MDax

„Eine hervorragende Option“

Der Aktienindex für die mittelgroßen Werte lieferte gigantische Gewinne – seit 25 Jahren. Kapitalmarktexperte Joachim Schallmeyer erläutert die Gründe.

20.01.2021

Von ROLF OBERTREIS

Joachim Schallmayer. Foto: Deka-Bank

Frankfurt/Main. Er gilt als kleiner Bruder des Deutschen Aktienindex (Dax). In den Medien bekommt der MDax zwar weniger Beachtung, doch von der Wertentwicklung her muss er sich nicht verstecken. Seit der Gründung vor 25 Jahren hat er um mehr als 1000 Prozent zugelegt – doppelt so stark wie sein großer Bruder. „Der MDax ist und wird eine hervorragende Option bleiben“, sagt Experte Joachim Schallmayer von Deka-Bank.

Was zeichnet die 60 im MDax vertretenen Unternehmen aus?

Joachim Schallmayer: Es fällt vor allem eines auf: Die Unternehmen haben es geschafft, über den gesamten Zeitraum ihre Gewinne stetig und überdurchschnittlich zu steigern. Das zeigt sich in anderen Indizes so nicht. Die Unternehmen selbst sind also für die glänzende Entwicklung des MDax verantwortlich.

Welche Werte haben sich gut entwickelt – und um welche gab es Skandale mit Verlusten für Anleger?

Airbus sticht im Blick auf die Wertentwicklung heraus, aber auch MTU, Symrise oder Hannover Rück. Der Möbelhändler Steinhoff steht auf der negativen Seite. Er hat den Anlegern praktisch einen Totalverlust beschert.

Gibt es häufige Wechsel durch Aufsteiger in den Dax oder Absteiger?

Der Austausch ist gering. Pro Jahr wechselt im Schnitt ein Unternehmen zwischen Dax und MDax. Prominente Absteiger waren zuletzt Commerzbank und Lufthansa, Delivery Hero und Deutsche Wohnen haben den Sprung nach oben geschafft.

Welchen Einfluss hat die Pandemie auf die Entwicklung des MDax?

Wie auch bei anderen Unternehmen sind die Gewinne im ersten Halbjahr 2020 wegen des Stillstands in der Wirtschaft sehr stark eingebrochen. Auch auf den MDax wirkt die Pandemie wie eine Naturkatastrophe. Fundamental sind die Unternehmen aber gesund. Wir sehen deshalb schon seit Monaten eine starke Aufholbewegung und erwarten, dass diese sich fortsetzt.

Lohnt sich ein Investment im MDax für dividendenorientiere Anleger?

Der MDax ist kein klassisches Dividenden-Investment. Mit 1,5 Prozent ist die Dividenden-Rendite – Dividende gemessen am Kurs – aktuell nur halb so hoch wie im Dax. Der Dax ist so gesehen interessanter. Aber dafür wächst der MDax deutlich stärker.

Können Anleger indirekt in den MDax investieren – über Fonds oder ETF?

Das ist die bessere Variante als auf Einzelunternehmen zu setzen. Auf den MDax zu bauen, war in der Vergangenheit über einen aktiv gemanagten Fonds oder über einen ETF, also einen Indexfonds der vorteilhaftere Weg. Das Risiko wird breit gestreut. Bei Einzelinvestments kann es auch mal deutlicher nach unten gehen.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Faktoren für einen weiteren Erfolg der gelisteten Unternehmen?

Die Unternehmen sind extrem innovativ. Ein Beispiel ist die Elektromobilität. Nach Startschwierigkeiten sind Hersteller und Zulieferer jetzt vorne mit dabei. Das gilt auch für das Megathema Nachhaltigkeit. Die Innovationskraft zeigt sich gerade auch bei den mittelgroßen Unternehmen im MDax.

Die Deutsche Börse stockt von September an den Dax auf 40 Werte auf und verringert den MDax auf 50.

Diese Veränderungen spielen keine große Rolle. Es gab schon einmal 70 Unternehmen im MDax, dann wurde 2003 auf 50 reduziert. Das war kein Nachteil und wird auch künftig kein Nachteil sein.

Firmen ohne Gewinn in den letzten drei Jahren bleiben außen vor.

Das ist auch für die Neuaufnahme im MDax wichtig. Wichtiger aber ist, dass Airbus in den Dax aufsteigen wird. Damit wird ein großer Gewichtsanteil im MDax frei und wird sich auf die anderen Unternehmen und Branchen verteilen. Die größere Balance ist durchaus von Vorteil.

Wo steht der MDax in einem, in fünf und in 25 Jahren?

2021 erwarten wir den MDax bei 33 000 Punkten. Er wird also weitere Rekordmarken erreichen. Derzeit steht er bei gut 31 000 Zählern, Ende 2020 waren es knapp 30.800. Auch in den nächsten 25 Jahren wird es weitere Höchststände geben. Wir schauen aber erst einmal auf die nächsten fünf Jahre. Da rechnen wir mit knapp 45 000 Punkten.

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Erstellt:
20. Januar 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. Januar 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2021, 06:00 Uhr

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