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Eine Zarentochter als Gründerin
Seit 2014 ist das Olgahospital samt der Frauenklinik in einem neuen Gebäude an der Kriegsbergstraße untergebracht. Foto: Klinikum Stuttgart
Jubiläum

Eine Zarentochter als Gründerin

Vor 175 Jahren nahm das „Olgäle“ in einer Vier-Zimmer-Wohnung mit elf Betten seinen Betrieb auf. Das Krankenhaus ist heute ein großes Zentrum für Kinderheilkunde.

29.09.2017
  • RAINER LANG

Stuttgart. Zahlreich sind die sozialen Wohltaten russischer Zarentöchter in Württemberg. Daran wird seit Februar auf einer vier Meter hohen Stele vor dem Eingang zum Stuttgarter Olgahospital im Stadtzentrum erinnert. Dieses Krankenhaus, heute eine der größten Kliniken für Kinder und Jugendliche, trägt den Namen der russischen Zarentochter Olga-Nikolajewna. Heute feiert das Hospital, liebevoll Olgäle genannt, mit einem Festakt sein 175-jähriges Bestehen.

Olga-Nikolajewna, Kronprinzessin und dann Königin von Württemberg, förderte die Klinik von Anfang an. Um Kinder besser zu versorgen, die wie alle Kranken bis dahin zu Hause behandelt worden waren, eröffneten die Stuttgarter Ärzte Georg von Cleß und Otto Elben am 9. August 1842 eine Heilanstalt für Kinder. Diese hatte gerade mal elf Betten und war in einer Vier-Zimmer-Wohnung untergebracht. Finanziert wurde sie durch Spenden und eine Kinderlotterie.

Lazarett im Ersten Weltkrieg

Im Jahr 1847 nahm die Kronprinzessin die Klinik unter ihren persönlichen Schutz und gab ihr zwei Jahre später den Namen „Olga-Heilanstalt für Kinder“. Diese entwickelte sich rasch weiter. 1848 wurde auf städtischem Grund ein Neubau fertiggestellt, in dem nicht nur Kinder, sondern auch Säuglinge und Jugendliche aufgenommen wurden. Die Klinik entwickelte sich zur Anlaufstelle für kranke Kinder in Deutschland. Ein Jahr nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 wurde von Königin Olga der Ausbau des Spitals vorangetrieben. Dieses erhielt nun Abteilungen, wie die Chirurgie oder die Orthopädie, und konnte 122 Patienten aufnehmen.

Nachdem die Heilanstalt während des Ersten Weltkrieges vom Militär auch als Lazarett genutzt worden war, stieg die Bettenzahl in der Zwischenkriegszeit auf 446. Wegen der Luftangriffe mussten die kleinen Patienten während des Zweiten Weltkriegs ausgelagert werden. 1965 wurde die Heilanstalt offiziell in Olgahospital umbenannt.

Im Zuge der Konzentration mehrerer Einrichtungen an einem Standort erhielt auch das Olgahospital ein neues Domizil. 2014 zog es aus dem veralteten Bau aus den 50er Jahren um in einen freundlich und hell gestalteten und hochmodern eingerichteten Neubau, der für 347 Millionen Euro auf dem Gelände des Katharinenhospitals an der Kriegsbergstraße errichtet worden war. Da auch die Frauenklinik hierher verlagert wurde, haben sich „große Synergieeffekte“ zwischen den Einrichtungen ergeben“, betont die Sprecherin des Klinikums, Ulrike Fischer. „So können zum Beispiel kranke Neugeborene schnell versorgt werden“, betont Fischer.

Als wegweisend gilt die Behandlung krebskranker Kinder am „Olgäle“. Die Klinik ist nicht nur das kinderonkologische Zentrum der Region Stuttgart, sondern hat inzwischen eine der bundesweit größten Spezialabteilungen. „Wir sind Anlaufstelle bei allen Krebserkrankungen junger Menschen, bei Erkrankungen des Blutes und der Immunabwehr“, schreibt der Ärztliche Direktor der Onkologie, Professor Stefan Bielack, auf der Homepage des Klinikums. Er wurde 2016 mit dem deutschen Krebspreis ausgezeichnet, der als eine der renommiertesten Auszeichnungen in der deutschen Krebsmedizin gilt.

Immer wieder sind die Mediziner mit besonders schweren Fällen konfrontiert. Das zeigt auch Tims Geschichte. Der Junge wurde mit einem inoperablen Tumor im Rücken geboren und konnte mit einer Chemotherapie erfolgreich behandelt werden. „Bei Tim mussten wir unser ganzes Können anwenden“, sagte der behandelnde Arzt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Schmerztherapie. Am Olgäle wurde das Kinderschmerzzentrum Baden-Württemberg aufgebaut, in dem alle chronischen Schmerzen ambulant behandelt werden.

Mit der Frauenklinik bildet das Olgahospital heute das Zentrum für Kinder-, Jugend- und Frauenmedizin. Jährlich werden rund 16 000 Kinder und Jugendliche stationär, rund 110 000 ambulant behandelt. Das Einzugsgebiet der hochspezialisierten Klinik reicht weit über Baden-Württemberg hinaus.

Die Olgälestiftung für das kranke Kind unterstützt übrigens die Kinderklinik. Die Stiftung, die 20-jähriges Bestehen feiert, finanziert zum Beispiel Klinikclowns, die Anschaffung spezieller Geräte oder die kindgerechten Ausstattung des Olgahospitals.

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29.09.2017, 06:00 Uhr
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