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Testfahrt

Eine Strecke für Hartgesottene

ADFC-Kreisgeschäftsführer Carsten Bänfer radelt regelmäßig 25 Kilometer von Asperg im Kreis Ludwigsburg nach Stuttgart zur Arbeit. Als Lobbyist setzt er sich für bessere Wege ein.

07.09.2017
  • UWE ROTH

Stuttgart. Am Pragsattel kreuzen sich werktäglich die Berufspendler – sowohl im Auto als auch auf dem Fahrrad. Allerdings nicht auf Augenhöhe: Die Pkw-Pendler stehen auf der B 27 und B 10 zu den Hauptverkehrszeiten im Stau. Die Radfahrer dagegen überqueren über ihren Köpfen auf Stegen die Megakreuzung im Stuttgarter Norden, ohne dass sie von Ampeln aufgehalten werden. Die Fußgängerbrücken sind vor 25 Jahren angelegt worden, um Besucher zur Gartenausstellung zu leiten. Damals dachten die Planer im Traum nicht daran, dass der Weg, der sich vom Pragsattel in Serpentinen in Richtung Nordbahnhof schlängelt, einmal eine Hauptachse werden könnte für Radfahrer aus dem nördlichen Teil der Region, die zur Arbeit in die Stuttgarter City wollen.

Carsten Bänfer fährt regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit. Zwischen Asperg (Landkreis Ludwigsburg) und seinem Büro im Stuttgarter Westen sind es annähernd 25 Kilometer. Er setzt das täglich Machbare mit dem unmotorisierten Rad bei zehn Kilometern an. Alles, was weiter als 20 Kilometer weg sei, sei dagegen nur etwas für Hartgesottene. Wer nur eine Entfernung von fünf Kilometern habe, sollte nach seiner Überzeugung das Rad allein deswegen nehmen, weil es auf einer solchen Distanz die schnellste Mobilitätsvariante sei, sagt er.

Bänfer kennt als aktives Mitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs Deutschland (ADFC) im Landkreis Ludwigsburg die Gewohnheiten und Bedürfnisse der Radfahrer nur allzu gut. Er leitet regelmäßig Radtouren, und er ist als ADFC-Kreisgeschäftsführer kommunalpolitisch unterwegs. Mit Rathauschefs erkundet er Radwegenetze und zeigt, wo sie besonders löchrig sind. „Wir stoßen mit unseren Verbesserungsvorschlägen immer auf offene Ohren“, stellt er fest und schiebt nach: „Die Umsetzung lässt dann meistens auf sich warten.“

Der Radlerlobbyist hat mit den Kommunalpolitikern Geduld entwickelt. Sie seien in der Mehrheit immer noch auf „Autofahrer fixiert“, wie er sagt. Bei einer solchen Grundstimmung ende es meistens in einer Blockadehaltung, sollte er als Vertreter der Radfahrer politisch zu viel auf einmal verlangen. „Es sind Verteilungskämpfe. Nichts anderes. Was an Flächen Radfahrern zugesprochen wird, muss an gleicher Stelle Autofahrern weggenommen werden. Übrigen Platz haben wir in den Städten nicht.“

Von Asperg her kommend hat er im ersten Teil eine schöne Wegstrecke auf der kerzengeraden Solitudeallee. Über Stammheim kommt er irgendwann zum Begegnungspunkt Pragsattel. Die Route davor durch den alten Ortskern von Zuffenhausen und eine Schrebergartenanlage kennen nur Ortskundige. Was schade ist, denn dort fährt der Radfahrer mitten im Grünen, während nur wenige Meter entfernt der Großstadtverkehr tobt. Vom Pragsattel sucht sich jeder Radler seinen eigenen Weg: Die einen biegen links zum Rosensteinpark ab, die anderen fahren in Richtung Nordbahnhofstraße, die ebenfalls ein Geheimtipp ist. Wer nicht auf Abwege geraten möchte, fährt über die Brücke am Nordbahnhof und auf dem Radweg entlang der Heilbronner Straße in die City. Bänfer wählt die längere Variante durch die langgezogene Parkanlage – die Ruhe bei der Fahrt unter Bäumen ist es ihm wert. Außerdem kommt man durch den Schlosspark einfacher an den Stuttgart-21-Baustellen vorbei als an der Westseite des Bahnhofs.

Komplizierter ist die Strecke Ludwigsburg–Stuttgart für Radler, die von Nordosten kommen und durch die Stadt Kornwestheim müssen. Die vierspurige B 27 wurde einst auf einen Damm und Brücken gelegt, um die Autofahrer an der Innenstadt vorbei bequem nach Stuttgart fahren zu lassen. Für Radfahrer ist Kornwestheim dagegen eine Qual. Entweder es gibt keine Radwege oder sie sind schlecht bis gar nicht gepflegt. In einem Fall endet der Radweg inzwischen in einem Gebüsch, weil die Kreuzung zum Vorteil der Autos vergrößert worden ist.

Niemand kann sagen, wie der geplante Radschnellweg je durch diese Stadt führen soll. Der ADFC-Kreisgeschäftsführer fürchtet, aus Platzgründen könnte der Schnellweg weit um die Stadt herum geführt werden mit dem Argument, dass irgendwann jedes Rad einen Elektromotor haben werde und ein paar Kilometer mehr kein Problem seien.

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07.09.2017, 06:00 Uhr
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