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Terrorregime

„Einfach nur Verbrecher“

Eine Gruppe britischer IS-Anhänger soll mindestens 27 Gefangene hingerichtet haben. Nun wurden zwei Täter gefasst.

10.02.2018
  • MARTIN GEHLEN

Bagdad. Von seinen westlichen Opfern wurde das IS-Mörderquartett „die Beatles“ genannt. Alle hatten den gleichen britischen Akzent. Alle vier waren in London aufgewachsen, bevor sie sich in Syrien dem „Islamischen Staat“ anschlossen. Anführer der Viererbande war Dschihadi John alias Mohammed Emwazi. Seine schwarze Gestalt mit verhülltem Gesicht wurde bald zum Inbegriff der Mordlust der Terrormiliz, in deren Namen er vor laufender Kamera ausländischen Geiseln die Köpfe abschnitt, unter anderem den amerikanischen Journalisten James Foley und Steven Sotloff sowie drei westlichen Mitarbeitern von Hilfsorganisationen. Die blutrünstigen Propagandavideos, in denen die Opfer vor ihrer Hinrichtung wie Guantanamo-Gefangene in orangen Overalls vorgeführt wurden, erschütterten die Welt und stachelten andere Dschihadisten zu ähnlichen Gräueltaten an.

Dschihadi John ist seit zwei Jahren tot. Ende 2015 wurde der 28-Jährige in seinem Auto bei einem Drohnenangriff von einer Rakete getroffen. Jetzt wurden auch seine Komplizen Alexanda Amon Kotey und El Shafee el-Sheikh nahe der ostsyrischen Stadt Deir Ez-Zor gefasst. Laut einem US-Militärsprecher wurden beide durch Fingerabdrücke identifiziert, nachdem sie kurdischen Kämpfern der Syrisch-Demokratischen Streitkräfte (SDF) in die Hände gefallen waren.

Gefoltert in einem IS-Verlies

In den Verhören sollen sie detaillierte Informationen preisgegeben haben über die verbliebene IS-Führung unter dem selbsternannten Kalifen Abu Bakr Al-Baghdadi. Ihr Versteck wird im unwirtlichen Grenzgebiet von Syrien und Irak vermutet. Der vierte Mittäter, der 33-jährige Aine Davis, sitzt seit November 2015 in einem türkischen Gefängnis. Er wurde 2017 zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt.

Die USA werfen der Dschihadisten-Bande vor, an „Gefangennahme, Misshandlung und Exekution ausländischer Geiseln“ beteiligt gewesen zu sein. Mindestens 27 Gekidnappte soll das Quartett hingerichtet und Millionen an Lösegeld erpresst haben. Überlebende, die freigekauft wurden, berichteten, sie seien in dem IS-Verlies von Rakka grausam gequält worden, unter anderem mit Elektroschocks, simuliertem Ertränken und Scheinexekutionen.

Die Eltern von Mohammed Emwazi kamen 1994 aus Kuwait nach London. Ihr Sohn ging dort zur Schule und schloss 2009 an der Universität Westminster sein IT-Studium ab. Der Vater des 34-jährigen Alexanda Amon Kotey kommt aus Ghana, die Mutter aus Zypern. Die Familie von El Shafee el-Sheikh, der 29 Jahre alt ist, floh in den neunziger Jahren aus dem Sudan nach Großbritannien. Von Religion hätten alle vier keinen Schimmer gehabt, berichtete eines ihrer Opfer, der spanische Fotograf Javier Espinosa, in der BBC. „Sie sind einfach nur Verbrecher.“ Martin Gehlen

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10.02.2018, 06:00 Uhr
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