem Jahr ein eigenes Angebot gestartet: Paydirekt. Doch das kommt nur langsam in die Gänge.

Nur 600 000 Kunden der 1400 Sparkassen, Volks- und Privatbanken haben sich bislang für Paydirekt angemeldet – unter mehr als 50 Mio. Online-Konten. Auch die Händler sind bislang zurückhaltend: Gerade mal 160 bieten Paydirekt als Bezahlmöglichkeit an. Wirklich große und namhafte Einzelhandelsunternehmen sind kaum dabei. Immerhin hat man jetzt laut Paydirekt-Geschäftsführer Niklas Bartelt die Deutsche Post, den Modehändler Adler, den Optikhändler Linsenplatz und weitere kleinere Anbieter gewinnen können. Auch die Drogeriemarktkette DM sowie Metro mit Saturn, Mediamarkt und Real sollen bis zum Weihnachtsgeschäft dazu kommen.

Auch dann bleibt Paydirekt ein kleiner Spieler. Interessierte Händler beklagen sich über den komplizierten Anmeldeprozess und zu hohe Gebühren. Während Sparkassen-Kunden pro Woche 450 Mal Paydirekt zum Zahlen nutzen, kommt Sofortüberweisung auf 1,26 Millionen. Paypal wickelt 270 Transaktionen ab – in der Sekunde. Zudem gibt es Knatsch zwischen den Geldhäusern. „Wir sind die einzigen, die bundesweit und intensiv für Paydirekt werben“, sagt ein Sparkassen-Manager.

Hermann-Josef Tenhagen vom gemeinnützigen Verbraucherportal Finanztip sieht den Vorteil von Paydirekt im besseren Datenschutz (siehe Info-Kasten). Und bei Paypal zumindest ein theoretisches Risiko, dass Betrüger über sogenannte Phising-E-Mails versuchen, das Passwort abzugreifen. „Schauen Sie also genau, ob E-Mails mit dem Absender Paypal tatsächlich von Paypal sind – und klicken Sie nicht auf Links in der E-Mail“, sagt Tenhagen. Paypal hat in Deutschland nach eigenen Angaben rund 17,2 Mio. Kunden, weltweit sind es 188 Mio.

Zweiter großer Spieler im Geschäft in Deutschland ist Sofortüberweisung von der Firma Sofort GmbH. Hier ist keine Registrierung notwendig. Das System ist unabhängig von Banken und Sparkassen. Die für den Kunden kostenfreien Zahlungen werden per Pin und Tan bestätigt. Ein Kunde, der in einem Online-Shop einkauft, gibt seine Kontodaten samt Pin an, erhält dann eine Tan auf sein Smartphone und bestätigt damit die Überweisung, für die der Anbieter Sofort zwischen 0,7 und 0,9 Prozent des Kaufpreises vom Händler erhält.

Finanztip sieht das kritisch, weil sensible Bankdaten weitergegeben würden. Betrügereien hat es aber offenbar noch nicht gegeben. Sofortüberweisung wurde seit 2005 bei 25 Mio. Online-Käufen genutzt, 70 Prozent aller deutschen Online-Händler bieten das Verfahren an, darunter die Deutsche Bahn, Ikea und Obi.

Dem Bundesverband Versandhandel (bevh) zufolge nutzten Ende vergangenen Jahres 43 Prozent der Deutschen bei Käufen im Internet Paypal, Sofortüberweisung oder Giropay, das Online-Zahlsystem von Sparkassen, Volksbanken, der Postbank und weiteren Instituten. Ein Jahr zuvor waren es noch 39 Prozent. Aber immer noch zahlen fast 30 Prozent per Rechnung, was nach Angaben von Finanztip die „sicherste Zahlungsmethode“ ist. Auch Lastschrift und Kreditkarte seien vergleichsweise sicher, obwohl dafür sensible Daten weitergegeben werden müssen. Allerdings verlangen etwa Airlines, etwa Lufthansa, bei Zahlungen von Tickets mit Kreditkarte oder über Paypal eine Gebühr von 1,65 Prozent des Ticketpreises, maximal aber 25 EUR. Allerdings bieten die Airlines auch kostenfreie Verfahren wie Sofortüberweisung oder Zahlung per Girocard an.

Immer weniger Anhänger gibt es dagegen für Nachnahmezahlungen und Vorkasse. Erstere sind laut Finanztip unbequem, teuer und riskant. Schließlich könne man das Paket erst nach Bezahlung öffnen. Reklamationen seien dann schwierig. Auch Vorkasse sei mit hohen Risiken verbunden. Die Ware könne nicht geliefert werden, das Geld sei nur schwer zurückzuholen.

Während Zahlverfahren im Internet längst Alltag sind, steigt die Verbreitung des Bezahlens und der Abwicklung von Bankgeschäften über das Smartphone und das Tablet. 20 Prozent der Deutschen setzten 2015 bereits auf diesen Weg, 2012 waren es fast noch null, so eine neue Studie des Beratungsunternehmens Bain. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es schon 60 Prozent. Paypal, Sofortüberweisung und Paydirekt haben sich darauf längst eingestellt und bieten entsprechende Apps an.

Für Verbraucherschützer Tenhagen ist bei allen Verfahren ein Prinzip wichtig: Genutzt werden sollten sie nur im heimischen, mit Passwort geschützten Wlan-Netz. Im Hotel und Restaurant sei es auch bei Passwort-Schutz nicht ratsam, über das Notebook, das Tablet oder das Smartphone zu bezahlen. Das seien immer noch öffentliche Netze, sagt Tenhagen.

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27.08.2016, 06:00 Uhr
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