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Eines der Schmuckstücke Tübingens, die Mayersche Apotheke, hört Ende November auf
Die Mayersche Apotheke am Marktplatz ist mit ihrem historischen Mobiliar eines der schönsten Ladenlokale Tübingens.Bild: Metz
Trauerfall am Marktplatz-Eck · Mayersche Apotheke schließt

Eines der Schmuckstücke Tübingens, die Mayersche Apotheke, hört Ende November auf

Nicht jedem Laden werden Tränen nachgeweint. Bei diesem aber steigt vielen Kundinnen und Kunden das Wasser in die Augen: die Mayersche Apotheke an der Marktplatz-Ecke macht Ende des Monats dicht.

23.11.2017
  • Ulla Steuernagel

Seit 458 Jahren wird an dieser Stelle schon mit Heilmitteln gehandelt und noch besteht die Hoffnung, dass hier auch in Zukunft Medikamente verkauft werden. Für die Eigentümer des schmucken Fachwerkgebäudes sagt Peter Schon, man sei sich im Gespräch „mit Oberbürgermeister Boris Palmer einig gewesen, dass die Apotheke möglichst fortgesetzt werden soll“. Schon versichert außerdem: „Wir tun alles dafür.“ Dazu gehöre auch, den Laden „nach dem heutigen Stand der Technik umzubauen“.

Was im Inneren verändert werden darf, das will man am 5. Dezember im Rundgang mit dem Denkmalamt sondieren. Schon betont, dass der Erbengemeinschaft sehr daran gelegen ist, gut mit den Denkmalschützern zusammenzuarbeiten.

Inhaberin Gabriele Mandel hatte das Geschäft vor zehn Jahren von ihrem damaligen Chef Udo Kauer übernommen. Bei dieser Gelegenheit ließen die Eigentümer den Nebenraum mit seinem spätklassizistischem Mobiliar restaurieren. Die Kosten dafür lagen bei rund 50 000 Euro. Dieses Kabinett mit seinen raumhohen Apothekenschränken, die kunstvoll aus verschiedenen Hölzern zusammengesetzt sind, wurde so als Schmuckstück öffentlich sichtbar gemacht.

Dieses schöne historische Ambiente, aber auch die kompetente und freundliche Beratung in der Apotheke sorgten dafür, dass sie gerne wiederkamen, so sagen Kundinnen des Hauses. Sie fühlten sich hier mit ihren Krankheiten und auch mit ihren Wehwehchen ernst genommen.

Apotheken müssen inzwischen jedoch vielerorts um ihr Überleben kämpfen. Das Apothekengeschäft ist keine sichere Bank mehr. Prominentestes Beispiel in Tübingen: Die Neckartor-Apotheke schloss Ende 2015 nach über 40 Jahren ihr modernes Ladenlokal in der Neckargasse. Auf die Apotheke folgte ein Telekom-Shop. Derzeit ist es also nicht einfach, einen neuen Pharmazie-Pächter zu finden. Mandels Mietvertrag läuft im nächsten Frühjahr aus, die Apotheke wird aber schon Ende des Monats schließen. Der Hamburger Rechtsanwalt Peter Schon sieht als Sprecher der Erbengemeinschaft, die aus seiner Frau und deren Schwester besteht, in einer Schließung vor Ende des Mietverhältnisses einen klaren Vertragsbruch. Der Mietvertrag gibt vor, dass das Geschäft bis März 2018 als Apotheke betrieben werden muss. „Wir haben Frau Mandel gestern eine Abmahnung geschickt“, so der Anwalt.

Gabriele Mandel darf sich auf Geheiß ihres Vermieters zur aktuellen Situation nicht äußern. Kunden der Apotheke wissen jedoch, dass zum Ende des Monats bei ihr einige Verträge auslaufen und sie neue langfristige Verpflichtungen eingehen müsste, wollte sie die Apotheke noch bis Frühjahr weiterführen.

Die Trauer um Mandels Geschäftsaufgabe ist jedenfalls groß. Oder welchem Laden wird sonst noch in Reimform nachgerufen? Kunde Hans Wacker schreibt auf unserer heutigen Leserbriefseite: „Das Personal war stets sympathisch,/ und das nicht nur homöopathisch./Ich kann und will es nicht verhehlen:/ Die Mayersche, sie wird mir fehlen.“

Allerbeste historische Adresse

Die erste Apotheke zog 1569 in das prächtige Fachwerkhaus an der Marktplatz-Ecke. Durch herzogliche Verfügung hatten die Brüder Ludwig und Albrecht Bennslin zwei Apotheken im Herzen Tübingens zugewiesen bekommen. Ihren Namen erhielt die Apotheke 1861, als Hofrat Wilhelm Mayer das Haus für 60000 Gulden von der Familie Gmelin übernahm. Da Mayer zugleich Botaniker war, war eines des Schaufenster immer den gerade aktuellen Pflanzen vorbehalten. Nach seinem Tod übernahm Sohn Willy das Geschäft und danach dessen Sohn Walter. Nachdem das Haus 1977 von Walter Mayer renoviert worden war, überschlug sich das TAGBLATT vor Begeisterung angesichts dieses „putzigste(n) Schmuckkästlein des Marktplatzes“. Vor zehn Jahren wurde dann das Nebenkabinett minutiös restauriert.

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23.11.2017, 01:00 Uhr
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