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„Eine ganze Generation ohne Hoffnung“
Christian Hörl koordiniert seit 2012 die Hilfseinsätze des Roten Kreuzes in Syrien, wo das DRK eng mit dem roten Halbmond zusammenarbeitet. Foto: DRK
Über 300 000 Menschen harren in Aleppo aus – Ohne Waffenpause können Helfer nicht zu ihnen

„Eine ganze Generation ohne Hoffnung“

Tausende Menschen in Aleppo sind auf sich alleine gestellt. Der stellvertretende Auslandschef des DRK, Christian Hörl, erklärt wie ihnen geholfen werden soll.

10.08.2016
  • KRISTINA BETZ

Das DRK fordert eine humanitäre Waffenpause. Wie stehen die Chancen, dass die Konfliktparteien dieser Forderung nachkommen?

CHRISTIAN HÖRL: Im Moment intensivieren sich die Kampfhandlungen. Insofern stehen die Chancen nicht sehr gut. Das Rote Kreuz und der Rote Halbmond sind aber vor Ort in ständiger Verhandlung mit den Konfliktparteien.

Wie kooperativ zeigen sich die Parteien?

HÖRL: Das ist ein Auf und Ab. Es gibt mehr als fünf Millionen Menschen in Syrien, die in schwer erreichbaren Gebieten leben und von humanitärer Versorgung abhängig sind. Die erreichen wir nicht so wie wir möchten. Aber immer wieder mit großem Erfolg, indem wir uns den Zugang zu belagerten Gebieten zusichern lassen.

Was ist derzeit die größte Herausforderung für die Helfer vor Ort?

HÖRL: Dass die Stadt seit Tagen und Wochen durchgehend beschossen wird. Also können wir nicht frei agieren. Umso wichtiger ist die geforderte humanitäre Waffenpause. Wenn die gegeben ist, stehen wir bereit: Mit allem Personal und allen Materialien die wir haben.

Kann man so einer Zusage denn trauen?

HÖRL: Wir haben großes Vertrauen, dass die Zusage gehalten wird.

Aber es gibt auch Angriffe auf Helfer?

HÖRL: Leider müssen wir konstatieren, dass schon über 50 Helfer auf Seiten des Roten Halbmondes im Einsatz ums Leben gekommen sind. Es gibt auch Verschleppungen und Folterungen von Helfern. Das ist leider eine traurige Tatsache und insofern ein großes Problem für die Arbeit des Roten Kreuzes in Syrien.

Sind die Angriffe explizit auf die Helfer ausgerichtet?

HÖRL: Ja, leider gibt es auch den direkten Beschuss auf Fahrzeuge, die klar mit dem Emblem des roten Halbmondes oder des roten Kreuzes gekennzeichnet sind.

Von wem gehen die Angriffe aus?

HÖRL: Das sind meistens Scharfschützen, die sich nicht klar einer Partei zuordnen lassen. Hier liegt aber eine deutliche Verletzung des humanitären Völkerrechts vor, nicht nur gegen Helfer, auch gegen Zivilisten.

Gesicherte Informationen aus Aleppo zu bekommen ist derzeit schwer. Wie beziehen Sie ihre Informationen über die Situation vor Ort?

HÖRL: Wir sind seit fünf Jahren im Einsatz in Syrien und über die Jahre hat sich ein System, also ein ganz eigenes informelles Netzwerk entwickelt. Dem können wir vertrauen. Es bedarf vor Ort der Leute die sich auskennen und Informationen bewerten können.

Gibt es Zufluchtsorte für die Menschen in Aleppo?

HÖRL: Das Problem ist: Die Leute brauchen zum einen einen sicheren Fluchtweg, zum anderen auch einen Ort an dem sie bleiben können. In Syrien werden die Zufluchtsorte immer weniger. Da gibt es Orte, wie zum Beispiel an der jordanischen Grenze, wo bis zu 80 000 Menschen in der sengenden Hitze ausharren müssen – ohne Versorgung.

Findet in Aleppo überhaupt noch öffentliches Leben statt?

HÖRL: Seit den täglichen Bombardements nicht mehr. Wir haben generell das Problem, dass zwei Millionen Kinder in Syrien nicht zur Schule gehen können. Da ist eine ganze Generation ohne Hoffnung.

An was mangelt es besonders?

HÖRL: Es mangelt an allem. Vor allem an der Grundversorgung. Man muss sich vorstellen: Die Menschen stehen stundenlang vor der Bäckerei um Lebensmittel zu erhalten und setzen sich täglich dem Beschuss aus. Das ist eine sehr deprimierende und hoffnungslose Situation für die Menschen.

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10.08.2016, 06:00 Uhr
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