Interview

Kooperieren Daimler und BMW?

Chinesische Anteilseigner könnten mehr Macht anstreben, sagt Nord LB-Analyst und Auto-Experte Frank Schwope. Tesla habe weniger Interesse.

09.02.2021

Von THOMAS VEITINGER

Daimler könnte mit BMW kooperieren, glaubt Frank Schwope. Foto: Nord LB

Stuttgart. Spekulationen zu einer möglichen Übernahme von Daimler gibt es schon lange. Der Aktienkurs der Untertürkheimer hat sich in den vergangenen Jahren unterdurchschnittlich entwickelt. Der US-Autobauer Tesla etwa ist dagegen wertvoller als Daimler, BMW und VW zusammen. Nachdem Daimler am Ende der vergangenen Woche seine Aufspaltung in die Pkw- und Lkw/Bus-Sparte bekanntgegeben hat, halten Experten wie der Nord LB-Analyst Frank Schwope eine Übernahme für nicht unmöglich.

Könnte Daimlers Pkw-Bereich von einem anderen Unternehmen aufgekauft werden oder mit einem zusammengehen?

Frank Schwope: Möglich, dafür gibt es viele Optionen. Der US-Elektroautobauer Tesla ist eine davon. Mit einer „kleinen“ Kapitalerhöhung wäre das notwendige Geld da. Oder Geely, das schon knapp 10 Prozent an Daimler hat, könnte mit dem zweiten Chinesen BAIC die Anteile auf über 25 Prozent oder gar über 50 Prozent aufstocken, aber das wird politisch nicht gewollt sein. Oder Daimler rückt mit Renault-Nissan enger zusammen, mit denen es schon eine wechselseitig Verknüpfung gibt. Auch BMW wäre eine Möglichkeit, das wäre politisch wahrscheinlich gewünschter als die chinesischen Unternehmen.

Aber hinter dem Unternehmen BMW steht die Familie Quandt. Wäre diese Situation nicht eine schwierige Struktur?

Eigentlich wäre die Struktur ganz einfach. Die Familie Quandt müsste nur ja sagen. Es gibt keinen Staat als Investor wie bei Renault. Von Quandt-Seite würde ich das nicht als Problem sehen. Aber es wäre natürlich ein weiter Weg dahin. Es müsste perspektivisch Personal abgebaut werden auf beiden Seiten, aber die absolute Notwendigkeit für so einen Schritt ist noch nicht da. Aber es wäre wohl populärer als eine Übernahme durch Geely/Volvo oder Tesla. Am populärsten für Mercedes-Vorstand und Belegschaft ist aber nach wie vor die Stand-alone-Lösung.

Hätte Tesla-Chef Elon Musk Interesse an einem Unternehmen, das noch Verbrenner baut?

Ausschließen lässt es sich nicht, aber die Notwendigkeit sehe ich nicht. Musk hat derzeit traumhafte Zustände. Tesla gilt als Premium, als Avantgarde. Das Unternehmen ist schlank aufgestellt. Dass er sich die alte „Technologie“ und die große Mitarbeiterzahl von Mercedes-Benz ins Boot holt, von denen zahlreiche Beschäftigte bei der Umstellung auf Elektro-Antrieb überflüssig werden, glaube ich nicht. Die Zeit des Verbrenners läuft aus, mehrere Länder wollen ihn in naher Zukunft verbieten. Zudem müsste sich Musk stärker mit der deutschen Politik und Verwaltung auseinandersetzen.

Ist die Aufsplittung von Daimler ein Fehler?

Das weiß man immer erst hinterher. Mercedes-Benz steht nun allein da, das ist schwieriger. Für Traditionalisten und Werksangehörige ist es ein Schock. Für Aktionäre ist es wahrscheinlich etwas Gutes. Wenn jemand seine Anteile erhöht oder ein Übernahmeangebot unterbreiten würde, wäre es gut für den Aktienkurs. Allein ist Mercedes-Benz Pkw allerdings leichter zu übernehmen als mit den Lkws. In China vertreten zu sein, auch als chinesisches Unternehmen wahrgenommen zu werden, wäre durchaus positiv. China ist der weltgrößte Absatzmarkt und wird es auch für alle Ewigkeit bleiben. Ich glaube nicht, dass Indien in den nächsten 20 oder 30 Jahren China überholt. Die USA und Europa wachsen nicht mehr.

Wie wahrscheinlich ist eine Übernahme von Daimler?

Tesla halte ich für unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass Daimler mit Renault-Nissan zusammen gleiche Teile baut, im Bereich Elektromobilität zusammenarbeitet oder beim autonomen Fahren mit BMW gemeinsame Sache macht. Eher erhöht aber Geely seinen Anteil, als dass Tesla einsteigt.

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Erstellt:
9. Februar 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
9. Februar 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Februar 2021, 06:00 Uhr

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