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Literatur

Eine Stimme der Kinder und Israels

Mirjam Pressler, die Schriftstellerin und Übersetzerin, ist nach langer Krankheit im Alter von 78 Jahren gestorben.

17.01.2019

Von DPA

Autorin und Übersetzerin Mirjam Pressler ist tot. Foto: Sven Hoppe

München. Dass der Vermieter ihr Ende der 70er Jahre ihren Jeans-Laden in München kündigte, schien damals eine Katastrophe zu sein – für Generationen von Kindern und Jugendlichen aber war es ein Geschenk. „Das war ein ganz großes Glück, rückblickend“, sagte Mirjam Pressler einmal: „Ich hatte damals wirklich Existenzangst.“ Schließlich musste sie als alleinerziehende Mutter ihre drei Töchter durchbringen. Nach der Kündigung begann sie, Bücher zu schreiben. Und schon ihr erstes Buch „Bitterschokolade“ (1980) über ein junges Mädchen mit Bulimie wurde preisgekrönt und erreichte eine Auflage von 400 000 verkauften Exemplaren.

Mirjam Pressler, die jetzt nach langer Krankheit im Alter von 78 Jahren in Landshut starb, wie die Verlagsgruppe Beltz gestern mitteilte, gehörte zu den bedeutendsten und erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren Deutschlands. Sie, die nicht zuletzt Hebräisch, Jiddisch, Englisch, Niederländisch sprach, war mit mehr als 400 Titeln aber auch eine hervorragende wie erfolgreiche Übersetzerin, etwa von Zeruya Shalev und Amos Oz; auch die Tagebücher von Anne Frank übertrug sie aus dem Niederländischen ins Deutsche.

Ihre Themen waren Kindheitsprobleme, das Leid, das der Nationalsozialismus über die Menschen brachte, und ihre persönliche Verbundenheit mit Israel. Ihre Helden sind nicht strahlend und ohne Makel – sie sind Außenseiter, oft einsam und allein und sie haben Probleme. „Es gibt sie nicht, diese heile Kinderwelt“, sagte Mirjam Pressler.

Sie selbst wurde während des Zweiten Weltkriegs 1940 als uneheliches Kind einer Jüdin in Darmstadt geboren. Sie wuchs in einer Pflegefamilie und im Kinderheim auf. Mit elf Jahren kam sie ins Internat. Das Schreiben, so sagte sie, hatte auch therapeutische Gründe.

Für ihre Bücher wurde Pressler vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Sonderpreis für das Gesamtwerk des Deutschen Jugendliteraturpreises. Ihr selbst lagen „Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen“ (1994) und „Malka Mai“ (2001) besonders am Herzen. Das erste handelt von einer Kindheit im Heim. Das andere erzählt die wahre Geschichte einer jüdischen Ärztin, die mit ihren beiden Töchtern während des Zweiten Weltkriegs von Polen nach Ungarn flieht. Britta Schultejans

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Erstellt:
17. Januar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Januar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2019, 06:00 Uhr

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