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Ein Zeichen der Solidarität mit den Kurden

Eine Städtepartnerschaft Tübingen-Kobane

Was macht einen Terroristen zum Freiheitskämpfer – und umgekehrt? Der Blickwinkel des Betrachters. Manchmal auch die Zeit, die vergeht.

05.02.2018
  • Volker Rekittke

Ob Menachem Begin (Irgun/Israel), Éamon de Valera (IRA/Irland) oder Nelson Mandela (ANC/Südafrika): Aus Terroristen (Freiheitskämpfern) wurden schon oft Premiers und Präsidenten. „Erdogan – Terrorist!“, skandierten am Samstag in Tübingen über 400 bei der Demo gegen den türkischen Einmarsch in Afrin. Was in Geschichtsbüchern wohl einmal über den türkischen Präsidenten stehen wird?

Im Norden Syriens rollen seit dem 20. Januar türkische Panzer aus deutscher Produktion, fällt die türkische Armee zusammen mit der islamistischen Ahrar al-Scham-Miliz (die der deutsche Generalbundesanwalt als „terroristische Vereinigung“ bezeichnet) in die selbstverwaltete, beispielhaft demokratische und friedliche kurdische Enklave Afrin ein. Der Vorwurf von Präsident Erdogan: Die Kurden dort seien Terroristen, die die ebenfalls terroristischen Kurden in der Türkei unterstützen würden. Doch mit dieser Sichtweise ist der Pascha vom Bosporus ziemlich alleine: Im Deutschen Bundestag nannten unlängst Vertreter aller Parteien, auch der CDU und SPD, den Einmarsch „unprovoziert“ und „völkerrechtswidrig“.

Es ist eine Schande, dass Angela Merkel (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD) nicht gegen die Aggression protestieren und das Thema vor den UN-Sicherheitsrat und den Nato-Rat bringen. Und dafür sorgen, dass kein einziger Panzer oder Armeelaster, kein einziges Sturmgewehr deutscher Produktion mehr an die Türkei geliefert wird.

Afrin ist ebenso isoliert wie ganz Rojava – so nennen die Kurden die von ihnen befreiten Gebiete im Norden Syriens. Die von allen Seiten verratenen Kurden kämpfen dort einen verzweifelten Kampf gegen Islamisten und türkische Armee. „Die Kurden dort brauchen unsere Solidarität und unsere Hilfe – jetzt“, sagte ein Redner bei der Kundgebung auf dem Tübinger Holzmarkt. Bei der hielt kein Grüner eine Rede, kein Linker, auch kein linker SPDler, kein Gewerkschafter.

Doch was können Tübinger/innen überhaupt tun? Ein starkes Zeichen wäre: eine Städtepartnerschaft mit Kobane. Das ist die Stadt in Rojava, die von kurdischen YPG-Milizen mit Hilfe der US-Airforce gegen den IS verteidigt wurde, während der Islamisten-Nachschub unter den Augen der türkischen Panzerbesatzungen über die nahe Grenze rollte. Es wäre ein Zeichen der Solidarität mit einem basisdemokratischen, nicht-patriarchalen Experiment, das im Nahen Osten einzigartig sein dürfte.

Ein Tübinger hat schon angefangen. „In Rojava im Norden von Syrien kämpfen Kurdinnen und Kurden seit Jahren für ein menschenwürdiges Leben und für demokratische Verhältnisse. Sie streben nach sozialer Emanzipation, Religionsfreiheit, einem neuen Bildungssystem und Chancengleichheit für alle“, schreibt Rahman Piri. Mit seinem „Projekt für Bildung“ (E-Mail: rojava@projekt4bildung.de) will er den demokratischen Aufbruch der syrischen Kurden unterstützen, bei dem Frauen eine so wichtige Rolle spielen.

Zunächst möchte Piri, der vor 25Jahren selbst als kurdischer Flüchtling nach Tübingen kam, für drei Lehrerinnen aus Kobane eine dreimonatige Hospitanz an Tübinger Schulen organisieren. Daraus könnte mehr entstehen. Mit der Tübinger Stadtverwaltung hat er schon Kontakt aufgenommen – und es gibt positive Signale.

Unterstützung für Kobane wäre schließlich auch ein politisches Zeichen gegen die Verlogenheit einer Bundesregierung, für die Sigmar Gabriel unlängst erst in Dettenhausen verkündet hatte: „Wir liefern keine Waffen an die Türkei, es gibt keine Deals mit der Türkei.“

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05.02.2018, 01:00 Uhr
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