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Forschung

Eine künstliche Herzklappe, die mitwächst

Svenja Hinderer hat eine Methode entwickelt, die Kindern Mehrfach-Operationen ersparen soll.

09.02.2018

Von NADJA OTTERBACH

Mehrmals ausgezeichnet: Svenja Hinderer. Foto: David Ausserhofer /Körber-Stiftung

Stuttgart. Wirft man einen Blick auf Svenja Hinderers Lebenslauf, wird schnell klar, dass die 32-Jährige hoch hinaus will: Sie studierte Angewandte Chemie in Reutlingen, promovierte an der Uni Stuttgart und forscht seit 2014 am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik. Im April wird sie ans Forschungsinstitut der Uni Tübingen wechseln.

Bereits mit ihrer Doktorarbeit hat sich die Chemikerin aus Nürtingen einen Namen gemacht. Sie entwickelte eine künstliche Herzklappe, die im Körper mitwächst. Ihre Vision: Kindern mit angeborenem Herzfehler Mehrfach-Operationen zu ersparen. Pro Jahr werden in Deutschland rund 30?000 Klappen eingesetzt, Tendenz steigend. Manchmal müssen bereits Säuglinge direkt nach der Geburt den anspruchsvollen Eingriff über sich ergehen lassen – und das Implantat anschließend alle zwei bis drei Jahre austauschen lassen, weil künstliche Herzklappen bisher nicht mitwachsen können. Das Besondere an der von Hinderer entwickelten Alternative: Sie besteht aus einem biokompatiblen Hybridmaterial, das mithilfe eines Elektrospinnverfahrens hergestellt wird und körpereigene Zellen binden kann.

„Ich wollte schon immer Forschung machen, die nicht in der Schublade liegt, sondern mit der ich Menschen helfen kann“, sagt die 32-Jährige. Für ihre Erkenntnisse ist die aufstrebende Naturwissenschaftlerin vielfach ausgezeichnet worden. 2015 erhielt sie den Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung. 2017 wurde sie regelrecht mit Preisen überschüttet. Das Magazin „Technology Review“ wählte Hinderer unter die zehn „Innovatoren unter 35“. Sie gewann den europäischen und weltweiten Preis des amerikanischen Wissenschaftsmagazins des Massachusetts Institute of Technology, zu dessen Preisträgern auch Prominente wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gehören. Und auch das Magazin „Capital“ wählte die Wissenschaftlerin jüngst in die Bestenliste der jungen Elite Deutschlands.

Dennoch muss sich Svenja Hinderer gedulden: Bis die Ergebnisse ihrer Forschung zum medizinischen Alltag gehören, werden noch Jahre vergehen. Die Zulassung eines Medizinprodukts, das in Kontakt mit Blut kommt, dauere generell lange. „Ich bin momentan dabei, Forschungsanträge zu schreiben, um Geld zu bekommen. Das ist die größte Hürde.“ Sie braucht es, um Tierversuche und Studien mit Patienten finanzieren zu können.

Bis es so weit ist, widmet sich die junge Frau neuen Forschungen. „Ich arbeite auch an Blutgefäßen und an der Regeneration von Herzinfarkten.“ Man kann sich gut vorstellen, dass Svenja Hinderer auch hier einiges bewirken wird. Nadja Otterbach

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Erstellt:
9. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
9. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Februar 2018, 06:00 Uhr

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