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Auch im Schwäbischen wird abgekupfert

Einer der Negativ-Preise "Plagiarius 2011" geht an den Neu-Ulmer Mittelständler Famos

Die allermeisten Fälscher kommen aus Asien. Aber auch im Schwäbischen wird hemmungslos abgekupfert. Deshalb geht einer der Negativ-Preise "Plagiarius 2011" an ein Unternehmen aus Neu-Ulm.

14.02.2011

Von SWP

Frankfurt "Ein Plagiat ist die Nachahmung eines Produkts zum Zwecke der wirtschaftlichen Ausbeutung. Das unternehmerische Risiko ist begrenzt, denn es wird erst dann kopiert, wenn sich das Original als wirtschaftlich rentabel herausstellt." So reagiert die WPO Objekt- und Fachraumeinrichtungen aus Illertissen auf die Negativauszeichnung mit dem "Plagiarius 2011" für die Neu-Ulmer Famos GmH, die eine Werkbank der Illertissener abkupferte.

"Durch die schlechte Kopie werden Institutionen der öffentlichen Hand als potentielle Auftraggeber getäuscht", schreibt WPO Famos-Alleingesellschafter Joachim Weishaupt ins Stammbuch. Weiter heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens, das Plagiat weise "erhebliche qualitative, funktionale und sicherheitsrelevante Mängel auf" zudem werde "gegen ein Gebrauchsmuster von WPO verstoßen".

Auch vor Sexspielzeug machen die Fälscher nicht halt. "Patchy Paul" ist ein Vibrator, den die Fun Factory aus Bremen herstellt und der mittlerweile als Klassiker gilt. Das dachten sich auch die Manager von Love Toys Industrial im chinesischen Guangdong, kupferten "Patchy Paul" ab und brachten ihn für einen Bruchteil des Preises in den Handel.

Auch diese Kopie wurde - wie knapp ein Dutzend anderer Plagiate - mit dem Negativ-Preis belegt, den der Ulmer Design-Professor Rido Busse 1977 ins Leben gerufen hatte, um plumpen Ideenklau, Diebstahl geistigen Eigentums sowie skrupellose Machenschaften anzuprangern und ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Das zeigt allerdings nur begrenzt Wirkung. "In Zeiten von Internet und Globalisierung hat sich das Problem der Produkt- und Markenpiraterie explosionsartig ausgeweitet", sagt Busse. Der volkswirtschaftliche Schaden sei immens. Allein für Deutschland taxieren Experten die Einbußen auf 50 Mrd. EUR im Jahr, weil den Originalherstellern hohe Umsätze entgehen, weil ihre Marke beschädigt wird und weil die Plagiate Arbeitsplätze kosten. 78 Prozent aller deutschen Unternehmen seien davon betroffen.

Dies bekommt auch der renommierte Armaturenhersteller Hansgrohe aus dem badischen Schiltach zu spüren. Die Waschtischarmatur "Focus S" wurde von der chinesischen Firma Joyou abgekupfert - in mieser Qualität, wie Busse sagte, und dann für ein Zehntel des Preises des Originalproduktes in den Handel gebracht. "Jedes Jahr kosten uns Plagiate etwa 5 bis 10 Prozent des Umsatzes. Etwa 100 Arbeitsplätze gehen dadurch verloren", ergänzte Pressesprecher Carsten Tessmer. Und Firmen wie Joyou - deren Aktie an der Frankfurter Börse gelistet sind - streichen hohe Profite ein.

Fälscher aus Deutschland sind freilich in der Minderheit. Der Fokus liegt auf Asien: 80 Prozent der Plagiate kommen von dort. Allerdings hat Thailand mit einem Anteil von 56 Prozent mittlerweile die zweifelhafte Führungsrolle von China übernommen.

Busse appelliert an die Verbraucher. Sie trügen eine Mitverantwortung für die Geschäfte der Fälscher, die groben Schätzungen zufolge jedes Jahr 600 Mrd. Dollar umsetzen. "Wer bewusst Plagiate kauft, investiert in Profitgier und Skrupellosigkeit und unterstützt in vielen Fällen organisierte Kriminalität." Und er fördere oft Kinderarbeit sowie gesundheitsgefährdende und unwürdige Produktionsbedingungen für die Fabrikarbeiter. otr

Bis auf die Farbe sind sich die beiden Werkbänke täuschend ähnlich - nur der untere ist abgekupfert. Foto: Aktion Plagiarius

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Erstellt:
14. Februar 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Februar 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2011, 12:00 Uhr

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