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Gemeinderat will Terminverlegung

Filmfestivals: Eines soll in den März ausweichen

Der Tübinger Gemeinderat will die Erhöhung der Zuschüsse an eine Terminverlagerung koppeln.

15.01.2019

Von Gernot Stegert und Ulla Steuernagel

Der Tübinger Gemeinderat will es wissen: Die Filmfestivals sollen sich untereinander über Zeiten, Räume und Filme einigen. Sonst werden die Zuschüsse nicht erhöht. Ohne Druck geht es offenbar nicht, waren sich die Vertreter der Fraktionen jetzt bei den Beratungen für den Etat 2019 einig. Sie wollen allen Festivals für das laufende Jahr 20000 Euro mehr bewilligen als bisher, fügten aber einen Sperrvermerk hinzu. Dieser werde nur aufgehoben, wenn die wichtigsten Punkte des Evaluationsberichts vom Herbst umgesetzt würden. So der Konsens der Ratsfraktionen.

Die Französischen Filmtage, das Cinelatino, Cine Español und Festival de Cine Español, das Arabische Filmfestival und das Filmfest Frauenwelten: Sechs Filmfestivals sorgen einerseits für eine „beeindruckende thematische und kulturelle Vielfalt“ in Tübingen, so Gutachter Moritz Sack im Herbst vor dem Kulturausschuss des Gemeinderats, wo er seine Evaluation vorstellte.

Doch er kritisierte auch, dass sich so viele Filmfeste im November ballen und in Konkurrenz um Aufmerksamkeit der Zuschauer, Räume und Filmrechte treten. Er empfahl deshalb eine Entzerrung. Auch gebe es bei den spanischsprachigen Festivals inhaltlich so starke Überschneidungen, dass eine Zusammenlegung nahe liege. Hinzu kämen persönliche Streitigkeiten, so Sack.

Kulturamtsleiterin Dagmar Waizenegger hatte im Ausschuss die Lage bedauert, zugleich aber die Hoffnung auf Einigung aufgegeben. Die Ratsfraktionen wollen sich jedoch nicht mit dem Zustand abfinden. Mehrere Stadträtinnen und -räte äußerten ihren Unmut. Einige drohten sogar mit der Kürzung von Zuschüssen. Am Ende einigten sich die Fraktionen auf die Bedingungen für eine weitere Erhöhung: Eines der Festivals soll im März stattfinden.

Bislang sind – bis auf das Cinelatino im April – die anderen Festivals auf die Wochen zwischen Anfang Oktober und Anfang Dezember verteilt. Der Festivalreigen beginnt Anfang Oktober mit dem Arabischen Filmfestival, das seinen Termin mit der Verfügbarkeit des Kupferbaus zum Ausklang der Semesterferien begründet. Dann folgen Ende Oktober, noch halb in der Herbstferien, die Französischen Filmtage, und nach ihnen werden Ende November die Frauenwelten eröffnet, die ihre Filme um den 25. November grupppieren, den Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen. Schlusslicht ist das Festival de Cine Español, das sich an der Chocolart orientiert.

Auch die Französischen Filmtage nennen Gründe, die gegen das Ausweichen auf einen anderen Termin sprechen. „Wir sind ja abhängig von Cannes“, sagt Filmtageleiter Christopher Buchholz. An der Côte d’Azur laufen die neuesten Filme jedes Jahr im Mai über die Leinwände und die Stars übern roten Teppich. Das Tübinger Festival kann also nur nach den Filmfestspielen in Cannes terminiert werden und braucht außerdem einen gewissen organisatorischen Abstand dazu. Ein Verschieben des größten Tübinger Festivals auf den März bedeutete zwangsläufig, dass es in diesem Jahr ausfallen müsste. Auch gegenüber dem Geldgeber Land und den Sponsoren wäre das undenkbar, so Buchholz.

„Für uns ist es absolut unmöglich“ kommentiert er die Gemeinderatsidee. Und: „Es würde unglaublich viel kaputt machen!“

Buchholz kann sich nur eine Lösung vorstellen: Nämlich, dass das Arabische Filmfestival und/oder das Spanische Festival ihre Termine ändern, da sie auch als letzte in die Tübinger Festivalszene eingestiegen sind. Die anderen, die sich zeitlich so arrangiert haben, dass sie die Festivallobby in der Grabenstraße gemeinsam nutzen können, sehen von ihrer Seite keinen Handlungsbedarf.

Die Leiter des Arabischen Filmfestival und des Cine Español, Adwan Taleb und Alba Fominaya, waren gestern zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die verschiedenen Festivals

Größtes Festival sind die Französischen Filmtage mit Gesamteinnahmen von 438 000 Euro. Die Stadt Tübingen trägt 73 450 Euro dazu bei.

Das Cinelatino und sein Cine Español bekommen einen Regelzuschuss über 10 000 Euro und einen Projektzuschuss von 2500 Euro im Jahr. Die Frauenwelten sind ebenfalls mit 10 000 Euro in der Förderung. Das Arabische Filmfestival ist städtischerseits mit 7500 Euro im Rennen und mit 4000 Euro Projektzuschuss.

Das Festival de Cine Espagnol erhält von der Stadt einen Projektzuschuss von 3000 Euro. Mit insgesamt 23 000 Euro hat es den kleinsten Etat. Das Arabisches Filmfestival kommt auf 36 500 Euro, und das Cinelatino ist mit 78 000 Euro hinter den Französischen Filmtagen das zweitfindigste Festival bei der Einwerbung von Fördermitteln. Die zusätzlichen 20 000 Euro sollen sich auf alle Festivals verteilen.

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Erstellt:
15. Januar 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Januar 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2019, 01:00 Uhr

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