Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Theater

Eiskalt und fiebrig brodelnd

Calixto Bieitos Mannheimer Lorca-Inszenierung „Bernarda Albas Haus“ hat in Stuttgart Premiere.

18.03.2019

Von Otto Paul Burkhardt

Nicole Heesters (l.) als Bernarda und Anke Schubert als La Poncia. Foto: Thomas Aurich

Stuttgart. Kirchenglocken und lautes Klagegeschrei: Nach dem Tod ihres Mannes ordnet Bernarda Alba acht Jahre Trauer an. Ihr Haus wird zum Gefängnis für ihre fünf Töchter. Wer aufmuckt, wird von der herrischen Mutter mit dem Gürtel gezüchtigt. Bigotterie und unterdrückte Sexualität vergiften den Alltag. Unter den Töchtern verbreiten sich Neid, Hass und Verachtung. Nur wenn die Mutter außer Sichtweite ist, regt sich Leben, die Töchter reißen sich die Trauerschleier vom Kopf und schnappen wie Erstickende nach freier Atemluft.

Es sind karge, beklemmende Bilder, mit denen Regisseur Calixto Bieito diese Schreckensfamilie in Federico García Lorcas Drama „Bernarda Albas Haus“ (1936) skizziert. Seine Mannheimer Inszenierung aus dem Jahr 2011 war in zensierter Version auch beim Fadjr-Theaterfestival im Iran zu Gast. Nun gibt es ein Wiedersehen: Am Samstag war Stuttgarter Premiere im Schauspielhaus.

Großartig: Nicole Heesters

Bieito, lange als bad guy unterschätzt, bietet hier kluges, texttreues Schauspielertheater. Großartig Nicole Heesters. Sie spielt ihre Bernarda als souveränen Balanceakt – eine Tyrannin, die ihre Töchter schikaniert, aber auch eine sinnliche Grande Dame, die lustvoll raucht und Whisky schlürft. Elke Twiesselmann sorgt als verwirrte Großmutter für beklemmende Momente, und Anke Schuberts Magd analysiert das Zwangssystem hilflos in starken Monologen. Die Bühne: ein riesiges Verließ. Wie in Mannheim schwebt an einem Seil vom Bühnenhimmel die Artistin Kaatie Akstinat zuweilen durch den Raum – als Opfer und Erlöserfigur in Kreuzespose.

Calixto Bieito erzählt, wie schon Federico García Lorca, eine „Tragödie von den Frauen in den Dörfern Spaniens“, aber auch eine politische Parabel. Fazit: Eine schillernde Inszenierung, eruptiv und präzise, distanziert und berührend, eiskalt und fiebrig brodelnd.

Zum Artikel

Erstellt:
18. März 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
18. März 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+