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Eine Unverschämtheit zu viel
„So einen wollte ich schon immer mal haben“, sagte Trump und meinte den Orden, den Louis Dorfman (rechts) bekam, weil er im Einsatz verwundet wurde. Foto: dpa
Donald Trump könnte den Bogen nun endgültig überspannt haben

Eine Unverschämtheit zu viel

Bislang konnte sich Donald Trump im US-Wahlkampf alles leisten. Doch nach den jüngsten Pannen wenden sich sogar seine Anhänger von ihm ab.

04.08.2016
  • PETER DE THIER

Washington. Seit über einem Jahr beweist Donald Trump, dass bei ihm die Gesetzmäßigkeiten und Spielregeln des politischen Geschäfts außer Kraft treten. Je krasser die Beleidigung einzelner Personen, ganzer Religionsgruppen oder ethnischer Minderheiten und je rassistischer seine Hasstiraden, desto größer ist die Begeisterung bei Trumps Anhängern. Nun aber könnte der Unternehmer den Bogen überspannt haben. Denn zu dem seit fast einer Woche andauernden Fernduell, das er sich mit dem Vater eines gefallenen muslimischen Soldaten liefert, gesellen sich der Skandal um Trumps Kriegsdienstverweigerung und eine sich abzeichnende Rebellion seiner engsten Berater.

Begonnen hatte die Serie schier unaufhörlicher Pannen und Blamagen am vergangenen Mittwoch. In einer Rede beim demokratischen Parteikonvent wetterte Khizr Khan, der Vater eines jungen US-Soldaten, der im Irakkrieg gefallen war, gegen Trumps geplantes Einreiseverbot für Muslime. Khan schilderte seinen Sohn als glühenden Patrioten, der sein Leben für seine Nation geopfert hat. Der trauernde Vater fragte den Milliardär, ob er jemals die US-Verfassung gelesen habe, bot ihm sein eigenes Exemplar zur Lektüre an und erklärte, dass Trump ungeeignet für das Präsidentenamt sei. Anstatt die durchaus berechtigte Kritik einfach zu schlucken, schlug der Demagoge zurück. Khan habe „grausame Attacken gegen mich gestartet“ schimpfte der 70-Jährige und lässt seitdem nicht locker.

Familien, die einen Angehörigen im Krieg verloren haben, gelten in den USA geradezu als sakrosankt und werden ehrfürchtig „Gold Star“-Familien genannt. Trumps Berater rieten also aus gutem Grund davon ab, sich auf ein Rededuell einzulassen, doch der republikanische Präsidentschaftskandidat zog es vor, die beleidigte Leberwurst zu spielen. Seit genau einer Woche bekriegen sich Trump und Khan in Fernsehinterviews und sozialen Medien.

Hillary Clinton kommt in diesem absurden Schauspiel die Rolle der lachenden Dritten zu. Erst am Wochenende geriet sie selbst bedenklich ins Wanken, kam dann aber dank Trumps grenzenloser Eitelkeit ungeschoren davon. Clinton behauptete in einem Interview, FBI-Chef James Comey habe ihr bescheinigt, dass sie im nach wie vor schwelenden Email-Skandal die Wahrheit gesagt habe. Nachweislich eine Lüge, die führende Republikaner eigentlich ausschlachten wollten. Deren Präsidentschaftskandidat ging darauf aber gar nicht erst ein, er war zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Medien berichten nun von zunehmender Aufregung und Frustration im Lager des Spitzenkandidaten. Wahlkampfmanager Paul Manafort soll mit dem Rücktritt gedroht haben. Selbst die zahlreichen jungen Frauen, die in Fernsehdiskussionen als Trumps Sprachrohr agieren und selbst seine unsäglichsten Entgleisungen verteidigen, kehren ihm langsam den Rücken. „Ich wünsche mir wirklich, dass er diese Dinge nicht alle gesagt hätte“, lamentierte etwa Kayleigh McEnany, eine junge Trump-Anhängerin, die bisher energisch bestritt, dass der Kandidat Frauen und Latinos beleidigt habe oder Muslime diskriminiere.

Am Dienstag dann der nächste Eklat: Während einer Wahlkampfveranstaltung in Virginia schritt ein Kriegsveteran zum Rednerpult und übergab Trump sein „Purple Heart“, einen militärischen Orden, der Soldaten verliehen wird, die während eines Kampfeinsatzes verwundet wurden. Der Kandidat bedankte sich und fügte hinzu: „So einen Orden wollte ich schon immer haben, so bekomme ich ihn natürlich wesentlich leichter.“ In den Medien hagelte es unerbittliche Kritik an seiner mangelnden Sensibilität – vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass sich Trump während des Vietnamkrieges stolze fünf Mal ausmustern ließ.

Demokraten reiben sich genüsslich die Hände. Auch kursieren Theorien, wonach Clintons Strategen Khizr Khan während ihres Parteikonvents gezielt als Köder einsetzten, um den dünnhäutigen Trump zu provozieren. Die demokratische Spitzenkandidatin legt in Wählerumfragen inzwischen täglich zu. Eine wachsende Zahl politischer Beobachter ist überzeugt, dass die Auswüchse des jüngsten Skandals den „Teflon Don“ endgültig aus der Bahn werfen könnten.

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04.08.2016, 06:00 Uhr
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