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Einer der gefährlichsten Laubholzschädlinge breitet sich im Südwesten aus
Petra Meier vom „Anoplophora“-Spürhundteam sucht mit „Rika“ in Hildrizhausen nach dem Asiatischen Laubholzbockkäfer. Foto: dpa
Ein unwillkommener Gast

Einer der gefährlichsten Laubholzschädlinge breitet sich im Südwesten aus

In China hat der Asiatische Laubholzbockkäfer große Schäden angerichtet. Immer öfter wird er auch im Südwesten gesichtet – jüngst in Hildrizhausen.

25.08.2016
  • ANDREAS CLASEN

Hildrizhausen/Ulm. Hildrizhausen hat ein Problem. Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist in der Gemeinde, einer der gefährlichsten Schädlinge für Ahorn, Pappeln und viele andere Baumarten. Nach Angaben des Landratsamtes Böblingen sind im August 14 Tiere gefunden worden, die Experten „Anoplophora glabripennis“ nennen. Die Europäische Union hat den Käfer als Quarantäneschädling eingestuft. Heißt: Wo er entdeckt wird, müssen die Behörden gegen ihn vorgehen. Speziell geschulte Spürhunde waren erst gestern in Hildrizhausen unterwegs, die den Schädling aufpüren können. Sie würden vor allem an den Bäumen eingesetzt, wo man unsicher sei, sagte Wiebke Höfer, Sprecherin des Landratsamts. Den ersten Käfer habe ein aufmerksamer Bürger gemeldet.

Um zu verhindern, dass der Asiatische Laubholzbockkäfer sich weiter verbreitet und im Wald immensen Schaden anrichtet, müssten sowohl befallene Bäume als auch weitere Bäume „im Umkreis von 100 Metern gefällt und verbrannt werden“, sagt Esther Moltmann vom Agrarministerium in Stuttgart.

Hildrizhausen ist in Baden-Württemberg kein Einzelfall. Im Landkreis Lörrach wurden 2012 Verfügungen zur Bekämpfung des Käfers auf den Gebieten der Stadt am Weil am Rhein und Haltingen erlassen und 2015 auf der Gemarkung der Gemeinde Grenzach-Whylen. Auch in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt ist er bereits gesichtet worden. Der Käfer breitet sich langsam aus.

Von Asien nach Europa ist der Schädling wahrscheinlich per minderwertiger chinesischer Holzverpackungen gekommen, in denen noch Larven steckten. Im Norden Chinas hat das Insekt schon riesige Schäden an Pappeln, Weiden und Ulmen angerichtet. Chinesische Experten empfehlen bereits auf den Anbau von Baumarten zu verzichten, die das Insekt gerne befällt. Hierzulande besiedelt er besonders gerne Ahorn, Rosskastanie, Weide, Birke und Pappel. Aber auch Buchen, Apfelbäume, Roteichen oder Linden sind nicht vor ihm sicher.

Im Detail läuft der Befall so: Das Weibchen legt im Sommer Eier unter die Rinde lebender Laubbäume – geschnittenes Holz wird nicht befallen. Die geschlüpften Larven fressen sich dann zuerst unter die Rinde und danach bohren sie sich tief in den Stamm. Der Käfer baut sich später wieder einen Gang nach draußen und fliegt womöglich zum nächsten Opfer. Wenn ein Baum über mehrere Jahre auf diese Weise bearbeitet wird, werden Äste und Stamm morsch. Das Tückische dabei ist: Befallene Bäume können noch eine belaubte Krone haben und fallen daher nicht sofort auf. Hinzu kommt, dass der Käfer eben nicht sonderlich wählerisch ist, welche Baumsorte er als Wirt benutzt.

Der Kampf gegen den Käfer ist äußerst aufwendig. Der Specht frisst ihn zwar, aber das reicht nicht. Die Verantwortlichen im Landratsamt Lörrach wissen das nur zu gut. Im Kreis Lörrach gab es in Weil am Rhein vor vier Jahren den ersten Fund und trotz aufwendger Maßnahmen zu seiner Bekämpfung wurde 2015 erneut einer registiert, wie eine Sprecherin des Landratsamtes sagt. „In Grenzach gab es zuletzt im Juni 2015 einen Fund, allerdings handelte es sich dabei nur um totes Material. Seither wurde nichts mehr entdeckt.“ Nach einem intensiven Monitoring sei dort im Juni die Quarantänezone gelockert worden. Die hohen Kosten für das Monitoring im Wald, etwa für Fallen oder den Einsatz von Spürhunden, würden überwiegend vom Land beglichen, das wiederum Geld von der EU erhalte.

Dass der Kampf gegen den Käfer nicht aussichtlos ist, zeigt ein Blick ins Ausland. Erfolgreiche Aussrottungen gab es in Österreich oder in den Vereinigten Staaten. In den meisten Fällen hat das 10 oder 12 Jahre gedauert. Auf Baden-Württemberg kommt eine langwierige Arbeit zu.

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25.08.2016, 06:00 Uhr
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