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Bildung

Eine Wolke namens Ella

Die Schul-Cloud geht an den Start. Was die Plattform alles kann – und warum das Land Millionen in die Entwicklung eines eigenen Programms steckt.

23.02.2018
  • AXEL HABERMEHL

Stuttgart. Am Montag nimmt Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) Ella in Betrieb: die neue digitale Bildungsplattform des Landes. Sie soll die Kommunikation in der Schule erleichtern und zur Organisation des Unterrichts beitragen, aber auch Nutzung und Austausch digitalen Lernmaterials verbessern. Ein Überblick:

Worum geht es? Die Digitalisierung verändert die Schulen und den Unterricht. Lehrer bauen Youtube-Videos in Stunden ein, nutzen „Google-Books“, Online-Quiz-Spiele wie „Kahoot“, digitale Vokabeltrainer und mehr. Sie stellen Arbeitsblätter in die „Dropbox“ oder verteilen Material über andere Cloud-Speicher. Schüler, Lehrer und Eltern kommunizieren über E-Mails oder Whatsapp.

Wo liegt das Problem? Im Wildwuchs. Vieles ist abhängig von einzelnen Lehrern, der Ausstattung der Schulen – und technischen Anbietern. Die Nutzung moderner Digital-Dienstleistungen im Unterricht findet überwiegend in Grauzonen statt. Hersteller sitzen oft im Ausland, unterliegen anderen Gesetzen, etwa zu Daten- oder Jugendschutz. Ständig ploppt Werbung auf, die in Schulen nichts verloren hat. Man zahlt „Gratis“-Dienste mit Anwenderdaten. Vieles ist pädagogisch fragwürdig. Zudem fehlt staatliche Infrastruktur. Üblicherweise findet alles auf Privatgerät mit inoffizieller Registrierung und Nutzerkonten statt.

Und nun? Das Land will, dass Schulen digitale Medien „rechtssicher und komfortabel“ nutzen können. Dabei soll Ella helfen. Die Abkürzung steht für „Elektronische Lehr- und Lernassistenz“. Es handelt sich um eine browser-basierte Internetplattform, auf die Anwender von überall Zugriff haben. Entwickelt haben sie landeseigene und kommunale Dienstleister im Auftrag des Kultusministeriums.

Was kann Ella? Die Plattform umfasst Module, ähnlich wie Apps, für Einzelfunktionen. Bestehende Dienste wie die Lernmanagement-Systeme „Moodle“ und „Dakora“ sind integriert. Mit „Dakora“ etwa können Lehrer Schülern Lernmaterial zuweisen oder Arbeitspläne erstellen. Die App „Sesam“ funktioniert wie eine Mediathek für Lernmaterial. Außerdem gibt es eine Kalenderfunktion, ein Online-Office-Paket und eine Videokonferenz-Funktion. Alle Lehrkräfte erhalten erstmals eine landesweit einheitliche dienstliche E-Mail-Adresse und eigenen Cloud-Speicher. Lehrer sollen miteinander kommunizieren können – innerschulisch, aber auch landesweit. Schüler dagegen nur in der Schule. Es sollen künftig weitere Dienste eingebunden werden können.

Ist Ella sicher? „Es ist ein zentrales Ziel, mit der digitalen Bildungsplattform mehr Sicherheit im Umgang mit Daten im schulischen Umfeld zu schaffen“, teilt das Ministerium mit. „Dank einer modernen 2-Faktor-Authentifizierung sind alle Daten vor unbefugten Zugriffen sicher.“ Die Server stehen in Baden-Württemberg. Alles entspreche den Datenschutz-Vorgaben.

Wer zahlt das? Ganz geklärt ist die Finanzierung noch nicht. Das Land finanziert den Aufbau und geht bei den Betriebskosten in Vorleistung. Dafür stehen im Landeshaushalt für die kommenden zwei Jahre knapp 24 Millionen Euro bereit. Für den laufenden Betrieb – etwa für Speicherplatz, Rechnerkapazitäten oder Wartung – sind eigentlich die Kommunen zuständig. Hier wird es noch harte Verhandlungen geben.

Wie geht es weiter? Am Montag beginnt die anderthalbjährige Testphase an 100 Schulen. Ziel ist ein Regelbetrieb im Schuljahr 2019/2020. Vorher sollen Schulungen und Fortbildungen stattfinden. An jeder Schule soll es Administratoren-Lehrer geben, die Kollegen unterstützen. Und abgesehen von Ella? Wie die Digitalisierung die Schulen weiter verändert, weiß niemand. Kultusministerin Eisenmann sagt: „Aufgrund der hohen Dynamik glaube ich nicht, dass der Prozess der Digitalisierung irgendwann abgeschlossen sein wird. Vielmehr wird es auch künftig darum gehen, gemeinsam möglichst flexibel auf neue Entwicklungen reagieren zu können.“

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23.02.2018, 06:00 Uhr
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